Bittere 1:2-Niederlage gegen Mainz 05

Werder-K.o. in der Nachspielzeit

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Frustrierte Werder-Profis

Bremen - Von Malte Rehnert. Ist das bitter, ist das hart! Werder Bremen war ganz nah dran am ersten Saisonsieg – doch dann schlug der FSV Mainz zwei Mal eiskalt zu und nahm durch das 2:1 (0:1) alle drei Punkte aus Bremen mit.

Den Gastgebern fehlten beim Debüt von Interimstrainer Alexander Nouri und nach dem herrlichen Tor von Izet Hajrovic (12.) nur sechs Minuten (inklusive Nachspielzeit) zum erhofften Erfolg. Mit weiterhin null Zählern bleiben die Bremer Tabellenletzter der Fußball-Bundesliga. Immerhin war aber eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den ernüchternden Vorwochen zu erkennen. Doch das konnte die Bremer nach dem Schlusspfiff kaum trösten. „Ein Sieg hätte uns richtig gut getan – und dann bekommst du noch so einen drüber“, seufzte Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic: „Wir wollten das Ergebnis verwalten und haben das Spiel dann in fünf Minuten verloren. Das spiegelt unsere Situation wider.“ Total gefrustet war auch Nouri, der am Ende auch noch auf die Tribüne geschickt wurde: „Jeder hat gesehen, dass wir gebrannt und alles gegeben haben, dass wir gewinnen wollten. Und dann kommen diese fünf Minuten. So bitter ist der Fußball.“

Der neue Coach hätte es sich bei der Aufstellung einfach machen und auf große Veränderungen verzichten können – doch der 37-Jährige ging ziemlich ins Risiko. Auf die rechte Mittelfeldseite im 4-2-3-1-System stellte er nicht etwa Sambou Yatabare (angeschlagen und nicht im Kader) oder Florian Kainz, sondern Izet Hajrovic. Für den Bosnier war es der erste Startelfeinsatz im Werder-Trikot seit fast anderthalb Jahren (zuletzt beim 1:1 in Hannover am 9. Mai 2015). Noch viel, viel dicker aber war die Überraschung im Sturm. Dort durfte wegen der großen Personalnot Ousman Manneh (19) ran.

„Er ist extrem laufstark und hat das zuletzt in der Dritten Liga eindrucksvoll unter Beweis gestellt“, sagte Nouri vor der Partie und ergänzte: „Das hat unsere Fantasie angeregt, dass er es auch auf die Bundesliga übertragen und viele Räume schaffen kann.“ Gambia-Flüchtling Manneh hatte bislang lediglich in der U23 gespielt und nicht ein einziges Mal in Werders Profi-Pflichtspielkader gestanden. Und dann gleich in der Startelf! Genau wie Keeper Jaroslav Drobny, dem auch Nouri den Vorzug vor Felix Wiedwald gab. Gar nicht ins Aufgebot schafften es dagegen Thanos Petsos und Fallou Diagne, der zuletzt beim 1:4 in Gladbach noch begonnen hatte. Für den Senegalesen rückte der Finne Niklas Moisander ins Abwehrzentrum.

Starker Moisander patzt plötzlich

Beinahe wäre Nouris Mut schon nach vier Minuten belohnt wurden, da hätten die zwei Überraschungs-„Starter“ für einen Traumauftakt sorgen können. Hajrovic brachte den Ball von rechts volley in die Mitte, wo Manneh ihn mit dem Knie in Richtung Tor bugsierte. Doch Mainz-Keeper Jonas Lössl hatte Glück und parierte mit dem Kopf. Wenig später war er dann absolut chancenlos – und Werder in Führung. Dank Hajrovic. Der 25-Jährige ging über rechts durch, zog nach innen und hämmerte den Ball aus 22 Metern mit links halbhoch ins rechte Eck. Ein Super-Tor – und erst das zweite von Hajrovic für Werder nach dem Treffer gegen Paderborn (2:2) am 26. April 2015. Das Bemerkenswerte: Vor ein paar Wochen sollte der Topverdiener noch weg, weil Skripnik keine Verwendung mehr für ihn hatte. Hajrovic blieb, bekam seine Chance und bedankte sich nach elf Minuten und 43 Sekunden mit dem 1:0, das von Beginn an sehr engagierten Bremern noch mehr Auftrieb gab.

Werder war griffig, spielte mit Herz und Leidenschaft. Genau so also, wie es sich Nouri nach dem katastrophalen Saisonstart (vier Pleiten) erhofft hatte. Und hinten ließen die Gastgeber vor nur 37 108 Zuschauern im nicht ausverkauften Weserstadion bis auf einen Schuss des Ex-Bremers Levin Öztunali (27./drüber) gar nichts zu. Mainz war – das muss man dazu sagen – allerdings auch nicht sonderlich kreativ und stellte die in den ersten Partien sehr wacklige Werder-Defensive vor wenig Probleme. Nach dem Seitenwechsel sah das anders aus, da bekam auch Drobny immer mehr Arbeit. Erst klärte der Tscheche unorthodox mit dem Fuß gegen Fabian Frei (55.), dann mit den Fäusten gegen Christian Clemens (57.) und schließlich mit dem Knie gegen Jhon Cordoba (63.). Im direkten Gegenzug hätte Hajrovic für die Vorentscheidung sorgen müssen, doch nach Pass von Serge Gnabry scheiterte er freistehend an Lössl. Wenig später fasste sich der Bremer an den Oberschenkel und musste runter (70.) – begleitet von großem Applaus.

Wie Hajrovic wirkten auch die anderen Bremer in der Schlussphase ziemlich platt. Sie stemmten sich zwar mit allem, was sie noch im Tank hatten, gegen die stärker werdenden und drückenden Mainzer – dennoch fiel der nicht unverdiente Ausgleich. Nach Cordobas Kopfball-Ablage kam Moisander einen Schritt zu spät gegen Malli, der ins lange Eck (87.) vollstreckte. Nouri sah die letzten Minuten von der Tribüne, weil er von Schiedsrichter Wolfgang Stark wegen Reklamierens nach oben geschickt worden war. Und dort erlebte er den späten Knockout! Der eingewechselte Pablo de Blasis köpfte das 2:1 (90. + 2) und traf Werder bis ins Mark.

Malli und De Blasis schocken Werder

Werder Bremen - FSV Mainz 05 1:2 (1:0)
1:0 Hajrovic (12.)
1:1 Malli (87.)
1:2 De Blasis (90.+2)
Bremen: Drobny - Gebre Selassie, Sane, Moisander, Bauer - Fritz, Grillitsch - Hajrovic (70. Ulisses Garcia), Junuzovic (79. Fröde), Gnabry - Manneh (55. Thy). - Trainer: Nouri
Mainz: Lössl - Donati, Balogun, Bungert (75. Muto), Bussmann - Brosinski, Frei (82. Holtmann) - Öztunali (64. De Blasis), Malli, Clemens - Cordoba. - Trainer: Schmidt
Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)
Zuschauer: 37.108
Gelbe Karten: Manneh, Grillitsch (2) - Frei
Erweiterte Statistik (Quelle: deltatre)
Torschüsse: 13:11
Ecken: 3:14
Ballbesitz: 44:56 Prozent

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