Folgen des Trainerwechsels

Gefühlschaos bei Bartels: Mitgefühl und neues Feuer

+
Fin Bartels

Bremen - Es knallt gewaltig – und wahrscheinlich ist der Torpfosten auch nicht mehr der Torpfosten, der er mal war. Fin Bartels hat ihm schließlich mit seinem Stollenschuh ordentlich zugesetzt. „Das musste mal raus“, erklärt der Werder-Profi seinen kleinen Wutanfall, nachdem er im Trainingsspiel erneut nicht das Tor gemacht hat.

Es läuft einfach noch nicht für den 29-Jährigen. Das gibt er offen zu – und im Gespräch noch weitere interessante Einblicke in die Gefühlswelt eines Fußball-Profis. „Ich versuche, endlich richtig in die Saison zu starten“, sagt Bartels. In Lotte flog erst er vom Platz, dann Werder aus dem Pokal. Auch die beiden folgenden Bundesliga-Spiele gingen verloren – jeweils mit Bartels in der Startelf. Dann stoppten ihn Adduktorenprobleme. Erst am sechsten Spieltag war Bartels wieder fit und brachte als Einwechselspieler immerhin einen Punkt aus Darmstadt (2:2) mit.

„So etwas ist immer traurig“

„Es ist alles nicht so optimal gelaufen“, urteilt Bartels und meint damit nicht nur sich selbst. Die Entlassung von Trainer Viktor Skripnik hat ihn nicht kalt gelassen. „Natürlich fühlt man da mit, wir sind doch hauptverantwortlich dafür“, betont der Mittelfeldspieler und denkt dabei nicht nur an Skripnik, sondern auch an dessen Co-Trainer Torsten Frings und Florian Kohfeldt: „Das ist nicht schön. Es geht ja auch um die Menschen, die ihren Job verlieren. So etwas ist immer traurig.“ Das klingt nicht so dahergesagt. Und Bartels will auch nicht auf die Tränendrüse drücken. Er beschreibt einfach nur die harte Welt des Fußballs: „Trotzdem muss man in unserem Business am nächsten Tag wieder zu 100 Prozent fokussiert sein und mit dem neuen Gespann arbeiten. Da gibt es keine Ruhepausen, denn es folgt gleich das nächste Spiel. Das ist nicht immer so einfach.“

Auch darüber zu reden, ist nicht so einfach. Denn alle wollen natürlich wissen, was der neue Trainer, also Alexander Nouri, nun anders macht als der alte. „Ich vergleiche nicht“, wiegelt Bartels sofort ab. Es gehört sich nicht, schlecht über den Ex-Coach zu reden. Er hebt lieber hervor, „dass wir auch unter Viktor Riesiges geleistet haben in der Rückrunde im vorletzten Jahr – und es gab auch vergangene Saison einige Highlights.“ In der aktuellen Spielzeit setzte es aber nur noch Niederlagen – vier am Stück. Der Club reagierte, wechselte den Trainer. Mit Erfolg, Nouri holte vier Punkte aus seinen ersten drei Spielen.

Neue Impulse und Ideen

Warum läuft es plötzlich besser? „Mit einem neuen Trainer kommen neue Impulse, neue Ideen, neue Philosophien, die dann in manchen Situationen besser passen“, findet Bartels: „Jeder will diese neuen Sachen aufsaugen und hört genau zu. Man ist wissbegieriger, weil man die Sachen nicht schon drei Jahre lang gehört hat.“ Profis, die zuletzt nur eine Nebenrolle spielten, würden nun ihre Chance wittern – und die Hauptdarsteller um ihre Position kämpfen. „Deswegen ist jetzt mehr Feuer drin“, sagt Bartels und lobt das neue Trainergespann: „Mit Alex Nouri und Florian Bruns haben wir zwei akribische Arbeiter, die heiß sind auf das Geschäft. Sie sind Feuer und Flamme für ihre Aufgabe. Das vermitteln sie uns jeden Tag.“ Es gehe aber nicht nur um Motivation. „Sie geben jedem ein klares Konzept an die Hand, damit jeder in dieser wirklich schwierigen Situation weiß, wann er was zu machen hat. Das sind einfache Dinge.“

Die Umsetzung ist dagegen gar nicht so einfach – und muss immer und immer wieder trainiert werden. Das Trainergespann verfolgt das ziemlich intensiv. Co-Trainer Bruns äußerst gestenreich, Chefcoach Nouri äußerst stimmgewaltig. „Er ist schon ab und zu sehr laut“, bestätigt Bartels. Ob es hilft, wird sich vielleicht schon am Samstag gegen Leverkusen zeigen. Bartels wäre gerne von Beginn an dabei. Schließlich ist Bayer so etwas wie sein Lieblingsgegner. Zwei Siege, ein Unentschieden lautet Bartels‘ Bilanz aus seinen drei Bundesliga-Spielen im Werder-Dress gegen die Werkself. Garniert wird diese positive Statistik mit zwei Toren und einem Assist, schön verteilt auf alle Spiele. „Natürlich weiß ich so etwas“, stellt Bartels sofort klar: „Der Kopf ist ein wichtiger Teil im Fußball. Wenn man solch positive Ergebnisse mit in ein Spiel nimmt, kann das durchaus helfen.“ Genauso wie ein Tritt gegen den Pfosten . . .
kni

Mehr zum Thema:

Immer mehr Wohnungslose in Deutschland

Immer mehr Wohnungslose in Deutschland

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Weihnachtsmarkt in Nordwohlde

Weihnachtsmarkt in Nordwohlde

Klaus Allofs' Erfolge

Klaus Allofs' Erfolge

Meistgelesene Artikel

Erzwungene Erleichterung

Erzwungene Erleichterung

Werder kann doch noch gewinnen: Bremen verlässt Relegationsplatz

Werder kann doch noch gewinnen: Bremen verlässt Relegationsplatz

Delaney bekennt sich zu Werder

Delaney bekennt sich zu Werder

Weiter mit Wiesenhof

Weiter mit Wiesenhof

Kommentare