Werder-Keeper Wiedwald

Die Wand vor der Wand

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Werder-Keeper Wiedwald jubelt nach dem geschafften Klassenerhalt

Bremen – Von Michael Baltes. Hinter Werder Bremens Torhüter Felix Wiedwald liegt eine Saison mit Höhen und Tiefen. In den entscheidenden Spielen im Abstiegskampf zeigte der 26-Jährige aber überragende Leistungen und darf sich nun zurecht als „Wiedwall“ feiern lassen.

Es ist eine seiner stärksten Paraden in dieser Spielzeit – wenn nicht sogar die stärkste. Felix Wiedwald taucht in der 20. Minute im Saisonfinale gegen Frankfurt am Fünfmeterraum ab, bekommt irgendwie noch seine rechte Hand an den Ball und verhindert so den Rückstand. Eintrachts Makoto Hasebe war zuvor nahezu ungestört durchs Mittelfeld bis an die Strafraumkante spaziert und hatte von dort abgezogen – gleich mehrere Bremer Spieler gaben dem Japaner dabei Geleitschutz. Einzig Wiedwald stellte sich dem 32-Jährigen in den Weg. Nach seiner Parade, die durchaus das Prädikat Weltklasse verdient hat, ballte Wiedwald seine Faust und schrie seine ganzen Emotionen heraus.

Eine Szene, die sinnbildlich für Wiedwalds überragende Leistungen in den letzten drei Saisonspielen ist: Gegen Stuttgart (Note 2), Köln (1,5) und Frankfurt (1,5) zeigte der in Thedinghausen geborene und in Achim aufgewachsene Torhüter wohl seine bisher besten Auftritte im Werder-Dress. „Die Mannschaft hat gesehen, dass sie sich auf mich verlassen kann – ich habe mich wieder gesteigert zum Ende der Saison. Das war wichtig für mich, für die Mannschaft, für den Verein“, sagte der 26-Jährige nach dem geschafften Klassenerhalt. Der Keeper trifft es damit auf den Punkt. Ohne diese Steigerung hätte es schlecht für Werder ausgesehen. Das weiß auch Viktor Skripnik: "Ich und unsere Fans müssen froh sein, dass Felix jetzt so in Form ist", hatte der Bremer Coach bereits vor dem Saisonfinale gegen Frankfurt gesagt.

Eine wirklich schwache Saison hatte Wiedwald bis dahin zwar nicht gespielt. Nach einer soliden Hinrunde schlichen sich im Frühjahr zu Beginn der Rückrunde aber einige Patzer ein. Hier ein verursachter Elfmeter, da ein falsches Stellungsspiel oder ein zu zögerliches Herauslaufen. Der Keeper geriet in die Kritik. Unter anderem meldete sich Werders Ex-Torhüter Tim Wiese zu Wort. Statt sich zu verkriechen oder auf stur zu schalten, stellte sich Wiedwald und räumte damals ehrlich ein, dass die Kritik berechtigt sei. Auch am Samstag blickte er noch einmal zurück: „Beim Torwartspiel gibt es immer mal ein Tief, ich habe mich da aber gut rausgearbeitet, und es ist umso schöner, dass in den letzten beiden Spielen die Null stand.“

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Die Null, auf die die Bremer und Wiedwald so lange warten mussten. Die Null, die schon fast zu einem Fluch geworden war - jetzt aber nur noch als Randnotiz einer verkorksten Saison mit Happy End bleibt. Wichtig ist einzig und allein der Klassenerhalt, den Werder gemeinsam mit seinen Fans, die wie eine Wand hinter ihrem Club standen, in einem Kraftakt bewerkstelligt hat. Einem Kraftakt, in dem Felix Wiedwald zu dem sicheren Rückhalt geworden ist, den es in solch einer Situation braucht. Wiedwald darf sich zurecht als „Wiedwall“, so sein Spitzname bei den Anhängern, feiern lassen. Er ist im entscheidenden Moment zur Wand vor der Wand geworden.

Er, der so eng mit Werder verbunden ist wie nur wenige andere Profis im Verein. Dessen Wechsel an die Weser im vergangenen Sommer eine Herzensangelegenheit war. Eine Rückkehr nach Hause, wie es Wiedwald damals selbst ausdrückte. Der 26-Jährige ist mit den Grün-Weißen aufgewachsen, hat zwölf Jahre für den Club gespielt, bevor er 2011 mangels Perspektive zum MSV Duisburg wechselte. Dass er nun im Weserstadion, in seinem "Wohnzimmer", die Rettung mit seinem Herzensclub geschafft hat, dürfte mit Sicherheit das emotionalste Erlebnis seiner bisherigen Laufbahn gewesen sein.

„Ganz Bremen ist ein Stein vom Herzen gefallen“, sagte Wiedwald nach der Partie erleichtert, bevor er sich zum Feiern verabschiedete: „Ich denke, es werden ein paar Bierchen getrunken“ - und das wurden sie, wie die Party-Bilder der Grün-Weißen in den sozialen Netzwerken zeigen. Aber das haben sich Wiedwald und seine Teamkollegen nach so einem Saisonfinale auch redlich verdient.

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