Werder nach der Derby-Pleite am Boden / Stuttgart-Spiel schon ein Finale

Extreme Enttäuschung

+
Werder-Kapitän Clemens Fritz

Hamburg/Bremen - Von Carsten Sander. Vorweg ein dreifacher Bremer Dank – und zwar an Shinji Kagawa, an Christian Pulisic, an Henrich Mchitarjan. Die Profis von Borussia Dortmund haben gestern Wichtiges für den SV Werder geleistet.

Wegen ihrer Tore gewann der BVB beim VfB Stuttgart mit 3:0, und wegen ihrer Tore bietet sich den Bremern im kommenden Duell mit dem Tabellennachbarn VfB (Montag, 2. Mai, 20.15 Uhr) die nächste, vielleicht letzte Gelegenheit zum Befreiungsschlag im Bundesliga-Abstiegskampf. „Stuttgart“, sagt Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic, „ist jetzt das absolut Wichtigste“. Das Nordderby beim Hamburger SV, das die Bremer gründlich verbockt hatten, ist dagegen schon nur noch unschöne Vergangenheit.

1:2 (0:2) verloren – Werder musste den Erzrivalen in der Tabelle ziehen lassen, verharrt selbst auf dem Relegationsplatz und hat vor dem 32. und drittletzten Spieltag der Fußball-Bundesliga nur noch den VfB Stuttgart tatsächlich in Schlagdistanz. Zwei Punkte stehen die Schwaben vor den Bremern – das sagt alles über die Brisanz der kommenden Paarung. „Es ist ein Endspiel“, sagt Werder-Torjäger Claudio Pizarro und fügt an: „Weil wir jetzt nur noch Endspiele haben.“

Drei an der Zahl – oder fünf, wenn es am Ende tatsächlich die Relegation werden sollte. Selbst der direkte Abstieg wird zur realen Bedrohung, wenn der Vorletzte Eintracht Frankfurt heute (17.30 Uhr) gegen Mainz 05 gewinnen sollte. Dann wäre der Bremer Vorsprung auf einen Punkt geschrumpft – und am letzten Spieltag kommt die Eintracht ins Weserstadion. Da braut sich ein gewaltiges Abstiegsgewitter über den Bremer Köpfen zusammen.

Über den tief hängenden Bremer Köpfen muss es eigentlich heißen. Denn die Pleite in Hamburg hat allen gewaltig zugesetzt. „Es tut sehr weh, dieses Derby zu verlieren“, erklärte Geschäftsführer Thomas Eichin. „Die Situation ist so prekär wie noch nie“, meinte Junuzovic, dem der Schmerz der Niederlage noch am Tag danach anzusehen war. Leer wirkte er, kraftlos, niedergeschlagen. „Die Enttäuschung ist eben extrem groß. Wir haben ein Derby verloren, das wir nie verlieren wollten. Jetzt müssen wir uns wieder aufrappeln“, forderte der Österreicher.

Bode stärkt Skripnik

Aber es lässt sich leicht erahnen, dass die Bremer im Augenblick gleich in doppelter Hinsicht in einer Ausnahmesituation stecken. Erstens im sich zuspitzenden Abstiegskampf, zweitens im tiefen Derby-Frust – mit der Zugabe, dass Werder das erste Mal seit der Saison 1967/68 wieder beide Bundesliga-Derbys gegen den HSV verloren hat (Hinspiel 1:3 in Bremen). „Das“, so formulierte es Torwart Felix Wiedwald, „ist kein gutes Erscheinungsbild“. Für die Fans ist es sogar – abgesehen von einem Abstieg – das Schlimmste, was passieren kann. Entsprechend aufgebracht war die Menge im Bremer Block nach dem Abpfiff. Die Greenwhitewonderwall wurde für Minuten zur Wut-Wand. Einige Spieler stellten sich dem Dialog, danach trotteten sie in die Kabine, während am anderen Ende des Spielfelds die HSV-Profis mit ihren Fans hüpften und feierten. Es waren schlimme Werder-Momente.

„Es wird länger dauern, das zu verarbeiten“, ahnt Pizarro, der mit seinem verschossenen Elfmeter auch seinen Anteil am 1:2 hatte: „Aber nach zwei Tagen muss das durch sein, dann müssen wir uns wieder auf den nächsten Gegner konzentrieren.“ Auch Kapitän Clemens Fritz fordert: „Wir dürfen uns von dem Derby nicht runterziehen lassen.“ Schließlich geht es in acht Tagen gegen Stuttgart quasi um Alles oder Nichts.

In die Partie geht der SV Werder weiter mit Trainer Viktor Skripnik. Daran ließ Aufsichtsratschef Marco Bode in den Katakomben des Hamburger Volksparkstadions keinen Zweifel. Mit einem klaren „Ja“ antwortete er auf die Frage, ob Skripnik fest im Sattel sitze. Die Werder-Führung glaubt also daran, dass der Ukrainer das Team zum Klassenerhalt führen kann – trotz immer neuer Rückschläge, trotz nun schon 34 Spielen am Stück mit mindestens einem Gegentor, trotz eines teils haarsträubenden Defensivverhaltens seiner Spieler. Die HSV-Tore durch Pierre-Michel Lasogga (5./32.) waren Bremer Geschenke, dennoch redete Skripnik später davon, dass die mangelnde Chancenverwertung „unsere Krankheit“ sei. Anthony Ujah erzielte zwar den Anschlusstreffer (65.), mehr gelang jedoch nicht.

Allen offenkundigen Mängeln zum Trotz bescheinigte Bode dem Team die Qualität für den Klassenerhalt: „Alles spricht dafür, dass wir eine stabile Mannschaft haben, die in den letzten drei Spielen punkten kann. Ich glaube, wir schaffen das.“

Pizarro zeigt Nerven, Djilobodji unsicher

Bittere Pleite im Nordderby

Mehr zum Thema:

Am Set von Gossip Girl 

Am Set von Gossip Girl 

Erdogan soll künftig per Dekret regieren können

Erdogan soll künftig per Dekret regieren können

So schön ist der Winter in unserer Region 

So schön ist der Winter in unserer Region 

Theater von Lehrern für Schüler in Bruchhausen-Vilsen

Theater von Lehrern für Schüler in Bruchhausen-Vilsen

Meistgelesene Artikel

„Philipp hat mehr Qualität als ich“

„Philipp hat mehr Qualität als ich“

Kainz wird nicht ausgeliehen

Kainz wird nicht ausgeliehen

Werder denkt über Skripnik-Rückkehr nach

Werder denkt über Skripnik-Rückkehr nach

„Unerträgliches Verhalten“

„Unerträgliches Verhalten“

Kommentare