Skripnik: „Die Gegentore ärgern uns“

Chelsea deckt die Schwächen auf

Werder-Keeper Felix Wiedwald zeigte gegen Chelsea mehrere Paraden, kassierte aber trotzdem vier Gegentore – hier zum 1:3 von Diego Costa. - Foto: dpa

Bremen - Da war ein bisschen mehr drin für den SV Werder! Hätte Schiedsrichter Sven Jablonski gestern in der ersten und zweiten Halbzeit jeweils ein paar Sekunden früher abgepfiffen, hätten die Bremer zwei Tore weniger gegen das Starensemble des FC Chelsea kassiert. Und hätte die Mannschaft von Trainer Viktor Skripnik nicht zu zaghaft begonnen, hätte der fünfmalige englische Meister um Eden Hazard und Diego Costa wohl noch zweimal weniger jubeln dürfen.

Weil aber ein Spiel 90 und nicht 88 Minuten dauert und ein Gegner wie Chelsea Startschwierigkeiten eiskalt bestraft, stand am Ende eine 2:4 (1:3)-Niederlage im Testspiel-Kracher vor 23 611 Zuschauern im Weserstadion. „Die Gegentore ärgern uns“, gestand Skripnik, „aber wir haben gezeigt, dass wir gegen Top-Leute in der Lage sind, Tore zu machen.“

Tatsächlich zeigten die Bremer gute Offensivaktionen gegen das Team des neuen Chefcoachs Antonio Conte, der eine Woche vor dem Start der Premier League Defizite in seiner Defensive ausgemacht haben dürfte. Die erkannte freilich auch Skripnik: „In Herzlake werden wir an den Gegentoren arbeiten“, kündigte der 46-Jährige mit Blick auf das morgen startende Trainingslager an. Allerdings wies er auch auf seine improvisierte Abwehr hin: „Das war eine Notsituation.“ Die beiden etatmäßigen Außenverteidiger Santiago Garcia und Theodor Gebre Selassie fehlten angeschlagen, dafür spielten Leon Guwara (rechts) und Janek Sternberg (links). Und in der Mitte verteidigten in Niklas Moisander und Luca Caldirola zwei Linksfüße.

Insgesamt hatte Skripnik – wie Kollege Conte – seine derzeit wohl stärkste Elf aufgeboten. Trotzdem stand es schon ganz früh 0:2. Nach einer Ecke von Oscar zog Eden Hazard von halblinks ab – 0:1 (7.). Wenig später jubelte Chelsea erneut: Der belgische Superstar Hazard und Oscar hatten per Doppelpass die Abwehr ausgehebelt, Oscar schloss frei vor Werder-Torwart Felix Wiedwald zum 2:0 ab (9.). „In diesen Situationen muss Niklas mutiger sein“, rügte Skripnik. Auch Werder-Kapitän Clemens Fritz, neben Zlatko Junuzovic starker Ball-eroberer in der Doppelsechs des erstmals probierten 4-2-3-1-Systems, moserte über den Auftakt: „Es darf nicht passieren, dass wir so früh 0:2 hinten liegen. Wir sind nicht richtig in die Zweikämpe gekommen und waren nicht eng genug am Mann.“

2:4-Niederlage gegen Chelsea

Den Grün-Weißen drohte ein Debakel, zumal vorne zunächst ebenfalls wenig passte. Max Kruse, der sein Debüt für Werder gab, agierte als Zehner teils zu fahrig. Nach einer Viertelstunde setzte er jedoch Junuzovic in Szene, und der Österreicher donnerte die Kugel an den Querbalken. Ein Weckruf für Werder. Kruses erster Schuss aufs Tor rauschte zwar deutlich vorbei (18.), doch nach einer halben Stunde wusste sich Nemanja Matic im Strafraum gegen Junuzovic nur per Foul zu helfen, Claudio Pizarro verwandelte den Elfmeter cool unten rechts zum 1:2 (32.). Junuzovic verfehlte mit feinem Schlenzer ebenso knapp wie Fritz nach schönem Doppelpass mit Pizarro (Außennetz/43.) – doch dann der Nackenschlag: Diego Costa und Hazard kombinierten sich durch, Costa vollendete frei vor Wiedwald zum 3:1 (45.). „Dabei waren wir doch dem 2:2 näher“, seufzte Skripnik.

Zur zweiten Halbzeit brachte der Werder-Coach Lennart Thy für Pizarro – und der vom FC St. Pauli zurückgekehrte Stürmer traf. Nach Hacken-Vorlage von Junuzovic hämmerte der 24-Jährige die Kugel per Drehschuss aus 18 Metern in die Maschen. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir das Tor kein Selbstvertrauen gibt“, sagte Thy. Insgesamt räumte er allerdings ein, dass „wir einige Situationen besser hätten lösen können. Wir haben schöne Angriffe gespielt – aber man hat heute gesehen, welche Qualitäten Chelsea hat.“

Zum Beispiel Cesc Fabregas. Spaniens zur Pause eingewechselter Mittelfeld-Stratege leitete in den Schlusssekunden den Endstand ein: Er bediente Pedro – und der schlenzte den Ball am insgesamt starken Wiedwald vorbei zum 4:2.

Skripnik war hinterher dennoch nicht total frustriert, denn der Bremer Chefcoach hatte auch „viele positive Sachen“ gesehen – vor allem im Spiel nach vorne: „Pizarro und Kruse, dazu die anderen Offensivleute. Das kann in Zukunft eine richtige Waffe für uns sein.“ - ck

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