EXpertise von Dieter Burdenski

„Die nächsten vier Spiele entscheiden“

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Dieter Burdenski

Der Werder-Fehlstart ist fulminant. Aber für Dieter Burdenski sind die drei Pflichtspielniederlagen zum Saisonauftakt kein Grund, „direkt die Nerven zu verlieren. Nach zwei Spieltagen geht die Welt noch nicht unter“, sagt der 65-Jährige. Auch noch nicht nach sechs – aber spätestens bis dahin müssen die Bremer mit ihrem Trainer Viktor Skripnik ergebnistechnisch die Kurve gekriegt haben. „Wenn das nicht der Fall ist, muss man reagieren“, meint Burdenski. Und was das heißt, kann sich jeder denken: Trainerwechsel.

Doch noch ist es für eine drastische Maßnahme wie diese zu früh, erklärt der ehemalige Nationalkeeper. „Das Pokalaus und null Punkte nach zwei Spielen ist sicherlich nicht das, was sich alle erhofft haben. Gegen Augsburg darf man zu Hause auch nicht verlieren, und das Torverhältnis ist mit 1:8 eine Katastrophe. Aber alle im Verein und auch die Fans sollten noch die Ruhe bewahren und hoffen, dass sich die Mannschaft findet und punktet.“

Das ist ein einigermaßen milder Blick, den der Ehrenspielführer auf die aktuelle Situation wirft. Aber wer große Abrechnungen erwartet, ist bei Burdenski nicht richtig. Jedenfalls aktuell nicht. „Ich halte nichts davon, jetzt auf irgendwen einzutreten“, sagt er und meint natürlich den einmal mehr in der Kritik stehenden Trainer Viktor Skripnik. Dessen Lage sei jedoch so klar, da müsse man gar nicht groß drüber reden, so Burdenski: „Der Druck von außen auf ihn wird immer größer. In den nächsten vier Spielen (in Gladbach, daheim gegen Mainz und Wolfsburg sowie in Darmstadt, d. Red.) müssen mindestens sechs Punkte her, eigentlich sogar noch mehr. Nach diesen Spielen siehst du dann, wo du tatsächlich stehst. Hat sich die Mannschaft stabilisiert oder nicht? Aus der Antwort musst du dann deine Schlüsse ziehen. Das weiß Viktor doch auch.“ Denn irgendwann ist der Punkt gekommen, „dass du den Leuten nicht mehr erklären kannst, wieso, weshalb und warum es wieder nicht läuft“.

Es sind die Mechanismen der Branche, die im Fall des fortgesetzten Misserfolgs auch in Bremen greifen würden. Dabei ist es Burdenski mitunter zu einfach, alles beim Trainer abzuladen. „Dass er jetzt kritisiert wird, ist normal. Aber die Spieler müssen sich doch auch mal hinterfragen. Alle wollen sie tolle Fußballer sein, und alle wollen ein tolles Gehalt bekommen. Dann müssen sie auch die passende Leistung bringen.“

Das ist weder gegen die SF Lotte noch gegen Bayern München und auch nicht gegen den FC Augsburg geschehen. Wobei es Burdenski im Augsburg-Fall tatsächlich mit Werder-Sportchef Frank Baumann hält und ebenfalls von einem Fortschritt – oder wie er es nennt „einer erkennbaren Entwicklung“ – spricht: „Aber wie gesagt: Diese Entwicklung muss jetzt auch weitergehen.“

Übrigens mit Felix Wiedwald zwischen den Pfosten – da ist der ehemalige Torhüter Burdenski ganz klar in der Meinung. Die Gegentore gegen Augsburg – naja, der Ex-Torwarttrainer hält sich mit einer Bewertung zurück. Was ja auch schon etwas aussagt. Laut Burdenski ist Wiedwald aber allemal „stark genug, das wegzustecken. Sonst wäre er am Ende der vergangenen Saison nicht zu dem Rückhalt geworden, der er war. Ich halte zu ihm.“

Zur Person: Dieter Burdenski spielte zwischen 1972 und 1988 als Torhüter für dem SV Werder und kam dabei auf 444 Bundesliga-Einsätze. Der mittlerweile 65-Jährige ist Rekordspieler der Bremer und zählt auch zum Kreis der Ehrenspielführer. Von 1997 bis 2005 war der erfolgreiche Unternehmer zudem als Torwarttrainer bei Werder aktiv.

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