Werder braucht die Verlängerung

Erst Dusel, dann Ujah – 2:0

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Vollstrecker Anthony Ujah (re.) nach seinem erlösenden 1:0.

Aus Würzburg berichtet Björn Knips. Kurz vor Schluss legte Trainer Viktor Skripnik auf der Trainerbank seinen Arm auf die Schulter von seinem Assistenten Torsten Frings – und grinste voller Erleichterung: Denn Werder war der Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals nicht mehr zu nehmen.

Eine halbe Stunde zuvor hatte es danach wahrlich nicht ausgesehen, der Bundesligist stand vor dem Aus. Und deshalb fällt der 2:0 (0:0, 0:0)-Erfolg beim Drittligisten FC Würzburger Kickers in die Kategorie „sehr glücklich“.

„Das interessiert mich alles nicht, Hauptsache wir sind weiter“, meinte Thomas Eichin zu den beiden Aufregern aus Würzburger Sicht. Immerhin gestand der Werder-Sportchef, dass der Treffer von

Schiedsrichter hilft den Bremern

Marco Haller „wohl regulär“ gewesen war (78). Doch Schiedsrichter Rene Rohde hatte auf Abseits entschieden. Und auch zehn Minuten später lag der Unparteiische daneben, als er Felix Wiedwalds Handspiel außerhalb des Strafraums ungeahndet und damit auch die Rote Karte für den Werder-Keeper wegen Vereitelung einer klaren Torchance stecken ließ. „Nicht ich soll das entscheiden, da ist ein Mann, der Geld dafür kriegt“, mochte Skripnik die Szenen nicht bewerten. Er wollte sich dadurch auch nicht die Leistung seiner Mannschaft schlecht reden lassen: „Wir hatten eine echt junge Mannschaft auf dem Platz. Es hat nicht alles geklappt, aber wie sich alle gequält haben – dafür ein großes Kompliment.“

Zumal die äußeren Bedingungen mit 35 Grad und praller Sonne extrem hart waren. Nicht nur deshalb begann Werder nicht mit Vollgas, sondern mit Ballkontrolle. Sicher auch, weil gleich mehrere ganz junge Spieler ihr erstes Profi-Pflichtspiel in der Startelf bestritten: Maximilian Eggestein, Florian Grillitsch und Ulisses Garcia. Sie hatten allesamt so ihre Probleme. Doch das wäre egal gewesen, wenn Fin Bartels in der 34. Minute den Ball einfach hart ins leere Tor geschossen hätte, doch sein Schüsschen – wohl im Gefühl des sicheren Erfolgs – kratzte Peter Kurzweg noch von der Linie.

Bartels als Stürmer ein Chancentod

Plötzlich kam Würzburg auf – und Royal-Dominique Fennell hatte das 1:0 auf dem Fuß, aber einen starken Wiedwald im Weg (36.). Der Außenseiter, bestens eingestellt von Trainer Bernd Hollerbach, dominierte fortan das Geschehen. Die mit knapp 10 000 Zuschauern ausverkaufte Flyeralarm-Arena wurde zum Hexenkessel, die 1 800 Werder-Fans wehrten sich nach Kräften. Genauso wie die Bremer Profis auf dem Platz – nur spielerisch lief da kaum noch etwas zusammen. „Die Hitze war brutal, da werden die Beine immer schwerer, die Ideen gehen aus“, stöhnte Kapitän Zlatko Junuzovic und haderte: „Da musst du einfach deine Chancen nutzen.“ Und davon hatte Werder einige: Bartels (70. und 72.), Junuzovic (79.) und Grillitsch (86.) vergaben zum Teil kläglich.

Also Verlängerung und kein hitzefrei. Jannik Vestergaard hätte das gut gebrauchen können, der Innenverteidiger wirkte total platt, war zudem angeschlagen – und schenkte so Adam Jabiri die Chance zum 1:0, doch der traf nur das Außennetz (99.).

Wie man es besser macht, zeigte kurz darauf Anthony Ujah. Natürlich Ujah. „Ich wusste genau, wenn hier einer noch ein Tor macht, dann der Ujah“, behauptete Eichin. Nach Vorarbeit von Grillitsch nahm Ujah den Ball mit dem Oberschenkel mit, wehrte die Attacke des Ex-Bremers Clemens Schoppenhauer ab und vollstreckte eiskalt durch die Beine von Würzburg-Keeper Dominik Brunnhübner (103.). „Ein typisches Ujah-Tor“, urteilte Eichin. Der Bann war damit gebrochen – auch für Bartels, der mit dem 2:0 nach Vorarbeit von Junuzovic alles klar machte (108.).

Werder Bremen im DFB-Pokal in Würzburg

Auf dem Platz jubelte Werder ausgelassen, danach wurde nicht nur aus Erschöpfung sofort runtergefahren. In Gedanken waren alle schon beim Bundesliga-Auftakt am Samstag im Weserstadion gegen Schalke. Ist Werder dafür schon bereit? „Vielleicht“, meinte Junuzovic nach den schwierigen 120 Minuten von Würzburg und prophezeite: „Wir werden noch nicht bei 100 Prozent sein, Schalke aber auch nicht. Und dann wollen wir den Heimvorteil nutzen.“ Da wusste er allerdings noch nicht, dass Schalke souverän mit 5:0 beim Zweitligisten MSV Duisburg gewonnen hatte – mit einem Tor von Franco Di Santo. Den vermisste gestern bei Werder übrigens niemand – dank Ujah.

Stimmen zum Spiel

Viktor Skripnik (Werder Bremen): „Wir sind glücklich, dass wir gewonnen haben. Bei diesem Wetter kämpft man nicht nur gegen den Gegner, sondern auch gegen die Temperaturen. Am Ende verliert die Mannschaft, die den Fehler macht. Wir haben unsere Chance genutzt. 120 Minuten kosten viel Kraft. Wir sind in der zweiten Runde und das freut uns.“

Bernd Hollerbach (Würzburg): „Es war ein richtiger Pokalfight, da war alles drin. Die Temperaturen waren nicht angenehm, da muss man den Spielern auch mal Respekt zollen. Wir haben ein reguläres Tor gemacht, und es ist schade, dass es nicht anerkannt wurde. Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Die Spieler haben ihr Herz in die Hand genommen.“

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