Bode mischt sich öffentlich ein / Probleme mit der Fitness?

Baumann unter Druck: Nicht nur die Trainerfrage drängt

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Werders Sportchef Frank Baumann

Bremen - Von Björn Knips. Irgendwann hörte Frank Baumann auf zu sprechen, ohne den Satz beendet zu haben. Schweigen in der Medienrunde nach der Bremer 1:2-Heimpleite gegen Mainz. „Punkt“, durchbrach der Werder-Sportchef die kurze Stille und fügte lächelnd an: „Wenigstens einen heute.“ Seinen Humor hat der 40-Jährige auch in der schwierigsten Phase seiner noch kurzen Amtszeit nicht verloren.

Die Anstrengungen der vergangenen Wochen und Tage sind ihm dennoch anzusehen. Und der Stress wird nicht weniger, denn es muss schnell der richtige Trainer gefunden werden. Ausgerechnet der eigene Club macht es ihm dabei nicht ganz so einfach. Marco Bode hatte dem TV-Sender Sky vor dem Mainz-Spiel Rede und Antwort gestanden. Indirekt mischte sich der Aufsichtsratschef dabei für jeden hörbar in die Trainersuche ein. Er sah eine gute Chance für Interimscoach Alexander Nouri und er bestätigte Andreas Herzog als einen Kandidaten auf die Nachfolge des am Sonntag entlassenen Viktor Skripnik.

Das steht im krassen Gegensatz zur Öffentlichkeitsarbeit von Baumann, der sich alles offen hält und „keinen Namen kommentieren will – egal, wie verrückt sie sind“. Das war eine Reaktion auf das Gerücht um Louis van Gaal, den das „Hamburger Abendblatt“ auf seiner Internetseite ins Spiel gebracht hatte. Selbst beim Blick auf das nächste Spiel am Samstag im Weserstadion gegen Wolfsburg (18.30 Uhr) und die Besetzung der Trainerbank ließ Baumann die Hintertür ein kleinen Spalt auf mit seinem „Gehen Sie mal davon aus“ oder „Sehr, sehr wahrscheinlich“. Auch sein Lob für Nouri fiel eher nüchtern aus, was sicher auch an der bitteren Last-Minute-Niederlage lag. „Alex hat das sehr gut gemacht. Wir hatten uns einen neuen Impuls erhofft, der war zu sehen. Die Mannschaft hat das gut angenommen. Aber das war auch eine Leistung, die man von dieser Mannschaft erwarten muss“, meinte Baumann und wollte nicht viel mehr über den Interimscoach sagen: „Es geht nicht darum, Alex hier jetzt zu bewerten. Wir kennen ihn seit Jahren, wir wissen, was er kann.“

Starker Moisander patzt plötzlich

Deswegen wurde Nouri auch nicht sofort als Chefcoach eingestellt wie vor ihm Skripnik. Denn bei der Personalie Nouri ist auch ein bisschen Skepsis dabei, ob er schon reif für die Bundesliga ist. Dazu kommt, dass der erst 37-jährige Trainer im Club längst nicht das Ansehen und die Unterstützung genießt, wie es vor zwei Jahren bei Skripnik war. Aber Nouri kämpft, er gibt alles für seine Chance. Auf und neben dem Platz. Er herzte alle Spieler nach dem Tiefschlag und versprach später: „Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass wir uns beim nächsten Mal belohnen werden – und wenn nicht, dann eben beim übernächsten Mal. Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, stimmt mich positiv.“ Diese Überzeugung will er „vorleben“, wie er sagt. Viel machen kann er nicht mehr. Es bleibt ihm nur das Abschlusstraining. Und dabei ist auch eher Zurückhaltung als Attacke geboten. Denn die Werder-Profis brauchen dringend Erholung.

Gegen Mainz wirkten sie schon früh in der zweiten Halbzeit ziemlich platt. Zu früh für einen Bundesligisten. Nicht zum ersten Mal gibt es Zweifel an der nötigen Fitness. Skripnik hatte sie erst kürzlich mit dem Verweis auf die guten Daten weggewischt. Nouri wich bei dem Thema aus, wollte erstmal mit den Spielern sprechen. Möglicherweise ist das neue Trainingskonzept im Sommer nicht aufgegangen. Statt stumpf Kondition zu bolzen, wurden fast alle Übungen mit dem Ball und in Spielformen gemacht, wie es einst der niederländische Fitness-Guru Raymond Verheijen erfunden hat. Axel Dörrfuß, der Leiter Athletik und Performance, hat es bei Werder umgesetzt – mit großer Unterstützung von Baumann. Ihn wird das offensichtliche Kraftproblem hart treffen.

Genauso wie die Tatsache, dass ausgerechnet Fallou Diagne nicht zum 18er-Kader gehörte und Florian Kainz nur auf der Bank schmorte. Beide waren im Sommer von Baumann verpflichtet worden, sie sollten Werder voranbringen. Nouri sortierte sie trotz größter Personalnot aus. Ein klares Qualitätsurteil. Für Baumann ein normaler Vorgang, der Trainer entscheidet, betonte er. Ruhig und sachlich moderiert der 40-Jährige die Krise – und stellt eine Sache weit über die Trainerfrage und alle anderen Diskussionen: „Fakt ist, wir müssen endlich anfangen zu punkten.“ Nach vier Spielen wird selbst der ruhige Baumann ungeduldig.

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