Breitenreiter, Herzog und Gisdol werden gehandelt

Baumann sucht erfahrenen Skripnik-Nachfolger

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Viktor Skripnik und Frank Baumann

Bremen - Plötzlich ging alles ganz schnell: Noch in der Nacht auf der Busfahrt von Mönchengladbach nach Bremen wurde Werder-Coach Viktor Skripnik beurlaubt – genauso wie seine Co-Trainer Torsten Frings und Florian Kohfeldt. Doch ihre Werder-Zeit muss damit nicht vorbei sein.

„Wir wären ja blöd, wenn wir ihre Qualitäten nicht nutzen würden“, sagte Frank Baumann am Morgen mit speziellem Blick auf Frings und Kohfeldt. Letzterer besitzt ohnehin bei Werder einen unbefristeten Vertrag. Sportchef Frank Baumann stellte sich am Tag nach der 1:4-Pleite in Mönchengladbach der Presse und dabei Alexander Nouri als Interimscoach vor. Allerdings in Abwesenheit des 37-Jährigen. Der U23-Coach übernimmt ab Montag zusammen mit seinem Co-Trainer Florian Bruns die Profis. Aber auch nur auf Zeit. „Wir haben mit Alexander Nouri eine gute Übergangslösung, um uns Gedanken zu machen und Gespräche zu führen. Wir werden keine Namen kommentieren“, sagte Baumann und meinte zum Anforderungsprofil des vermeintlichen Wunschtrainers: „Der neue Mann soll einer sein, der eine eigene Spielphilosophie hat, der einer Mannschaft seine Handschrift geben kann und der schon etwas vorzuweisen hat.“

Angeblich soll Werder schon länger mit Andre Breitenreiter in Verbindung stehen. Als mögliche Kandidaten gelten auch Andreas Herzog, Markus Gisdol und Jos Luhukay. Der Niederländer, der gerade erst nach wenigen Wochen beim VfB Stuttgart hingeschmissen hat, war schon in der vergangenen Rückrunde die Nummer eins als Skripnik-Ersatz. Doch letztlich hielt der damalige Sportchef Thomas Eichin an Skripnik fest. Nach der Saison wollte er ihn dann entlassen – und musste schließlich selbst gehen. Für Eichin kam Baumann – und der setzte wie vom Aufsichtsrat gewünscht auf Skripnik. Ein Fehler, wie sich nun herausstellt. Skripnik war der Aufgabe eines Bundesliga-Trainers nicht gewachsen.

Da half es auch nicht, dass ihm in fast allen Bereichen geholfen wurde, ihm jede Menge Fachleute zur Seite gestellt wurden. Schon in der Vorbereitung stimmten die Ergebnisse nur selten, in der Saison dann gar nicht mehr. Vier Pflichtspiele, vier Niederlagen – das war dann selbst Baumann zu viel. „Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen, weil uns nach der Leistung in Gladbach die Überzeugung fehlte, dass es in der bestehenden Konstellation möglich ist, zeitnah eine Wende zum Positiven herbeizuführen“, meinte Baumann. Die Entscheidung sei dann auf der Busfahrt gefallen, verriet der Ex-Profi. Man habe sich noch einmal zusammengesetzt und diskutiert. „Viktor hätte weitergekämpft“, berichtete Baumann: „Viktor war sehr enttäuscht.“

Noch in der Nacht verabschiedete sich der 46-jährige Ukrainer von seiner Mannschaft. Vor der Busfahrt hatte sich Baumann allerdings im Kabinengang des Borussia-Parks lange mit seinem Geschäftsführer-Kollegen Klaus Filbry ausgetauscht und sich mit ihm auf die Trainerentlassung verständigt. Anschließend informierte Baumann den Aufsichtsratsvorsitzenden Marco Bode. 

Nun übernimmt erst einmal Alexander Nouri. „Mit ihm erhoffen wir uns einen Impuls für ein Team, das nach dem personellen Umbruch in der Sommerpause, den letzten Spielen und dem bestehenden Verletzungspech mit einer gewissen Verunsicherung zu kämpfen hat“, sagte Baumann: „Außerdem kann er nach zuletzt drei Siegen aus vier Drittliga-Spielen mit den Werder-Talenten mit viel Selbstvertrauen vor die Profi-Mannschaft treten.“ Nouri kam im Juli 2014 vom VfB Oldenburg an die Weser.

Baumann – damals noch Direktor für Scouting und Profifußball – hatte ihn in den Trainerstab der U23 geholt. Der damalige Profi-Coach Robin Dutt machte Nouri dann zum Bindeglied zwischen Profis und U23. Schon im Oktober 2014 wurde Nouri dann bei der U23 Nachfolger von Skripnik, der Dutt bei den Profis ablöste. Nouri stieg mit der U23 in die Dritte Liga auf – und schaffte dort in der vergangenen Saison nach hartem Kampf den Klassenerhalt. In der Zwischenzeit ließ er sich noch zum DFB-Fußballlehrer ausbilden. Nouri ist sofort gefordert, schon am Mittwoch steht das Heimspiel gegen Mainz an, am Samstag geht es gleich gegen den VfL Wolfsburg weiter. So lange wird er mindestens auf der Werder-Bank sitzen.
kni/csa

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