Werders neuer Geschäftsführer will Vertrag mit dem Trainer vorzeitig verlängern

Baumann gleich mit klarer Kante: Weiter mit Skripnik

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Werders neuer Geschäftsführer Frank Baumann

Bremen - Von Carsten Sander. Hoffentlich hat diese kleine Anekdote keine Symbolkraft: Als Marco Bode und Frank Baumann im Zuge der Präsentation des neuen Geschäftsführers mit einem Ball für die Fotografen posieren sollten, war erst kein Ball da. Und der, der dann eiligst besorgt wurde, war auch noch vom falschen Hersteller, für Fotos also aus marketingtechnischen Gründen unbrauchbar. Ein schlechtes Omen darin zu sehen, dass sich der Aufsichtsratsvorsitzende und der neue Geschäftsführer bei Werder Bremen die falschen Bälle zuspielen, wäre allerdings verwegen.

Wobei: Der erste Pass zwischen Bode und Baumann ist gleich ein Risikopass. Beide setzen weiter auf Trainer Viktor Skripnik, wollen den Vertrag mit dem Ukrainer zeitnah sogar verlängern. Baumann: „Er ist der bestmögliche Trainer für Werder Bremen.“ Mit dieser Aussage versuchte der neue starke Werder-Mann eine Diskussion zu beenden, die den Club, die Fans, die Medien seit Wochen beschäftigt. Skripnik oder nicht – Frank Baumann hat die Entscheidung getroffen, aber er hatte dabei weder Scheuklappen noch eine Werder-Brille auf. „Kritisch“ sei er mit dem ehemaligen Mitspieler in den intensiven Gesprächen umgegangen. „Wir haben oft zusammengesessen“, sagt Baumann, „und dabei haben wir auch Sachen festgestellt, die nicht optimal gelaufen sind.“

Er habe deshalb „klare Erwartungen formuliert“. Weniger Gegentore, ein klares System auf dem Platz, ein kleinerer Kader (Baumann will von 36 Lizenzspielern runter auf 25 oder 26) und eine Rückkehr zur Kommunikation mit den Medien. Skripnik habe in der vergangenen Saison „zu viel Energie in Bereiche außerhalb des Fußballs“ investiert, umschrieb Baumann den Zwist und verlangte eine Rückkehr zum „respektvollen Umgang. Aber das ist keine Einbahnstraße.“ Und weil Skripnik, zu dem Baumann „ein hohes Vertrauensverhältnis“ hat, dies alles abgenickt hat, habe am Ende das Ergebnis gestanden, mit dem Coach nicht nur weiterzumachen, sondern dessen 2017 auslaufenden Vertrag demnächst auszudehnen.

Baumann: „Bis zum Saisonstart, vielleicht schon bis zum Beginn der Vorbereitung wollen wir die Gespräche aufnehmen. Wir sind von Viktor zu hundert Prozent überzeugt. Er ist der Richtige für uns.“ Dass das rund um Werder nicht die einhellige Meinung ist, weiß auch Baumann. Aber er setzt mit dem Angebot zur Vertragsverlängerung das konsequente Zeichen: Wenn schon, dann richtig. Ob damit die Trainerdiskussion für immer und ewig beendet ist, wird sich jedoch erst noch zeigen müssen. Für den Moment kehrt aber Ruhe ein, und Frank Baumann kann sich voll und ganz auf die Kaderplanung stürzen. „Viele Veränderungen“ wird es geben, kündigte der 40-Jährige an.

Erste Entscheidungen um Niclas Füllkrug und Felix Kroos sind schon getroffen, weitere werden folgen. Baumann geht es „mit voller Leidenschaft“ an, wie Marco Bode in den vergangenen Tagen bereits zufrieden festgestellt hat. Allerdings wird der neue Geschäftsführer Sport und Nachfolger von Thomas Eichin Ende Juni nochmal eine einwöchige Pause einlegen. Der Familienurlaub steht an. „Den mitzumachen“, sagt Baumann mit einem Lachen, „war Bedingung meiner Frau, dass ich überhaupt Geschäftsführer werden durfte.“ Er ist es gerne geworden. Nach einem Jahr Auszeit, in dem er sich fortgebildet und unter anderem die Trainer-A-Lizenz erworben hat, sei er jetzt „wieder zu Hause, sagte der Werder-Ehrenspielführer, und verriet ungewollt, dass ihm das Angebot, Geschäftsführer zu werden, schon unterbreitet worden war, bevor der Aufsichtsrat Thomas Eichin entließ.

Bode habe ihn kontaktiert, und nach Tagen der Bedenkzeit („Es kam sehr plötzlich und überraschend für mich“) habe er am Mittwochabend vergangener Woche seine Entscheidung getroffen. Zeitgleich tagte der Aufsichtsrat und beschloss, sich von Eichin zu trennen. Wie auch immer: Jetzt geht es darum, Werder wieder nach oben zu führen. Frank Baumann sieht sich dabei als jemand, der „die optimalen Rahmenbedingungen für das Trainerteam“ schaffen muss. Der aber auch aufpasst, dass nichts schief läuft: „Ich werde sehr nahe am Trainerteam und an der Mannschaft sein.“ Ob Viktor Skripnik das bei allem entgegengebrachten Vertrauen als Warnung verstehen muss?

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