ANGEKNIPST - die Kolumne aus dem Zillertal

Wiese trifft Fisch

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Tim Wiese im Zillertal

Werder macht sich im Zillertal fit für die kommende Saison. Mit dabei: Kreiszeitungs Redakteur Björn Knips. In seiner Kolumne "ANGEKNIPST" berichtet er ab sofort täglich über Anekdoten aus dem Trainingslager der Grün-Weißen abseits des Rasens.

Es war Pause. Und was macht man in der Schule, wenn Pause ist? Man geht auf den Schulhof. In Zell am Ziller muss es allerdings heißen: Man geht aufs Dach. Der Schulhof ist tatsächlich oben, ganz oben – in luftiger Höhe. Natürlich mit Umrandung, aber alles andere als unüberwindbar. Fangzaun, Sicherheitsnetz? Fehlanzeige! Da muss das Vertrauen in die Schüler groß sein. Und wenn Gäste kommen, gibt es viele wachsame Augen. Einige Lehrer schauten bei Werders Testspiel gegen Huddersfield Town genau hin, wer überhaupt ins Gebäude und dann auch noch zum Zuschauen aufs Dach durfte. „Nur für die Presse“, stand zudem an fast jeder Tür. Tim Wiese durfte auch hoch, er stand ja oft genug in der Presse. Und nun als gefeierter Star ganz oben. Ein echter Zuschauermagnet, für den einige Fans offenbar auch durch verschlossene Türe gehen können. Plötzlich standen „Fisch“ und ein Kumpel von ihm auf dem Dach – mit Bier und Mixgetränk ausgestattet. Eine Lehrkraft drohte schon zu explodieren, doch Wiese ging ganz cool dazwischen. Autogramme, Fotos, ein kurzes Gespräch – da war der „Fisch“ glücklich und pünktlich zum Ende der Pause wieder weg.

Flugalarm: Aggressive Artgenossen (27. Juli)

Die Nächte im Zillertal sind heiß. Also von den Temperaturen her. Obwohl: Auch dieser Abend mit den Zillertaler Zuagroastn war schon heiß. Zumindest für diejenigen Hotelgäste, die Volksmusik mögen und kräftig mitklatschten. Einer aus unserer Gruppe ist vor den beiden jungen Burschen mit Gitarre und Akkordeon geflohen. Dieses Gedudel mache ihn aggressiv, sagte er zum Abschied. Die Fliegen hier brauchen dafür keine Musik, sie brauchen nur einen Gast im Bett. Anders als ihre deutschen Artgenossen begnügen sie sich nicht mit Landungen auf – wegen der Hitze – unbedeckten Armen, Beinen und Füßen. Nein, sie steuern ausschließlich das Gesicht an, am liebsten dabei die Augen. Die Fliegenklatsche liegt also nicht ohne Grund auf der Fensterbank – und ist eine absolute Erfolgsgeschichte. Denn aggressiv, heißt nicht schnell. „Die sind langsamer als bei uns“, jubelte der Kollege und berichtete von einer echten Serie. Nicht sieben auf einen Streich, aber zehn am Stück. Feinsäuberlich im Aschenbecher entsorgt. Doch eine halbe Stunde später folgte der Schock: Sieben Fliegen waren auferstanden. Und schon begann das Spiel von Neuem. Ist ja auch ein Trainingslager hier...

Leberkäse schlägt Apfel (26. Juli)

Werder achtet mehr denn je auf die Ernährung der Profis. Dafür wurde extra ein Spezialist engagiert. Wir Journalisten wollen da gerne mitmachen, müssen das aber ohne fremde Hilfe schaffen. Und in unserem Sonnenhof ist das auch noch eine ganz besonders schwierige Herausforderung. Da gibt es ordentlich was auf die Gabel. Vielleicht etwas zu viel Fleisch, wie der Kollege anmerkt. Deshalb bestellt er für den Abend das vegetarische Menü. Und im Supermarkt um die Ecke kauft er sich für die Mittagspause Äpfel. Drei Stück. Kostenpunkt: 1,86 Euro. Dann rauscht mein Mittagessen über den Scanner. Die berühmte Leberkässemmel. Herrlich mit Senf und Gurke. Als die 1,68 Euro aufleuchten, faucht der Kollege: „Das ist ja mal wieder typisch – Ungesundes ist billiger als Gesundes.“ Okay, ich könnte dem Kollegen nun einen Apfel für einen Euro abkaufen – und das Verhältnis würde sowohl finanziell als auch gesundheitlich wieder etwas besser passen. Doch ich beiße lieber in meine Semmel und entscheide mich schon mal für einen Apfelsaft am Abend – zum saftigen Rinderbraten mit Klößen...

Drobnys Unlust - bitte nicht noch mal (25. Juli)

Eigentlich soll es an dieser Stelle ja etwas humorvoller zur Sache gehen. Doch der Spaß ist mir nach dem Gesprächstermin mit Jaroslav Drobny vergangen. In meinen über 15 Jahren als Werder-Reporter habe ich eine derartige Respektlosigkeit eines Fußball-Profis gegenüber uns Journalisten noch nicht erlebt. Wir können nichts dafür, dass Jaroslav Drobny schlechte Erfahrungen mit Medienvertretern andernorts gemacht hat. Natürlich kannten wir diese Geschichte, haben deshalb auch entsprechend nachsichtig gefragt. Doch Jaroslav Drobny hat uns einfach vorverurteilt und klar gemacht, dass er nur unter Zwang gekommen ist und es eine Ausnahme bleiben wird.

Dass die Medien dafür sorgen, den Fußball groß und die Profis reich zu machen, ist ihm egal. Dass die Medien dafür sorgen, die Fans über ihre Lieblinge zu informieren, ist ihm egal. Eigentlich ist ihm alles egal, selbst die gute Kinderstube, die einem eigentlich vorschreibt, Menschen freundlich entgegenzutreten. Jaroslav Drobny glaubt, dies alles nicht nötig zu haben. Stark, dass Werder diesen Profi gezwungen hat, sich den Medien zu stellen. Aber bitte keine Wiederholung. Auf so etwas kann ich wirklich verzichten. Es gibt zum Glück genug andere Spieler, mit denen man vernünftig sprechen und dabei auch Spaß haben kann.

Unter der Dusche mit Luis Trenker (23. Juli)

Der Morgenlauf ist abgeschafft. Also bei Werder. Nicht bei mir. Der Ziller ruft. Das ist der Fluss, der dem Tal hier seinen Namen gibt. Und der ist ziemlich flott. Im Gegensatz zu mir. Da helfen auch die neuen Treter nicht wirklich viel. Bei ihrem ersten Einsatz hatten sie mich noch über die Straßen fliegen lassen. Doch hier lässt sich der Beton nicht betuppen, der will Leistung sehen – und zwar von mir. Ich hoffte noch, auf dem Lehmboden etwas weiter oben am Fluss würde es besser. Nur kam kein Lehm. Innerhalb eines Jahres hatte sich entlang der Ziller Teer breit gemacht. Wer kommt denn auf so eine Idee?

Egal, weiter. Nützt ja nichts, der Ziller akzeptiert keine Ausreden. Außerdem geht es flussabwärts auch viel leichter. Und siehe da: Ich überholte wirklich noch einen Nordic-Walker. Einen schnellen Nordic-Walker – bitteschön. Als Belohnung gab es ein leckeres Bergwasser aus dem Hahn im Bad – und eine Dusche mit Überraschung oder besser gesagt eingebauter Pflege für Haut und Haar. Dahinter steckte kein Geringerer als Luis Trenker, der Luis Trenker. Den jüngeren Lesern sei an dieser Stelle erklärt: Der Mann war mal der Bergsteiger schlechthin und ein Filmstar. Jetzt ist er ein Duschgel. Also zumindest steht sein Name drauf. Und das Zeug kann was. Echte Bergfrische. Herrlich. Da waren die Beine wieder fit. Aber ewig hält die Wirkung auch nicht.

Zur ersten Trainingseinheit von Werder ging es noch per Rad, zur zweiten dann aber mit dem kleinen Mietwagen. Natürlich nicht mit irgendeinem kleinen Mietwagen. Kennzeichen: HH - WB, die Nummer muss hier aus datentechnischen Gründen weggelassen werden. Außerdem hätten Werder-Fans möglicherweise eine unangenehmes Ergebnis daraus gelesen. Es soll ja in diesem Sommer positiv nach vorne geschaut werden. Also überlege ich gerade, ob ich gleich eine Pulle Luis Trenker am Mannschaftshotel vorbeibringen soll, wenn es schon keinen Morgenlauf mehr gibt...

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