In der Zweiten Liga würden Werder Einnahmen in Höhe von 44,5 Millionen Euro wegbrechen

Abstieg als Multi-Millionengrab

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Bremen - Der Schaden? Er wäre – in Bayern-München-Maßstäben gedacht – überschaubar. „Nur“ einen Mats Hummels plus ein Jahresgehalt würde Werder Bremen ein Abstieg in die Zweite Liga kosten. Ein Klacks? Vielleicht für die Bayern.

Die zahlen für Nationalverteidiger Hummels mal eben 35 Millionen Euro Ablöse und überweisen ihm nun angeblich zehn Millionen Euro pro Saison. Macht also 45 Millionen fürs erste Jahr. Und das entspricht so ziemlich der Summe, die Werder Bremen beim eventuellen Gang in Liga zwei verlieren würde. Ein – in grün-weißen Dimensionen gedacht – enormer Betrag. Am Samstag kann der SV Werder mit einem Sieg über Eintracht Frankfurt dieses Schreckensszenario noch verhindern.

Der Club selbst hat den zu erwartenden Umsatzrückgang bei einem Abstieg mit 40 Prozent beziffert – was bedeutet: Von 103 Millionen Euro in der Saison 2014/15 geht es runter auf 60 Millionen. Denn bei Zuschauererlösen und Sponsoreneinnahmen sind die Einbußen groß, beim TV-Geld sogar gewaltig.

Faktor Fernsehgeld

Am Ende dieser Saison wird Werder in etwa 33 Millionen Euro aus dem Fernsehtopf geschöpft haben, zuzüglich mindestens nochmal drei Millionen Euro aus der Auslandsvermarktung. Dieses Geld ist die Basis für die meisten Erstligisten. Doch wird aus dem Erst- ein Zweitligist, fehlen auf einmal mehr als zwei Drittel der Lebensgrundlage. Denn im Unterhaus sind nicht viel mehr als zehn Millionen Euro aus dem TV-Topf zu erwarten. Die Auslandsvermarktung fällt komplett weg, an der partizipieren nur die 18 Besten des Landes. So kommt der SC Freiburg als Zweitliga-Meister der zu Ende gehenden Spielzeit auf 10,2 Millionen Euro an Fernsehgeld – mehr geht nicht.

Schaden für Werder:
26 Millionen Euro

Faktor Spieltagserlöse

Der Verkauf von Logen, von Dauer- und Tageskarten, von Fan-Artikeln sowie von Bier und Bratwurst – wirft man alles zusammen, kommt dabei der Spieltagserlös heraus. 17 davon ergaben in der vergangenen Saison eine Einnahme von 22,8 Millionen Euro. Wie viele Millionen es noch in der Zweiten Liga sein könnten, ist nicht exakt vorherzusagen. Aber zu schätzen. Mutig kalkuliert könnte Werder in Liga zwei auf einen Zuschauerschnitt von 30 000 Fans pro Partie kommen (aktuell 40 300). Das wäre eine Zahl, mit der von den aktuellen Zweitligisten nur der 1. FC Nürnberg (30 709), RB Leipzig (29 167) und der FC St. Pauli (29 066) mithalten können. Werder muss also mindestens mit einem Viertel weniger Zuschauer rechnen, die dann auch noch ein Drittel weniger Eintrittsgeld zahlen werden. Die Preise für Bier und Bratwurst dürften dagegen stabil bleiben. Dennoch:

Geschätzter Schaden:
ca. 11 Millionen Euro

Faktor Sponsoren

Jedes Jahr ein kleines Plus – so wuchs der Betrag, den Werder via Sponsoren erlöst, auf zuletzt 22 Millionen Euro an. Den größten Batzen zahlt Trikotsponsor Wiesenhof mit sieben Millionen Euro pro Saison. Doch davon – wie von der Gesamtsumme – müsste im Abstiegsfall direkt ein Drittel abgezogen werden. Denn das ist die Größenordnung, um die sich die Zuwendungen im Schnitt verringern. So steht es in vielen Verträgen, von denen die meisten langfristig sind und auch in Liga zwei ihre Gültigkeit behalten.

Geschätzter Schaden:
ca. 7,5 Millionen Euro

Werder müsste in der Zweiten Liga folglich mit rund 44,5 Millionen Euro weniger auskommen. Was das bedeutet, dürfte jedem klar sein. Spieler müssten verkauft und der Gehaltsetat von derzeit 35 Millionen Euro weiter nach unten geschraubt werden. Ob Sparmaßnahmen auch einen Teil der aktuell 160 Mitarbeiter treffen könnten, ist eine für die Beschäftigten beklemmende, aber auch völlig offene Frage. Käme es so, wäre das der größte Schaden, den ein Abstieg anrichten kann.  
csa

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