Mit einem 3:1-Sieg in Leverkusen sensationell im Halbfinale

Ein neues Werder rockt den Pokal

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So geht Pokal: Claudio Pizarro hatte seinen Mitspielern schon in der Pause erzählt, wie schön dieser Wettbewerb ist – und nach dem 3:1-Erfolg in Leverkusen zeigte er ihnen, wie Siege gefeiert werden.

Leverkusen - Es ist einfach nicht zu glauben. Da wird der SV Werder vor wenigen Tagen in der Bundesliga von Mönchengladbach mit einem 5:1 aus dem Stadion geschossen, und dann rockt diese Truppe den DFB-Pokal mit einem verdienten 3:1 (2:1)-Erfolg beim haushohen Favoriten Bayer Leverkusen. Das bedeutet das Halbfinale am 19./20. April und fast drei Millionen Euro Zusatzeinnahmen. Was dieser Erfolg allerdings im Abstiegskampf wert ist, wird sich am Samstag im Kellerduell gegen 1899 Hoffenheim zeigen.

„Wir brauchen diese Punkte ganz dringend für die Bundesliga“, dachte auch Claudio Pizarro schon an die knifflige Aufgabe im Weserstadion. Doch der Peruaner gönnte sich auch eine gehörige Portion Freude über den Pokalcoup. „Ich habe in der Halbzeit darüber gesprochen, wie schön es ist, den Pokal zu gewinnen“, berichtete Pizarro, der schon sechs Mal den Pott geholt hat. Nummer sieben für ihn, aber auch für Werder ist nun natürlich das große Ziel. „Ich hoffe, es geht so weiter“, sagte Viktor Skripnik nach der Partie mit einem fetten Grinsen im Gesicht.

Der Werder-Coach hatte sie alle mit seiner Aufstellung überrascht – vor allem die Leverkusener, die mit dem Bremer 4:1:4:1-System und Jannik Vestergaard als Überraschungssechser überhaupt nicht zurechtkamen. Vorne vertraute der Trainer allein Claudio Pizarro, so konnte Anthony Ujah für den Abstiegskampf geschont werden. Genauso wie Zlatko Junuzovic, der wegen leichter Schulterprobleme gar nicht erst mitgereist war. Aber Skripnik hatte nicht nur das Personal verändert, sondern auch die Einstellung seiner Spieler: Die Mannschaft war gegenüber dem Gladbach-Debakel nicht wiederzuerkennen.

Da wurde von Beginn an gekämpft, da wurde sich gegenseitig geholfen und da wurde zeitweise auch schön gespielt. Eine anderes, ein neues Werder. Aber trotzdem ging Leverkusen in Führung. Und wieder einmal hatte Werder dem Gegner ein Geschenk gemacht. Nach einem Öztunali-Fehlpass im Spielaufbau leistete sich Alejandro Galvez, der überraschend neben Papy Djilobodji verteidigen durfte, ein völlig ungeschicktes Foul an Stefan Kießling – Elfmeter. Den verwandelte Javier Hernandez sicher (22.). Bayer schien auch ohne guten Fußball auf Kurs, und Werder mal wieder am Boden. Doch die Bremer rappelten sich vor 24 104 Zuschauern in der längst nicht ausverkauften BayArena schnell wieder auf und griffen in die Trickkiste: Einen Freistoß fast von der Eckfahne aus zog Florian Grillitsch gekonnt über die Spielertraube vor dem Tor hinweg auf Fin Bartels, der den Ball direkt in die Mitte gab und dort den Fuß von Santiago Garcia fand – 1:1 (31.). Ein tolles Tor!

Grillitsch sorgt für die Entscheidung

Und es kam für Werder kurz vor der Pause noch besser. Nach einer feinen Kombination über Pizarro, Grillitsch und Öztunali wurde Bartels völlig frei vor Bayer-Keeper Bernd Leno von Wendell umgesenst. Das gab nicht nur Elfmeter für Werder, sondern von Schiedsrichter Wolfgang Stark auch zu Recht Rot für den Übeltäter (42.). Pizarro schnappte sich die Kugel, erzielte sein insgesamt 30. Pokaltor und hat damit in den letzten sechs Pflichtspielen immer getroffen – unglaubliche sieben Mal. Der 37-Jährige ist einfach ein Phänomen. Nicht nur auf dem Platz, auch in der Kabine. Er erzählte den Kollegen in der Pause nicht nur von seinen Pokalerfolgen, sondern auch, „dass wir cool bleiben müssen“. Und genau das taten die Gäste. Trotz Überzahl setzte Werder auf Ordnung und Defensive. Es war das richtige Rezept, denn Bayer fand keinen Weg durch diese Bremer Wand. Erst Kevin Kampl sorgte in der 80. Minute mit einem Schuss mal für Gefahr.

Die Noten: Der Vestergaard-Trick hat funktioniert

Kurz darauf war die Partie entschieden. Nach einem Konter vollstreckte Grillitsch zum 3:1. Allerdings aus klarer Abseitsposition. Doch das hatte das Schiedsrichtergespann übersehen. Bayer ärgerte sich zwar darüber und die anderen engen Entscheidungen, erwies sich aber als fairer Verlierer. „Werder hat sich den Sieg verdient“, urteilte Coach Roger Schmidt. Auch er hatte den Bremen-Fluch nicht beenden können. Im sechsten Pokalspiel dieser beiden Mannschaften hieß der Sieger wie immer Werder. Bei diesen Vorzeichen war das einfach nur unglaublich.

Garcia, Pizarro und Grillitsch lassen Werder jubeln

Bayer Leverkusen - Werder Bremen 1:3 (1:2)
1:0 Hernandez (22., Foulelfmeter),
1:1 Santiago Garcia (31.),
1:2 Pizarro (42., Foulelfmeter),
1:3 Grillitsch (82.)
Leverkusen: Leno - Hilbert (46. Ramalho), Tah, Toprak, Wendell - Kampl, Kramer (76. Brandt) - Bellarabi, Calhanoglu - Kießling, Hernandez (57. Papadopoulos). - Trainer: Schmidt
Bremen: Wiedwald - Gebre Selassie, Galvez, Djilobodji, Santiago Garcia (74. Guwara) - Vestergaard - Öztunali (89. Veljkovic), Fritz, Bartels, Grillitsch - Pizarro (86. Ujah). - Trainer: Skripnik
Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding) 
Zuschauer: 24.104
Rote Karte: Wendell nach einer Notbremse (41.)
Gelbe Karten: Calhanoglu - Galvez (2), Santiago Garcia

kni/csa

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