Werder-Aufsichtsratschef Marco Bode:

 „Wollen kein ganz normaler Club sein“

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Werder-Aufsichtsratschef Marco Bode

Bremen -  Von Michael Rossmann und Peter Hübner. Für viele Fußballfans gilt Werder Bremen als ein besonderer Verein. Die Hanseaten gefallen sich in dieser Rolle. Marco Bode will als neuer Aufsichtsratschef den Profis dieses tolle Gefühl vermitteln - auch wenn die Mannschaft mal wieder gegen den Abstieg kämpft.

Marco Bode ist in Bremen sehr beliebt. Seit vergangenen Oktober gilt er als Hoffnungsträger bei den Fans. Der neue Aufsichtsratsvorsitzende erklärte im Interview der Deutschen Presse Agentur, dass die kontinuierliche Entwicklung des Kaders die wichtigste Aufgabe ist. Werder in der 2. Liga kann und will er sich nicht vorstellen.

Frage: Herr Bode, was hat sich geändert seit Ihrer Wahl zum Aufsichtsratschef bei Werder?

Bode: Natürlich der zeitliche Aufwand. Ich stehe stärker im Fokus, bin auch emotional angefasster und bei den Spielen aufgeregter. In den Jahren ohne das Amt war die Nähe nicht ganz so groß. Ich spüre auch die größere Verantwortung.

Frage: Welchen Einfluss können Sie jetzt nehmen?

Bode: Diesen Begriff würde ich nicht benutzen. Einfluss klingt wie Macht ausüben und Entscheidungen treffen. In einem Fußballclub funktionieren die Dinge anders als in einem Unternehmen, da spielt neben Kontrolle auch Beratung eine größere Rolle. Insgesamt versuche ich unsere Führungsstruktur als Team zu begreifen.

Frage: Liegt es auch an der momentanen Situation der Mannschaft, dass der Aufsichtsrat als Kontrollgremium besonders gefragt ist?

Bode: Bestimmt hat das damit zu tun. In den letzten Jahren hat Werder fast durchgehend gegen den Abstieg gespielt. In solchen Zeiten ist es noch wichtiger, häufiger miteinander zu reden und gemeinsam Ideen zu entwickeln.

Frage: Werden Sie im aktuellen Tagesgeschäft auch als Ex-Fußballer gefragt, etwa bei der Ausleihe von Levin Öztunali?

Bode: Ja, mit Einschränkung. Ich versuche, die Rolle nicht zu übertreiben. Aber wenn die Geschäftsführung mich fragt, und das tut sie hin und wieder, dann sage ich meine Meinung - nicht nur als Aufsichtsrat, sondern als Marco Bode, der Fußball gespielt hat.

Frage: Der Streit, ob man in schwierigen Zeiten Schulden machen muss oder nicht, hat zu personellen Veränderungen geführt. Hat Werder in der Winterpause schon Schulden für Transfers aufgenommen?

Bode: Es gab sicherlich einige untypische Werder-Diskussionen. Schulden oder Nicht-Schulden - das war dabei eine Frage, die besonders öffentlich im Fokus stand, die ich aber nie als zentrale Frage angesehen habe. Ich stehe für wirtschaftlich vernünftiges Handeln, weiß aber auch, dass man im Fußball bereit sein muss, Risiken unterschiedlicher Art einzugehen. Unsere Strategie darauf zu reduzieren, wir nehmen Schulden auf, um in Spieler zu investieren, ist mir aber viel zu kurz und falsch gedacht.

Frage: Und wie sieht der aktuelle Stand aus?

Bode: Die wichtigste Aufgabe ist, unseren Kader kontinuierlich zu entwickeln und nachhaltig zu verstärken. Wir haben begrenzte Möglichkeiten, aber in diesem Rahmen wollen wir so hart wie möglich am Wind segeln. Wir dürfen nicht unvernünftig werden und das ganze Konstrukt Werder gefährden. Lassen Sie mich aber deutlich sagen, dass es jetzt zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsführung keine unterschiedlichen Auffassungen mehr gibt. Wir ringen gemeinsam um den richtigen Weg und wir haben ihn auch gemeinsam definiert.

Frage: Eljero Elia und Nils Petersen wurden ausgeliehen, der Vertrag mit Ex-Trainer Robin Dutt aufgelöst. Das vergrößert den Spielraum?

Bode: Unser Kader war zuletzt wettbewerbsfähig. Unter Trainer Viktor Skripnik haben wir ausreichend Punkte geholt, um in der Liga bestehen zu können. Das ist für mich die Basis. Außerdem hat Skripnik mutig auf unsere Nachwuchskräfte gesetzt, das entspricht unserer Philosophie. Dass wir einige Spieler abgegeben haben, war auch ein Teil des Plans, den Kader zu verändern. Elia konnte nicht den Input geben, den wir uns erhofft hatten. Dafür haben wir Öztunali auch auf Leihbasis verpflichtet. Diese Leihgeschäfte sind ein Element, das wir nutzen wollen. Es wird aber nicht das durchgehende Element sein.

Frage: Haben sie bei den Gesprächen mit der Geschäftsführung auch den Notfallplan für die 2. Liga besprochen?

Bode: Es wäre ja sehr fahrlässig, wenn wir nicht auch über den schlimmsten Fall gesprochen hätten. Dazu sind wir auch verpflichtet.

Frage: Und wie sieht der Plan grob skizziert aus?

Bode: Plan ist das falsche Wort, aber es kann sich jeder ausmalen, dass die 2. Liga auf der Einnahmenseite einen deutlichen Einbruch bedeuten würde. Das würde auch in der Struktur und im Kader der Profis enorme Einschnitte bedeuten. Wir sind aber überzeugt, dass wir diesen Worst Case verhindern werden. Werder in der 2. Liga kann und will ich mir nicht vorstellen.

Frage: Der Kurs des neuen Trainers mit jungen Spielern birgt auch Risiken. Kann man mit so vielen jungen Spielern die Klasse halten?

Bode: Ich denke ja. Wir haben gesehen, dass die jungen Spieler das Potenzial haben, in der Bundesliga zu spielen. Natürlich geht es nicht nur mit Talenten, wir brauchen auch gestandene Spieler. Die Vorteile von Erfahrung auf der einen und von Unbekümmertheit auf der anderen Seite halten sich die Waage.

Frage: Werder galt lange Zeit als sympathischer Verein. Laufen Sie Gefahr, ein x-beliebiger Verein mit Heuern und Feuern zu werden?

Bode: Wir wollen kein ganz normaler Verein mit Werder Bremen sein. Wir waren immer ein besonderer Club, und für mich sind wir auch immer noch ein besonderer Club, auch wenn ich weiß, dass unser Image ein bisschen gelitten hat. Ich glaube aber, dass Werder immer noch als sympathischer Club wahrgenommen wird. Es hilft zwar nichts, ausschließlich verklärt und romantisch in die Vergangenheit zu blicken, aber wir sollten den Spielern schon sagen und zeigen, dass man sich hier wohlfühlen kann und dass es hier ein besonderes Umfeld gibt - dass Werder ein toller Club ist, auch mit ihrer Hilfe.

Frage: Gilt das etwa für Zlatko Junuzovic, der sich sehr gerührt zeigte von den Liebesbekundungen der Fans beim Trainingsstart?

Bode: Ich hoffe, dass es bei ihm nicht nur um die Frage geht, wo er am meisten Geld verdienen kann. Dass es auch um die Bedeutung innerhalb des Teams und in der Stadt geht. Ich glaube, dass Spieler immer dann ihre Topleistung zeigen können, wenn sie sich wohlfühlen in ihrer Haut, im Club und in der Stadt. Es sind viele Faktoren relevant, nicht nur, was am Ende des Monats überwiesen wird.

Zur Person:
Marco Bode (45) absolvierte 40 Länderspiele für die Fußball-Nationalmannschaft und wurde 1996 Europameister. Der gebürtige Harzer gilt als Vorbild in Sachen Vereinstreue. In seiner Profi-Karriere von 1989 bis 2002 spielte er nur für Werder Bremen.
dpa

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