Kader wird ausgedünnt / Kleinheisler nach Darmstadt

Viktor Skripnik greift zum Sieb

Viktor Skripnik steht „der unangenehmste Job“ bevor – er muss einigen seiner Profis sagen, dass sie im Kader keinen Platz mehr haben. - Foto: Gumz

Herzlake - Von Malte Rehnert. Bei Viktor Skripnik scheint es ein Umdenken gegeben zu haben. In der vergangenen Saison, als Werder mit dem Rücken zur Wand und der Trainer arg in der Kritik stand, schottete er sich so gut es ging ab. Der 46-jährige Ukrainer redete öffentlich nur noch, wenn er es musste – etwa bei Pressekonferenzen. Inzwischen stellt er sich wieder öfter den Medien. So wie gestern im Trainingslager in Herzlake, das heute endet.

„Ich versuche, authentisch zu bleiben, aber ich bin auch offen für alles“, sagte Skripnik: „Ich verstehe, dass Medienarbeit wichtig ist für jeden Trainer. Ich mache das, wie ich kann.“ Und gestern konnte er es gut, war nicht etwa bissig und sprach etwa eine halbe Stunde lang über...

...Claudio Pizarro
Der Torjäger hat im Trainingslager keine einzige Einheit mit der Mannschaft absolviert, sondern lediglich individuell gearbeitet. Erst hatte er Probleme an der Wade, dann am hinteren Oberschenkel. Mit den anderen nicht ganz fitten Spielern (Philipp Bargfrede, Santiago Garcia und Florian Grillitsch) machte sich der Pizarro bereits gestern auf den Heimweg – und sollte sich dort einer MRT-Untersuchung unterziehen. Ein genaues Ergebnis will Werder erst heute bekanntgeben. Skripnik glaubt nicht, „dass es etwas Schlimmes ist“. Aber Werder wolle eben sicher sein. Insgesamt hat der 37-jährige Pizarro in den vergangenen Wochen oft im Mannschaftstraining gefehlt. „Das nervt uns, aber ihn selbst auch. Leider ist die Vorbereitung nicht so glatt gelaufen wie in der Winterpause“, sagte Skripnik und ergänzte: „Er ist unser bester Stürmer. Ich hoffe, er wird so schnell wie möglich fit.“ Ob Pizarro beim Pokalspiel am 21. August in Lotte dabei sein kann, ist offen. Dass er die letzten Tests verpasste und auch heute gegen Ingolstadt fehlt, „gefällt mir nicht so“, räumte Skripnik ein: „Mir macht er Sorgen. Aber ich bin fest überzeugt, dass wir ihn als den Mann zurückkriegen, den wir brauchen.“

...Laszlo Kleinheisler
Nun ist es endgültig klar. Für den 22-jährigen Ungarn, der noch an Adduktorenbeschwerden laboriert und nicht mit nach Herzlake gereist war, ist im aktuellen Werder-Kader kein Platz. „Er war gleich am zweiten Tag verletzt und ist es immer noch. So hat er seine Chance verloren“, meinte Skripnik: „Er wird ausgeliehen. Vielleicht ist schon morgen bekannt, an welchen Verein.“ Nach Informationen der Kreiszeitung wird Kleinheisler an Darmstadt 98 ausgeliehen, für ein Jahr und ohne Kaufoption. Bereits am Freitag war der Ungar in der Stadt gesichtet worden, der Deal soll am Samstag offiziell verkündet werden.

...den Kader
Skripnik und auch Sportchef Frank Baumann hatten zuletzt von „harten Entscheidungen“ gesprochen, die zu treffen sind. Spätestens kommende Woche wird sich in einigen Fällen zeigen, wer künftig nicht mehr fest zur Bremer Profimannschaft gehört. Denn dann wird ausgesiebt, der Kader verkleinert. Laut Skripnik ist das „der unangenehmste Job“ seiner Arbeit: „Jeder hat gekämpft, aber wir müssen auf die Sportprinzipien achten.“ Das heißt: Wer bisher überzeugt hat, darf bleiben. Wer nicht, der nicht – wohl nicht mal mehr beim Training. Skripnik: „Ich bin kein Fan davon, mit 29 Spielern auf dem Platz zu arbeiten. Ich brauche ungefähr 22 gesunde Feldspieler.“

...das System
4:2:3:1 gegen Chelsea und Meppen, vermutlich heute gegen Ingolstadt – und dann wohl auch beim Pflichtspielstart. Wie es aussieht, wird diese taktische Variante sogar auf Dauer das bisher praktizierte, aber kaum unterschiedliche 4:1:4:1 als Bremer Stammsystem ablösen. Es biete „mehr Vorteile“ im Spiel nach vorne und mehr Flexibilät „nach hinten“, urteilte Skripnik, der den Wechsel vor allem wegen Neuzugang Max Kruse vornahm. Der Rückkehrer könne seine Qualitäten als zentraler Mann der offensiven Dreierkette am besten einbringen. Skripnik: „Diese Position ist seine Spezialität, sie passt perfekt zu ihm. Deshalb favorisieren wir momentan dieses System.“ Andere Varianten seien aber weiterhin möglich, betonte der Bremer Coach: „Wir schauen auch von Gegner zu Gegner und wollen flexibel sein.“

...die neuesten Neuen
Bei Innenverteidiger Lamine Sane sieht Skripnik schon Fortschritte. „Er wird von Tag zu Tag härter, brutaler“, sagte der Trainer und lobte schon nach kurzer Zeit die Führungsspielerqualitäten des 29-jährigen Senegalesen: „Er will auf dem Platz gleich laut sein, obwohl er noch gar kein Deutsch spricht. Er ist ein richtiger Leader.“ Gleiches soll für Max Kruse gelten, in den der Coach große Hoffnungen setzt: „In Meppen hat er gezeigt, dass er derjenige ist, der alle nach vorne zieht. Er ist vielleicht der entscheidende Mann in der Offensive. Was er sportlich macht, passt überragend zu uns.“ Dass Kruse auch mal abseits des Platzes für Aufsehen sorgte, ist Skripnik „nicht nur wurscht. Es ist eine ganz normale Sache. Jeder geniale Spieler ist ein bisschen verrückt – das kann ich auch bei ihm bestätigen.“

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