Eichin hat schon einen Nachfolger

Transfer-Überraschung: Lukimya will nach China

Abgang mit Mülltüte: Mit dem Krimskrams aus seinem Spind verließ Assani Lukimya gestern das Weserstadion. Sein Ziel: Die Provinz Liaoning im Nordosten Chinas.
+
Abgang mit Mülltüte: Mit dem Krimskrams aus seinem Spind verließ Assani Lukimya gestern das Weserstadion. Sein Ziel: Die Provinz Liaoning im Nordosten Chinas.

Bremen - In einem blauen Müllbeutel trägt Assani Lukimya seine Habseligkeiten aus der Kabine. Draußen läuft ihm noch Raphael Wolf über den Weg, die beiden klatschen sich ab, reden kurz. Ein Fotograf macht eifrig seine Bilder. Dann geht Lukimya. Es ist sein Abschied vom Weserstadion, von den Mitspielern, von Werder Bremen.

Wie der Club gestern überraschend mitteilte, steht der 29 Jahre alte Innenverteidiger vor einem Wechsel nach China. Der Erstligist Liaoning Whowin FC will zwei Millionen Euro Ablöse zahlen, heute reist Lukimya zum Medizincheck in den Nordosten Chinas. Bringt die Untersuchung ein positives Ergebnis (wovon auszugehen ist), wird der Deutsch-Kongolese einen Zweijahresvertrag bei dem Club aus der 4,7-Millionen-Einwohner-Metropole Shenyang unterschreiben. „Wir haben alle Einigungen getroffen“, bestätigt Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin das Geschäft. In der vergangenen Woche hatte er wegen der Verhandlungen mit den Chinesen das Trainingslager in Belek vorzeitig verlassen. Und natürlich wegen der Nachfolgersuche. Weil neben Lukimya in Jannik Vestergaard und Alejandro Galvez nur noch zwei weitere Innenverteidiger im Kader stehen, brauchen die Bremer dringend Ersatz.

Lukimya war in dreieinhalb Jahren bei Werder zwar immer ein Wanderer zwischen Ersatzbank und Startelf, steht aber auch für eine gewisse Qualität. Vor allem ist er unter den Kollegen beliebt, ist Teil des Mannschaftsrates und mit seiner ruhigen, sympathischen Art wichtig für ein gutes Klima im Team. Ihn abzugeben, macht in der prekären Bremer Lage einzig dann Sinn, wenn am Ende nicht nur ein wirtschaftlicher Gewinn, sondern auch eine sportliche Verbesserung steht. Laut Eichin ist der aus seiner Sicht passende Mann bereits ausfindig gemacht und der Vertrag ausgehandelt worden. „Natürlich waren wir schon auf dem Markt aktiv. Man kann davon ausgehen, dass wir im Falle einer Bestätigung des Lukimya-Transfers einen Innenverteidiger präsentieren können“, erklärt der 49-Jährige. Einen Namen nannte er allerdings nicht. Nur so viel verrät er: „Es wird jemand sein, der uns sofort weiterhilft und schon über Erfahrung verfügt.“

Im Internet kursieren Gerüchte über Abdelhamid El Kaoutari (25), einen marokkanischen Nationalspieler, der beim italienischen Erstligisten US Palermo angeblich auf der Verkaufsliste steht, sowie über Hamdi Nagguez (23) vom tunesischen Club Etoile Sportive du Sahel. Beide sind nach Informationen dieser Zeitung aber keine erste Wahl. Der „kicker“ will indes wissen, dass die Spur nach England führt.

Dass Werder im Abstiegskampf überhaupt das Risiko eingeht, auf der Innenverteidiger-Position zu experimentieren, hat zwei Gründe. Eichin zum ersten: „Luki ist zwar nicht entbehrlich, aber er wollte es unbedingt machen.“ Verständlich, denn die Chinesen stehen im Ruf, üppige Gehälter zu zahlen. Und Ablösesummen, die sonst wohl nicht zu erzielen wären und für Werder offenbar unwiderstehlich sind – siehe Eichins Aussage zu Transfergrund Nummer zwei: „Es wäre wirtschaftlich unvernünftig gewesen, es nicht zu machen.“

Lukimyas Vertrag in Bremen läuft noch bis 2017. Dass Werder an dem Kraftpaket, das 2012 ablösefrei von Fortuna Düsseldorf gekommen war, nochmal verdienen wird, ist ebenso überraschend wie Lukimyas Ziel. „Damit hat sicher niemand gerechnet“, sagt Thomas Eichin und meint mehr das Geld als das Land mit seiner sportlich wenig reizvollen Liga. Einen Spitzenclub hat sich „Luki“ zudem auch nicht ausgesucht. Liaoning FC, achtfacher chinesischer Meister und 1990 Gewinner der asiatischen Club-Meisterschaft, hatte die vergangene Saison als Zwölfter der 16 Teams umfassenden Super League abgeschlossen.

csa

Mehr zum Thema:

Donnerwetter für den Weltmeister: 1:3 gegen Slowakei

Donnerwetter für den Weltmeister: 1:3 gegen Slowakei

Wettlauf Mensch gegen Maschine in Br.-Vilsen

Wettlauf Mensch gegen Maschine in Br.-Vilsen

Schützenfest in Diepholz - Teil 3

Schützenfest in Diepholz - Teil 3

Handwerkermesse "Rowdinale" in Rotenburg

Handwerkermesse "Rowdinale" in Rotenburg

Meistgelesene Artikel

Für Kroos und Füllkrug führt vorerst kein Weg zurück

Für Kroos und Füllkrug führt vorerst kein Weg zurück

Ein gutes Debüt

Ein gutes Debüt

Baumann gibt bei Vestergaard nicht auf - und geht von Verbleib aus

Baumann gibt bei Vestergaard nicht auf - und geht von Verbleib aus

Neuer Vertrag für Axel Dörrfuß

Neuer Vertrag für Axel Dörrfuß

Kommentare