Johannes Eggestein gilt als größtes Werder-Talent, ist aber „immer geerdet“

Ein Torgarant ohne Größenwahn

Die Eggestein-Brüder: Johannes (links) und Maximilian spielen nun gemeinsam bei den Profis. - Foto: nordphoto

Zell am Ziller - Die letzte Frage an den jungen Werder-Profi ist schon etwas gemein: „Johannes Eggestein, wo schießen Sie in dieser Saison mehr Tore – bei den Profis oder in der U 23?“ Kurzes Zögern beim 18-Jährigen, dann kommt ein „Keine Ahnung, weiß ich nicht“ und ein schelmisches „he he“, was der Antwort eine sehr sympathische Note verleiht.

Genauso wie dieses Funkeln in seinen Augen. Da freut sich einer auf seine erste Profi-Saison, ist dabei aber alles andere als abgehoben. Warum auch? „Wir haben von Kindheit an beigebracht bekommen, immer geerdet zu sein. Wir verfallen nicht dem Größenwahn“, sagt Johannes Eggestein und meint damit auch seinen anderthalb Jahre älteren Bruder Maximilian, ebenfalls Werder-Profi. Der kennt das Leben auf der ganz großen Fußball-Bühne schon ein Jahr lang. „Durch ihn habe ich einen kleinen Vorsprung“, sagt Johannes: „Ich konnte mich viel besser darauf einstellen, was mich erwartet.“

Vielleicht läuft es auch deshalb so gut für den jüngeren Eggestein. Im Training sticht der Stürmer regelmäßig hervor und zeigt, warum er als eines der größten Talente in Deutschland gilt. Viele Clubs, auch ausländische, wollten ihn haben. Doch Johannes entschied sich für Werder. „Ich habe mich die letzten drei Jahre hier sehr wohl gefühlt“, erklärt er. Außerdem sei die Familie in Hannover schnell erreichbar und der große Bruder sogar ganz dicht bei ihm: „Das hilft.“

Selbst Sportchef Frank Baumann ist überrascht, „wie gut Johannes das körperlich wegsteckt“. Schließlich hat der Angreifer bislang eigentlich nur gegen Gleichaltrige gespielt. Jetzt trifft er auf Abwehrspieler, „die schon unglaublich viele Zweikämpfe geführt haben“, sagt er selbst und verrät sein Erfolgsrezept: „Du musst vielseitig aufgestellt sein. Du muss links und rechts vorbeigehen können, den Ball abschirmen und ablegen. Aber da hat sich im Vergleich zur Jugend gar nicht so viel geändert.“

Mitspieler voll des Lobes für Johannes

Johannes Eggestein macht einfach so weiter. Und das imponiert den Kollegen – vor allem auch den älteren. „Er ist unglaublich“, schwärmt Santiago Garcia (28). „Ein richtig guter Junge“, findet Clemens Fritz (35). Und Claudio Pizarro sagt über den fast 20 Jahre jüngeren Kollegen: „Schon auf den ersten Blick kann man sagen, dass Johannes Qualität hat – und den Torriecher auch. Ich glaube, er wird ein Guter.“

Das sorgt nicht gerade dafür, dass die Erwartungshaltung geringer wird. Deshalb weicht Johannes Eggestein bei diesem Thema auch erst einmal aus. „Ich konzentriere mich auf meine Leistung, ich versuche, das auszublenden.“ Aber ganz gelingt es ihm nicht, zumal das Lob natürlich auch schmeichelt: „Es freut mich, wenn so ein großer Fußballer wie Claudio so gute Worte für mich findet.“

Der Blick auf Eggesteins Tordaten macht einen fast schwindelig. In den vergangenen drei Jahren war er immer Torschützenkönig – zwei Mal in der B-Jugend Bundesliga Nord/Nordost mit 19 und 22 Treffern in 26 bzw. 25 Spielen und zuletzt in der A-Jugend-Bundesliga Nord/Nordost. Seine 33 Treffer in 26 Spielen bedeuteten auch bundesweit die Bestmarke. Kein Wunder, dass er heiß begehrt war. Und mit seiner Unterschrift ließ sich der Angreifer Zeit – bis nach Saisonschluss.

"Traum" geht bei Werder in Erfüllung

Vielleicht spielten dabei am Ende auch die Worte des Opas eine Rolle. „Es war immer sein Traum, dass Maximilian und ich in einem Verein in der Bundesliga spielen und er mir als Zehner ein Tor vorbereitet. Das hat er schon erzählt, da waren wir noch ganz klein“, berichtet Johannes Eggestein – und da ist es wieder, dieses begeisterte Funkeln in den Augen dieses 1,83 Meter großen Mannes, der von nichts und niemandem Angst zu haben scheint. Er spielt einfach immer weiter. Auch wenn es gerade „mit etwas müden Beinen“ schwerer fällt.

Werder-Training am Donnerstag

Der 18-Jährige macht aber kein großes Aufhebens davon. Er verbreitet so etwas auch nicht im Internet – wie viele seiner Kollegen. Lange Zeit mied er die sozialen Medien sogar, inzwischen ist er bei Facebook. Aber von aktiv kann keine Rede sein. „Ich poste nicht so viele Bilder, ich brauche das nicht“, sagt er. Und ein Blick auf seine Seite verrät: Wahrscheinlich sorgt sogar jemand anders für die Inhalte, viel Persönliches ist dort jedenfalls nicht zu finden. Johannes Eggestein konzentriert sich auf Fußball – und das kann für ihn und Werder nur gut sein.

kni

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