Sportchef Eichin gibt Werder-Coach Skripnik eine „1+“ und fordert einen persönlichen Klingelton

„Viktor wird noch besser“

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Viktor Skripnik blickt in eine positive Zukunft. Sportchef Thomas Eichin traut ihm jedenfalls eine weitere Steigerung zu.

Bremen - Der Mann war schon Kult, als er seinen neuen Job gerade erst angetreten hatte. Der „Skripniker“ dudelte so oft durchs Radio, dass auch der letzte Bremer an die Rettung glaubte. Und die gab es früher als erwartet, Werder durfte am Ende sogar von Europa träumen. Dank Viktor Skripnik! Der 45-jährige hat sich in nur 25 Spielen einen ganz besonderen Status erarbeitet.

Punktemäßig gehört er im Schnitt sogar zu den Top Fünf der Werder-Trainer in der Bundesliga (siehe Tabelle unten). Und Sportchef Thomas Eichin prophezeit: „Viktor Skripnik wird noch besser.“

Eichins Überzeugung hat übrigens nichts damit zu tun, dass er womöglich an den Qualitäten des Trainers zweifelt. Der Sportchef räumt auch zum wiederholten Male mit dem Gerücht auf, er habe Skripnik Ende Oktober nicht als Nachfolger von Robin Dutt gewollt. Er habe lediglich darauf hingewiesen, dass es ein gewaltiger Unterschied sei, „ob du eine U 23 oder eine Bundesliga-Mannschaft trainierst“, berichtet Eichin und erklärt: „Einer Amateurmannschaft kannst du dich zu 98 Prozent widmen, im großen Spektakel Bundesliga geht das nur zu 50 Prozent, weil du dich viel mehr um andere Dinge kümmern musst wie Medienarbeit, Kaderplanung und so weiter.“ Skripnik habe das alles in seiner ersten Saison „hervorragend bewältigt, von mir bekommt er eine 1+ dafür “, urteilt Eichin und glaubt: „Er wird diese Erfahrung nutzen und sich weiter steigern.“

Veränderungen beim Coach waren schon am Ende der Saison spürbar – und zwar bei den Medienvertretern. Skripnik machte sich so rar, dass sich ältere Kollegen schon an Otto Rehhagel erinnert fühlten. Der Ukrainer spricht nur noch, wenn er muss – auf Pressekonferenzen. Einzige Ausnahme: Nach Spielen nimmt er sich noch kurz Zeit für die Bremer Journaille. Da war selbst der am Ende sehr verschlossene Thomas Schaaf auskunftsfreudiger.

„Das ist nicht böse gemeint“, behauptet Sportdirektor Rouven Schröder. Skripnik sei noch dabei, seinen optimalen Weg durch den Medien-Dschungel zu finden. Am Anfang hat er viel erklärt und fühlte sich mehrfach missverstanden. Das lag sicherlich auch am ganz speziellen Skripnik-Deutsch, das den Zuhörer des Ukrainers zu Interpretationen nötigt. Manchmal ist er aber auch einfach zu ehrlich – und ärgert sich später offenbar selbst darüber.

So wie im Fall Janek Sternberg. Den Linksverteidiger hatte Skripnik in Paderborn überraschend draußen gelassen und dafür Innenverteidiger Sebastian Prödl als Notlösung gebracht. „Mit Sternberg wäre es vielleicht noch schlimmer geworden“, stellte Skripnik nach der Partie knallhart fest und Nachwuchsmann Sternberg öffentlich aufs Abstellgleis. Immerhin holte er ihn später wieder zurück in die Startelf.

Unglücklich waren auch Skripniks jüngste Äußerungen, Nils Petersen würde nicht in sein System passen, eine Rückkehr aus Freiburg sei daher nicht sinnvoll. Diese Einschätzung passte so gar nicht zu den Worten von Eichin, der Petersen durchaus noch eine Chance einräumen würde. Der Manager sagte das natürlich, um den Marktwert des Stürmers nicht zu gefährden. Wer einen Spieler loswerden will, befindet sich nicht gerade in einer guten Verhandlungsposition.

Doch Skripnik schert das (noch) nicht. Aber selbstverständlich wird darüber intern gesprochen. Die Frage ist nur, wie einsichtig Skripnik ist. Er gilt in diesem Bereich durchaus als Sturkopf. Fußballerisch ist das anders, da stimmt er sich mit seinem Trainerteam ab, gibt den Co-Trainern Torsten Frings und Florian Kohfeldt durchaus Macht. Genauso wie Christian Vander, der bei den Torhütern quasi allein entscheiden und sich darüber hinaus auch taktisch einmischen darf. Das Zusammenspiel funktioniert gut.

„Ich hoffe, das Trainerteam bleibt seiner Linie treu“, sagt Eichin und ist guter Dinge. Genauso wie Schröder. Der Sportdirektor macht sich keine Sorgen, dass sich jemand nach dem guten Start verändert – vor allem nicht Skripnik: „Viktor ist keiner, der abhebt. Er ist der Viktor geblieben, der er war – ein Werderaner durch und durch. Er hat einfach eine gute Mischung aus Lockerheit und Härte.“

Dass Skripnik auch mal etwas sehr euphorisch ist und davon spricht, Werder wieder in die Beletage zu führen, kann Schröder zwar verstehen: „Wünsche sind immer erlaubt.“ Aber der 39-Jährige mahnt auch: „Demut hat Werder immer gut gestanden. Große Ziele können Bayern und Wolfsburg verkünden. Bei uns geht es um den nächsten Schritt.“

Natürlich mit Skripnik. Der ist in die Kaderplanung fest eingebunden und kann der Mannschaft nun noch mehr seine Handschrift verpassen. In den nächsten Wochen allerdings nur aus der Ferne. Eichin empfiehlt ihm nämlich, „zwei Wochen Urlaub zu machen und das Handy klingeln zu lassen. Außer, wenn ich anrufe. Am besten er wählt für mich einen eigenen Klingelton.“ Wie wäre es mit dem „Skripniker“?  kni´

Bilanzen der Werder-Trainer

Name

Amtszeit

Spiele Punkte

(1. Liga) (Schnitt)

Otto Rehhagel

02.04.81 - 30.06.95 480 1,79

Fritz Langner

05.09.67 - 30.06.69 62 1,76

Thomas Schaaf

10.05.99 - 15.05.13 479 1,62

Willy Multhaup

01.07.63 - 30.06.65 60 1,57

Viktor Skripnik

25.10.14 - 25 1,56

Rudi Assauer/F. Schulz

01.01.78 - 30.06.78 15 1,53

Hans Tilkowski

17.03.70 - 30.06.70 12 1,50

Günther Brocker

01.07.65 - 04.09.67 71 1,48

Hans-Jürgen Dörner

14.01.96 - 19.08.97 54 1,43

Wolfgang Sidka

19.08.97 - 22.10.98 39 1,33

Robert Gebhardt

01.07.70 - 28.09.71 42 1,31

Otto Rehhagel

01.03.76 - 13.06.76 13 1,31

Hans Tilkowski

01.07.76 - 19.12.77 53 1,26

Wolfgang Weber

01.07.78 - 28.01.80 53 1,17

Josef Piontek

25.10.71 - 30.06.75 122 1,16

Herbert Burdenski

01.07.75 - 28.02.76 21 1,14

Felix Magath

22.10.98 - 10.05.99 22 1,13

Fritz Langner

20.02.80 - 30.06.80 14 1,07

Fritz Rebell

01.07.69 - 16.03.70 22 1,05

Aad de Mos

01.07.95 - 09.01.96 17 1,00

Robin Dutt

28.06.13 - 25.10.14 43 1,00

Anmerkung: Interimstrainer mit weniger als zehn Spielen wurden nicht berücksichtigt, ebenso Kuno Klötzer, der Werder in der zweiten Liga betreute; der Schnitt wurde nach der Drei-Punkte-Regel ermittelt.

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