Im Mannschaftsbus spricht Baumann die Kündigung aus

Skripniks Aus: Entlassung auf der Autobahn

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Viktor Skripnik (Archivbild)

Bremen - Um 21.23 Uhr am Samstag war das Schicksal von Viktor Skripnik besiegelt. Nach einem Gespräch mit seinem Kollegen Frank Baumann verließ Klaus Filbry den Borussia-Park in Mönchengladbach. Schweigsam. „Kein Kommentar“, sagte der Vorsitzende der Werder-Geschäftsführung noch und verschwand. Drei Minuten später kam auch Baumann aus dem Gästetrakt und stieg in den Mannschaftsbus. Dort kam es dann irgendwo auf einer Autobahn zwischen Gladbach und Bremen zur Beurlaubung von Cheftrainer Viktor Skripnik.

Noch in der Nacht verabschiedete sich der 46-Jährige von der Mannschaft. Ende, Aus – nach nicht ganz 23 Monaten und zwei von Abstiegskampf geprägten Spielzeiten ist für den Ukrainer die Zeit als Bremer Cheftrainer vorbei. „Sehr enttäuscht“ habe Skripnik auf die Entscheidung reagiert, berichtete Baumann am nächsten Morgen. Der Ukrainer hätte von sich aus nicht aufgegeben, doch mit dem 1:4 (0:4) bei Borussia Mönchengladbach war für die Club-Führung das Maß voll. Skripnik hatte kaum nachvollziehbare Personalentscheidungen getroffen und eine Taktik gewählt, die gründlich in die Hose ging. Hoch stehen, aggressiv attackieren – damit habe er Werder „ins Verderben“ geschickt, urteilte Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder bei Sky.

Baumann kritisierte nicht die Taktik, nicht die Aufstellung, aber das Gesamtbild sei „speziell in der ersten Halbzeit sehr ernüchternd“ gewesen, sagte er: „Wir haben immer gesagt, dass wir Zeit und Geduld brauchen, aber dann muss es auch eine Weiterentwicklung geben.“ Auf die hat Werder aber vergeblich gewartet. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass wir in vier Pflichtspielen drei ganz, ganz schlechte Leistungen abliefern“, gab Baumann zu. Weil es aber so ist, wie es ist, kippte er seine noch vor kurzem gesetzte Frist von acht Spielen bis zu einer Zwischenbilanz und griff schon jetzt durch: „Wir hatten das Gefühl, dass der richtige Zeitpunkt gekommen war. Wir wollten nicht warten, bis wir eine noch schwierigere Situation vorfinden.“

Baumann ergreift die Initiative

Werder ist in der ersten DFB-Pokalrunde ausgeschieden und hat in drei Liga-Spielen drei Niederlagen kassiert. Klare Tendenz: Mit Skripnik geht es Richtung Abstieg. Und Baumann lief Gefahr, sein eigenes Schicksal zu eng an das des Trainers zu knüpfen, wenn er ihn noch länger geschützt hätte. Dass auch das ein Treiber für die Entlassung war, ist jedoch nur Spekulation. Fakt ist, dass Baumann, der für den entlassenen Skripnik-Kritiker Thomas Eichin gekommen war, am Samstagabend die Initiative ergriff, nachdem er sich zuvor noch gegenüber Medien nicht deutlich positioniert hatte.

Die Entlassung gehe „in erster Linie auf mich zurück“, sagte Baumann: „Aber es war eine einstimmige Entscheidung der Geschäftsführung.“ Zu der gehört neben ihm und Filbry auch noch Hubertus Hess-Grunewald. Der fehlte allerdings, als im Kabinengang über Skripnik beraten wurde. Nach dem Vieraugengespräch wurde seine Meinung angeblich aber abgefragt – ebenso die des Aufsichtsratsvorsitzenden und bisherigen Skripnik-Unterstützers Marco Bode. Baumann: „Es hat einen Kontakt mit ihm gegeben.“

Ein Veto legte Bode offenbar aber nicht mehr ein. Zu deutlich waren in den Partien gegen Drittligist Lotte (1:2), gegen Bayern München (0:6) und schließlich in Gladbach die Mängel im Bremer Spiel erkennbar gewesen. Baumann nannte die Leistungen „extrem enttäuschend“ und klammerte lediglich die Augsburg-Partie (1:2) aus.

Dass es ein Fehler war, den Vertrag mit Skripnik im Mai bis 2018 verlängert zu haben, wollte der Bremer Ehrenspielführer dennoch nicht eingestehen: „Mir war natürlich bewusst, dass das Trainerteam nach der Vorsaison relativ wenig Kredit hat in der Öffentlichkeit. Es war auch klar, dass wir einen ordentlichen Start gebraucht hätten, um eine Aufbruchstimmung zu erzeugen.“ Weil aber das Gegenteil eintrat, ist der Trainer Viktor Skripnik seit gestern Geschichte bei Werder Bremen. Der Ex-Profi muss allerdings nur noch bis zum Ende dieser Saison und damit bis Ablauf seines ursprünglichen Vertrages bezahlt werden. Die Vertragsverlängerung kommt nach Informationen dieser Zeitung bei Abfindungsverhandlungen nicht zum Tragen.
csa/kni

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