Lob für Mielitz, Hunt und De Bruyne / Ansporn für Elia

Schaaf: „Es hat Spaß gemacht“

Trainer Thomas Schaaf sieht Werder insgesamt auf einem guten Weg. ·
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Trainer Thomas Schaaf sieht Werder insgesamt auf einem guten Weg. ·

Bremen - Die Hinrunde in der Fußball-Bundesliga ist beendet, Werder rangiert mit 22 Punkten auf Platz zwölf. Zeit für eine „Halbzeit“-Analyse mit dem Bremer Cheftrainer: Thomas Schaaf (51) über . . .

den Hinrundenverlauf

Es begann mit dem blamablen Pokal-Aus bei Drittligist Preußen Münster (2:4 nach Verlängerung). Dann folgte eine Jo-Jo-Hinrunde – mal rauf, mal runter. Werder pendelte immer zwischen dem siebten und dem zwölften Platz, war nie besser oder schlechter.

Schaaf: „Wir haben einen ziemlich deutlichen Umbruch erlebt und gesehen, dass wir an vielen Dingen arbeiten müssen. Das ist uns gut gelungen. Wir haben das System verändert. Wir haben viele neue Dinge gemacht, das braucht seine Zeit. Wir haben jetzt ein anderes Altersbild, jüngere Spieler. Das braucht noch mehr Zeit. Gerade bei den jungen Leuten gibt es Schwankungen. So wie wir das angepackt haben, war das sehr, sehr positiv. Die Trainingslager waren sehr gut. Die Mannschaft hat sich als Team gefunden – und trotzdem konnte sich der Einzelne zeigen. Natürlich war das Pokal-Aus schlecht, das Ergebnis war schlecht, aber die Partie gar nicht so sehr. Wenn man da mit 2:1 gewinnt, sagen alle: Pflichtaufgabe erfüllt. Die Leistung war nicht katastrophal. Wir haben nur eine wirklich schlechte Partie hingelegt – in Augsburg. Alle anderen Spiele waren ansprechend. Das Problem ist, dass die Ergebnisse nicht dazu passen. Wir müssen effektiver werden, dann haben wir auch eine bessere Position. Insgesamt hat es Spaß gemacht. Es war klasse, wie die Mannschaft mitgearbeitet hat. Schade nur, dass sie sich so wenig Punkte als Bestätigung geholt hat.“

die Spielweise

 

Werder legte im 4:1:4:1-System meistens den Vorwärtsgang ein, ist mit 28 Treffern immerhin das sechstbeste Team der Bundesliga.

Schaaf: „Wir haben viele Dinge wiederentdeckt, die uns über die Jahre ausgezeichnet haben. Die Philosophie, nach vorne orientiert zu sein, offensives Kombinationsspiel zu entfachen – dem sind wir wieder mehr gerecht worden.“

die vielen Gegentore

29 Mal musste Keeper Sebastian Mielitz den Ball aus dem Netz holen. Das sind durchschnittlich 1,7 Gegentreffer pro Partie. Werder steht damit ligaweit auf Platz 16 (mit Ausgburg), nur Hoffenheim (41) und Hannover (31) sind schlechter.

Schaaf: „Wir reden immer über die letzte Situation, wenn ein Tor gefallen ist. Diejenigen, die im Umkreis sind, gelten als Schuldige. Aber damit es soweit kommt, muss der Ball vorher verloren worden sein. Um ein defensives Problem zu haben, muss man vorher ein offensives Problem gehabt haben. Da haben wir dem Gegner den Ball gegeben. Wenn wir da besser werden, würden wir nicht so viele defensive Probleme bekommen. Es ist ganz einfach: Wie haben wir uns gestaffelt, wie haben wir den Gegner kontrolliert? Da ist die Fehlerquote zu hoch. Dazu kommen individuelle Fehler, dass einer über den Ball haut.“

die Qualität der Mannschaft

Im Sommer hat Werder den großen Umbruch vollzogen – elf Spieler abgegeben, acht neue geholt.

Schaaf: „Den Weg, den die Mannschaft bisher gegangen ist, den ist sie sehr schnell gegangen. Sie hat mehr als interessante Spiele hingelegt. Da ist eine Menge Potenzial vorhanden. Wir haben in einem Bereich sehr gute Leistungen realisiert – und das in einer großen Variation: Das ist das Mittelfeld.“

De Bruyne und Hunt

 

Dieses Duo harmonierte auf den Halbpositionen im Mittelfeld gut, beide gehören zu den effektivsten Bremern.

Schaaf: „Bei Kevin wusste man, dass er über ein großes Potenzial verfügt. Wir sind sehr erfreut, dass er davon sehr viel abruft. Aaron zeigt von dem, was er drin hat, mehr auf als jemals zuvor. Aber man muss auch einen Zlatko Junuzovic und einen Clemens Fritz nennen. Oder auch einen Aleksandar Ignjovski.“

Sebastian Mielitz

Nach dem Weggang von Tim Wiese (zu 1899 Hoffenheim) rückte der 23-Jährige als neue Nummer eins ins Rampenlicht.

Schaaf: „Immer diese Wiese-Mielitz-Vergleiche, obwohl man den gar nicht machen kann. ,Miele‘ hat das von Anfang an sehr, sehr gut gemacht. Es gibt wenige Gegentore, wo er überhaupt mit ins Spiel gebracht werden kann, geschweige denn zu sagen, da hat er einen Fehler gemacht. Wir vermissen nichts. Das ist doch das Positive. ,Miele‘ ist ein Super-Bursche, er hat das Vertrauen absolut gerechtfertigt und seine Chance genutzt – dazu kann man ihm nur gratulieren. Aber natürlich ist er ein Spieler, der noch nicht fertig ist. Es ist immer ein längerer Weg. Ich erinnere nur mal an Ailton, der für seine Leistungen 2004 gefeiert wurde. Aber keiner denkt daran, dass er 1999 auch schon da war – und das einen halben Meter unter der Grasnarbe. Oder nehmen wir einen Aaron Hunt, der auch seine Zeit gebraucht hat.“

Eljero Elia

Der Niederländer, für 5,5 Millionen von Juventus Turin verpflichtet, startete stark. Eine gute Vorbereitung, ein Tor im Pokal in Münster. Doch danach begann die Durststrecke. Der 25-Jährige wartet noch immer auf seinen ersten Bundesligatreffer für Werder und machte viele schwache Spiele.

Schaaf: „Es dauert eben, bis er in die Spur kommt. Man muss bedenken, dass er ein Jahr fast gar nicht gespielt hat. Er macht viele Dinge sehr gut, ist sehr diszipliniert. Er braucht aber das Selbstvertrauen, auch mal die Buden zu machen. Um sich freizuschießen, ist ein bisschen Glück nötig – das hatte er bisher nicht. Aber: Er muss sich auch noch mehr reinhängen.“

das Fehlen von Allofs

Am 16. November war Klaus Allofs weg, mitten in der Saison nach Wolfsburg gewechselt. Der Bremer Sportchef sprengte damit das Duo Schaaf - Allofs, das 13 Jahre lang erfolgreich und eng zusammengearbeitet hatte.

Schaaf: „Ich will nicht, dass das negativ ausgelegt wird, ich habe eine hohe Wertschätzung für Klaus Allofs. Das wird auch immer so bleiben. Aber ich darf mich nicht damit beschäftigen, dass Klaus nicht mehr da ist. So muss ich auch immer als Trainer denken, wenn ein Spieler ausfällt. Klar macht es sich zwischendurch ganz gut, zu klagen. Aber das mache ich nicht. Meine Aufgabe ist es doch, die Dinge anzupacken, die Dinge zu bewegen, für das Ganze hier meine Gedanken einzubringen. Da macht es wenig Sinn darüber nachzudenken, was wäre, wenn er noch hier wäre. Er ist nicht mehr da. Das ist Fakt.“

den neuen Geschäftsführer

Allofs-Nachfolger als Geschäftsführer ist auch nach über einem Monat noch nicht gefunden. Erst sagte Dietmar Beiersdorfer ab, dann Marc Kosicke. Inzwischen ist Aufsichtsrat Marco Bode, der eigentlich nicht wollte, wieder der Top-Kandidat.

Schaaf: „Wenn die Entscheidung gefallen ist, werden wir die Dinge anpacken. Klar habe ich jetzt die eine oder andere Rückfrage mehr. Planungstechnisch bringe ich mich etwas mehr ein, bin noch intensiver in den Gesprächen – das teile ich mir jetzt mit Frank Baumann. Ich habe ein gutes Team hinter mir, alle Co-Trainer können sofort und gut Aufgaben übernehmen. Und wir haben noch zwei Geschäftsführer, sind handlungsfähig. Wir haben im Moment nichts zu entscheiden, keinen Umbruch und keine auslaufenden Verträge. Das startet erst im neuen Jahr, wenn es um die nächste Saison geht – aber da geht es auch nur um drei, vier Spieler.“ · kni/mr

17 Spiele - 28:29 Tore - 6 Siege - 4 Remis -7 Niederlagen - sehen Sie hier die Bilanz der Bundesliga-Hinrunde:

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