Robin Dutt und das Wiedersehen mit Werder: Entlassung war „legitim“, Skripnik macht es „sehr gut“

„Werder hat richtig gelegen“

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Trainer will er nicht mehr sein, also ist Robin Dutt Sportvorstand beim VfB Stuttgart geworden. Auf die Zeit bei Werder Bremen blickt er mit einem guten Gefühl zurück, öffentliche Selbstkritik betreibt er nicht.

Bremen - Der Name Robin Dutt bekommt – so ehrlich muss man sein – in der Ahnengalerie der Werder-Trainer keinen Sonderplatz. Nur 43 Punkte in 43 Bundesliga-Spielen unter seiner Regie reichen einfach nicht zur Heldenverehrung. Dutt wurde im Oktober entlassen, als das Team in der Bundesliga ganz unten angekommen war.

Es war eine Trennung in Freundschaft, sagen beide Parteien. Am Sonntag treffen sich alle wieder. Werder gastiert dann beim VfB Stuttgart, wo Robin Dutt vor drei Monaten ein Engagement als Sportvorstand antrat. Mittlerweile sind die Schwaben mit Trainer Huub Stevens und Dutt als dessen Vorgesetzter das Schlusslicht der Liga. Werder ist dagegen unter Trainer Viktor Skripnik Richtung Europa League durchgestartet. Wo Dutt ist, ist unten, spotten deshalb manche über den 50-Jährigen, für den das Match am Sonntag auch ohne Abstiegssorgen ein schweres wäre

Welche Gefühle bewegen Sie vor dem Duell mit Ihrem Ex- Club?

Robin Dutt: Mein ganzer sportlicher Fokus liegt natürlich darauf, mit dem VfB Stuttgart erfolgreich zu sein. Trotzdem kann und will ich nicht leugnen, dass Bremen für mich etwas Besonderes ist. Ich habe mich in der Stadt und im Club immer wohl gefühlt.

Das gute Bremen-Feeling wurde auch nicht durch die Entlassung im Oktober zerstört?

Dutt: Natürlich war der Abschied zu dem Zeitpunkt emotional für mich, da mache ich keinen Hehl draus. Das nimmt einen schon mit. Aber ich habe weiter gute Kontakte nach Bremen, da sind Beziehungen entstanden. Und ich habe mich in Bremen auch in der sportlich schwierigen Situation immer gut aufgehoben gefühlt.

Obwohl sie schlussendlich gefeuert wurden?

Dutt: Es gibt Unterschiede, wie man sich trennt. Die Tatsache, dass ich noch zu verschiedensten Leuten bei Werder Kontakt halte – ohne, dass ich jetzt Namen nennen möchte –, zeigt einfach, dass es auch im hochprofessionellen Fußball menschliche Seiten gibt.

Wie bewerten Sie im Rückblick die neun sieglosen Spiele bis zur Trennung?

Dutt: Es war fast etwas tragisch. Als wir Chelsea in der Vorbereitung 3:0 geschlagen hatten, sagte Thomas Eichin (Werder-Geschäftsführer, d. Red.), dass wir das Überraschungsteam der Liga werden könnten. Und ganz ehrlich gesagt, hatte ich dieses Gefühl zum damaligen Zeitpunkt auch. Umso ärgerlicher war, dass wir den Saisonstart dann in den Sand gesetzt haben. Im Nachhinein zeigt sich jetzt ja, dass das Potenzial in der Mannschaft vorhanden ist.

Wieso ist es Ihnen nicht gelungen, das Können der Mannschaft auszureizen?

Dutt: Das ist schwierig zu sagen. Du kommst manchmal im Fußball in Situationen, in denen ein neuer Impuls wie ein Trainerwechsel viel bewirkt. Werder hat sich damals zu diesem Schritt entschieden und hat im Nachgang mit der Entscheidung richtig gelegen. Das muss man im Fußball manchmal akzeptieren. Es bringt jetzt auch nichts, die Gründe aufzuzählen.

Sie möchten nicht darüber sprechen?

Dutt: Nein, möchte ich nicht. Es spielt keine Rolle mehr für mich. Ich habe das Geschehene für mich analysiert und meinen Teil aufgearbeitet. Ich bin mit mir völlig im Reinen. Außerdem: Diese Situationen, wie wir sie in Bremen hatten, gibt‘s im Fußball immer wieder – die hatte ich ja nicht exklusiv. Der Trainerwechsel war legitim. Da haben die Werder-Verantwortlichen und ich auch immer einen ehrlichen und offenen Austausch gehabt.

Dennoch: In der Nacht nach dem 0:1 gegen den 1. FC Köln hatte die Geschäftsführung bereits Ihre Entlassung beschlossen. Trotzdem leiteten Sie am Morgen noch das Training.

Dutt: Ich hätte es besser gefunden, es wäre vorher geklärt gewesen, das stimmt. Aber das war nicht machbar. Ich bin nicht nachtragend. Unser Verhältnis ist deswegen nicht belastet.

Es war eine Trennung, die weitgehend ohne böse Worte auskam. Die meisten Spieler wirkten damals ehrlich betroffen.

Dutt: Sie haben etwas gemacht, das man nicht unbedingt erwarten durfte. Sie haben sich unaufgefordert öffentlich positiv über mich geäußert. Das hat mich emotional bewegt, das muss ich ganz klar sagen. Das ist ungewöhnlich in diesem Geschäft, in dem man gleich wieder den nächsten Heilsbringer feiert.

Den nächsten Heilsbringer feiert Bremen dennoch. Unter Ihrem Nachfolger Viktor Skripnik ist Werder wieder erfolgreich. Wie bewerten Sie den Aufschwung?

Dutt: Sie machen es sehr gut, das muss man anerkennen.

Werder-Siege unter Skripnik, Werder-Krise unter Dutt, dazu an neuer Wirkungsstätte gleich wieder Tabellenletzter – fühlen Sie sich als Fußball-Fachmann durch diese Fakten beschädigt?

Dutt: Ein klares Nein. Es sind ja völlig unterschiedliche Positionen. Ich war Trainer in Bremen, bin jetzt Sportvorstand in Stuttgart – den Einfluss auf die jeweiligen Situationen kann man nicht annähernd miteinander vergleichen.

Bei Ihrem Einstieg in Stuttgart haben Sie gesagt, Ihre Trainerkarriere sei damit beendet. Hat Ihnen die Zeit bei Werder dermaßen zugesetzt?

Dutt: Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich keine Trainertätigkeit mehr ausüben möchte.

Gründe?

Dutt: Die Arbeit als Trainer war für mich eine große Herzensangelegenheit gewesen. Nach Bremen war mir aber auch klar, dass ich nicht einfach irgendwo anders als Trainer weitermachen kann.

Sind Sie als Trainer gescheitert?

Dutt: Das würde ich nicht sagen. Ich war immer einer, der Vereine in ganz schwierigen Situationen übernommen hat. Bei den Stuttgarter Kickers habe ich angefangen, als sie kurz vor der Insolvenz standen. In Freiburg habe ich Urgestein Volker Finke nach 16 Jahren beerbt. In Bremen habe ich nach der Ära Thomas Schaaf den Kampf um den Klassenerhalt angenommen – und in der ersten Saison frühzeitig geschafft. Ich denke, ich habe den Vereinen immer zum nächsten Schritt verholfen. Leverkusen war sicher ein bisschen die Ausnahme.

Jetzt sieht der VfB Stuttgart in Ihnen als Sportvorstand den Architekten der Zukunft. Die Gegenwart wird aber von der Roten Laterne beschienen – wie viel Freude macht Ihnen diese Aufgabe?

Dutt: Ich habe mich nie gedrückt vor schweren Aufgaben. In diesem Fall hätte ich es ja wirtschaftlich nicht machen müssen (Werder hätte Dutt noch bis 2016 Gehalt zahlen müssen, der Vertrag wurde vor dessen Einstieg beim VfB gegen Zahlung einer Abfindung aufgelöst, d. Red.). Aber immer, wenn mich gewisse Dinge überzeugt haben, mache ich das mit allen persönlichen Konsequenzen. Dabei bleibe ich. Ich mache nicht die sicheren Dinge im Leben, ich mag diese Herausforderungen.

Aus der Entfernung sieht es nach einer großen Herausforderung aus, den VfB neu aufzustellen. Das Team liegt fünf Punkte hinter Rang 15 zurück, auf den Relegationsplatz sind es zwei Zähler Rückstand. Was lässt Sie an den Klassenerhalt glauben?

Dutt: Wir haben es immer noch in den eigenen Händen. Wir haben jetzt viele Spiele gegen Mannschaften aus dem Mittelfeld oder direkte Konkurrenten. Und das Team macht mental einen stabilen Eindruck, hat in den letzten beiden Heimspielen einen Aufwärtstrend gezeigt. Gegen Hertha war es ein gutes Spiel, aber leider nur ein 0:0, gegen Frankfurt haben wir dann gewonnen (3:1, d. Red.). Das sind Parameter, die für uns sprechen.

Lassen Sie mich raten: Am Sonntag wollen Sie gegen ihren Ex-Club Werder die kleine Heimserie natürlich ausbauen…

Dutt: Es ist ganz egal, wer kommt. Wir sind komplett auf uns fokussiert.

Was würde bei einem Abstieg mit dem Sportvorstand Robin Dutt passieren?

Dutt: Ich habe beim VfB einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Das war keine Unterschrift als Feuerwehrmann, das war eine strategische Unterschrift.

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