EXpertise von Jonny Otten

Otten: „Nouri hat sich einen Kredit verdient“

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Jonny Otten

Am liebsten würde Jonny Otten sofort selbst in Aktion treten. „Ich habe gelesen, Werder sucht noch einen erfahrenen Co-Trainer. Also ich habe Zeit“, sagt der 55-Jährige und verweist auf seine über 300 Bundesliga-Spiele für Werder.

Natürlich ist das nicht ernst gemeint. Ex-Profi Otten schiebt deshalb noch ein „Wir hatten alle unsere Zeit“ hinterher. Außerdem ist er skeptisch, ob das überhaupt so eine gute Idee ist. „Sie haben Alexander Nouri als Cheftrainer das Vertrauen gegeben. Wenn sie jetzt einen erfahrenen Co-Trainer holen, möglicherweise mit einem großen Namen – dann will der doch auch gehört werden. Und schon geht es los. Das muss man abwägen. Viele Köche verderben den Brei.“

Den Trainerwechsel an sich findet Otten „absolut richtig. Ich weiß nicht, ob Viktor Skripnik der Sache noch gewachsen war. Die Mannschaft hat nicht mehr für ihn gespielt.“ Der große Druck sei dem Coach deutlich anzusehen gewesen. „Ich glaube einfach, das war das Beste für ihn.“ Aber wie soll es mit Skripnik weitergehen, soll Werder ihm einen neuen Job im Club anbieten? „Man sollte erst einmal ein bisschen Gras über die Sache wachsen lassen“, findet Otten: „Ich weiß nicht, ob Viktor bereit ist, wieder eine Etage oder sogar noch tiefer zu arbeiten. Das ist auch nicht so einfach, wenn du einmal Cheftrainer gewesen bist.“

Die Lösung Nouri findet Otten ganz gut, „obwohl mir die erste Halbzeit in Darmstadt gar nicht gefallen hat“. Doch der Trainer habe reagiert, umgestellt und damit Erfolg gehabt. „Er hat schon etwas bewirkt. Jeder Spieler ist besser drauf und lockerer.“ Wenngleich Otten gerade bei den Außenverteidigern noch Nachholbedarf sieht. Schließlich war er selbst einer. „Ich würde wirklich mal gerne mit Theodor Gebre Selassie trainieren“, sagt Otten und wünscht sich, dass der Tscheche nicht mehr so viele Fehler macht. „Natürlich war der Elfmeter gegen Darmstadt unglücklich, aber das passiert ihm zu oft“, findet der Ex-Profi.

Dem neuen Coach Nouri wünscht er nun die nötige Ruhe für die Arbeit: „Er hat sich einen gewissen Kredit verdient.“ Gleichzeitig setzt Otten auf Rückkehrer wie Claudio Pizarro und Max Kruse. „Wenn die wieder fit sind, haben wir eine richtig gute Mannschaft“, urteilt der 55-Jährige und hat durchaus hohe Erwartungen: „Es wäre schön, wenn wir es bis zur Winterpause ins gesicherte Mittelfeld schaffen würden. Und dann kann man nach einer guten Vorbereitung ja mal weitersehen.“

Zur Person:  Jonny Otten (55) absolvierte in der ersten und zweiten Bundesliga zwischen 1979 und 1992 insgesamt 349 Spiele (drei Tore) für Werder Bremen – die meisten davon als Linksverteidiger. Er war Deutscher Meister (1988), DFB-Pokalsieger (1991) und holte mit den Bremern den Europapokal der Pokalsieger (1992). 1997 beendete er seine Karriere und ist inzwischen Inhaber einer Firma für Werbetechnik, die auch eng mit Werder zusammenarbeitet (etwa bei der Trikotbeflockung).

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