Völlig verdiente 1:2-Pleite in Lotte und Rot für Bartels

Mehr Blamage geht nicht: Werder ein schlechter Verlierer

Rudelbildung mit Folgen: Fin Bartels schubst Alexander Langlitz weg und bekommt dafür von Schiedsrichter Christian Dietz die Rote Karte gezeigt. - Foto: nordphoto

Aus Lotte berichtet Carsten Sander - Mit einer Blamage selten dagewesenen Ausmaßes ist Werder Bremen in die neue Fußball-Saison gestartet. Der Bundesligist scheiterte in der ersten Runde des DFB-Pokals bei den Sportfreunden Lotte – und das nicht knapp oder unverdient, sondern völlig zurecht.

Am Ende waren die Bremer mit dem 1:2 (1:1) bei dem Drittligisten sogar noch sehr gut bedient. Die Tore der Lotter Matthias Rahn (8.) und Andre Dej (54.) besiegelten das vierte Bremer Erstrundenaus in den vergangenen sechs Jahren. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Zlatko Junuzovic (45.) war letztlich wertlos. Insgesamt gab der Favorit ein mehr als erschreckendes Bild ab. Chaos in der Defensive, Einfallslosigkeit im Sturm, dazu Spieler, die ihre Nerven nicht im Griff hatten – professionell war nichts an diesem ersten Pflichtspielauftritt der neuen Saison, zu dem auch der Platzverweis für Fin Bartels wegen einer Tätlichkeit gehörte (82.). „Wir haben einiges verkehrt gemacht“, umschrieb Kapitän Clemens Fritz die Leistung noch moderat.

Ein „Deja-vu“ sei die Partie gewesen, meinte der 35-Jährige, der in den vergangenen Jahren auch schon gegen Heidenheim, Münster und Saarbrücken in Runde eins rausgeflogen war. Und nun Lotte. „Es ist enttäuschend“, bekannte Frank Baumann, der einen denkbar schlechten Start als Geschäftsführer Sport erwischt hatte. Die Mannschaft habe all das nicht beherzigt, was Trainer Viktor Skripnik ihr vor dem Spiel mit auf den Weg gegeben hatte. Konsequente Aktionen? Nein! Chancen nutzen? Nein! Disziplin halten? Nein. Provokationen aus dem Weg gehen? Nein. „Dass wir direkt so eine Niederlage verkraften müssen, ist bitter“, meinte Baumann.

Sollte er im mit 10 059 Zuschauern ausverkauften Sportpark am Lotter Kreuz so etwas wie Ernüchterung nach einer langen, von großen Hoffnungen begleiteten Vorbereitung verspürt haben, so konnte er sie nach dem Abpfiff gut verbergen. Statt in Fatalismus zu verfallen, warb er um Geduld mit dem in großen Teilen neu zusammengestellten Team: „Es ist doch klar, dass es Zeit braucht. Dass ein langer harter Weg vor uns liegt, ist uns bewusst.“

Den Weg im DFB-Pokal darf Werder aber nicht mehr weitergehen. In der vergangenen Saison waren die Bremer noch bis ins Halbfinale vorgestoßen, hatten so rund sieben Millionen Euro Zusatzeinnahmen generiert. Diesmal gibt es nichts obendrauf – nur das sportliche Armutszeugnis, ausgestellt von einem Gegner, der in der vergangenen Saison noch viertklassig war. „Eine verdiente Niederlage“ sei es gewesen, sagte Baumann. Alles andere wäre auch beinhart gelogen gewesen. Schon nach acht Minuten zeigte sich das erste Mal, dass Werder überhaupt nicht auf der Höhe war. Niklas Moisander hatte fahrig einen Eckball verursacht, in dessen Folge traf Lottes bulliger Manndecker Rahn zur Führung des Außenseiters. Bewacher Lamine Sane hatte nicht aufgepasst und Lennart Thy auch nicht mehr engagiert genug eingegriffen.

Gebre Selassie im Schlafmodus, Moisander verunsichert

Es folgten viele Fehler der Bremer, die mit der aggressiven Lotter Gangart überhaupt nicht klar kamen. Von der spielerischen Überlegenheit, die Coach Viktor Skripnik im Vorfeld angeführt hatte („Wir haben Qualität genug, den Gegner zu schlagen“), war so gut wie nie etwas zu sehen. Wenn doch, dann war entweder – wie bei Bartels’ Schuss – die Latte im Weg (10.), oder es fehlten Mut, Präzision und Können im Abschluss.

Zum Glück für Werder galt das auch für die Sportfreunde aus Lotte. Sie durften zwar auf Bremer Einladung einen Konter nach dem anderen laufen, mehr als ein Schuss ans Lattenkreuz von Alexander Langlitz kam aber nicht dabei heraus (36.). Langlitz’ Solo über den ganzen Platz war aber eine dieser Szenen, die dokumentierten, wie schwach die Bremer waren. In der mit Lamine Sane und Moisander neu besetzten Innenverteidigung passte kaum etwas zusammen, im defensiven Mittelfeld bekamen Fritz und Junuzovic aber auch kaum Zugriff auf die flinken Lotter.

Immerhin bewies Junuzovic dann vorne Köpfchen und anschließend große Nehmerqualitäten: Eine Flanke von Janek Sternberg verwertete der kleine Österreicher zum 1:1, prallte dabei aber mit Gerrit Nauber zusammen. Beide sanken zu Boden und bluteten stark. Junuzovic hatte sich einen Cut an der Augenbraue zugezogen, Nauber eine Platzwunde auf dem Kopf. Für sie ging es direkt in die Pause, dann aber mit Pflaster bzw. Turban weiter. Das 1:1 machte Werder kurz mutiger, ehe die alten Probleme zurückkehrten. Dej durchbrach spielend leicht die Abwehrkette. Bei seinem Schuss ins kurze Eck machte auch Keeper Felix Wiedwald keinen guten Eindruck. Und auf den Rängen feixten die Lotter Fans: „So einfach geht das.“ Ja, so einfach geht das gegen Werder.

Die Bremer Antwort auf den neuerlichen Rückstand? Viele Angriffsversuche, aber nur eine echte Chance durch Junuzovic unmittelbar nach dem 1:2. Danach kam nichts mehr. Jedenfalls nichts Gutes. Stattdessen das: ein (nur mit Gelb geahndeter) Schubser von Kapitän Clemens Fritz gegen Tim Wendel, ein (mit Rot geahndeter) Schubser von Fin Bartels gegen Langlitz. Außerdem Rudelbildungen und immer wieder Diskussionen mit dem Schiedsrichter.

„Am Ende“, fasste Frank Baumann die gleichermaßen unschönen wie uncleveren Szenen zusammen, „waren wir auch noch schlechte Verlierer.“ Jeder blamiert sich eben, so gut er kann.

Pokal-Aus beim Drittligisten

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