Heute beginnt der hammerharte Endspurt / Naldo gegen Gladbach dabei

Die Lawine der dicken Brocken rollt auf Werder zu

Claudio Pizarro zeigt‘s an: Noch fünfmal kämpfen und hoffen, dann wird vielleicht doch etwas aus dem Traum von der Europa League. Pizarro selbst steckt allerdings in einem Tief, das für Werder bedrohlich ist. ·

Bremen - Es hört sich so schön an, wenn Sokratis über den Saisonendspurt spricht. So, als ob die Fans von Werder Bremen auf ein packendes und vor Spannung knisterndes Finish in der Liga hoffen dürfen. „Wir kämpfen bis zum letzten Spiel um die Europa League“, sagt der griechische Innenverteidiger.

Allerdings: Wer glaubt nach dem schmeichelhaften 1:1 (1:1) beim 1. FC Köln und vor dem hammerharten Restprogramm mit vier Gegnern aus den Top 5 der Bundesliga noch daran, dass Werder vor dem 34. Spieltag überhaupt noch zu den Europa-League-Anwärtern gehören wird? Die Aussichten sind miserabel.

Das musste auch Geschäftsführer Klaus Allofs unter dem Eindruck der Partie in Köln eingestehen. „Wir haben in den letzten Wochen viel Boden verloren und uns in eine deutlich schlechtere Ausgangsposition gebracht“, sagte er. Und es sei kurz daran erinnert, dass es Allofs war, der vor den Spielen gegen Augsburg (1:1), Mainz (0:3) und den FC von vielen, vielen Punkten geträumt hatte. Es wurden zwei. Das reicht zwar, um aktuell als Siebter in der Euro-Zone vertreten zu sein. Doch jetzt rollen die dicken Brocken wie eine Lawine auf Werder zu.

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Es beginnt mit Borussia Mönchengladbach. Der Tabellenvierte kommt heute (20.00 Uhr) ins ausverkaufte Weserstadion. Die restlichen Gegner heißen VfB Stuttgart, Bayern München, VfL Wolfsburg und Schalke 04 – sind Fünfter, Zweiter, Neunter und Dritter. Ein Programm wie ein Urteil: Europa League? Nein!

Doch Werder wehrt sich – vorerst aber nur mit Worten. „Das sind machbare Gegner“, behauptet Marko Marin und bedient sich zur Untermauerung seiner These der gängigen Argumente, dass Spitzenteams leichter zu spielen seien als die aus der unteren Tabellenhälfte. Motto: Die stellen sich nicht hinten rein.

Stimmt, die greifen an – und schießen Tore. Wie in der Hinrunde. Gladbach und Schalke schenkten Werder fünfmal ein, Bayern viermal. Dennoch glauben die vom Verletzungspech gebeutelten Bremer an einen guten Ausgang der Saison. Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Aufgeben ist halt nicht drin. „Alles ist möglich“, meint also Sokratis und mag mit Blick auf Gladbach nicht mehr an das 0:5-Debakel denken: „Das wird jetzt ein anderes Spiel.“

Aber nicht, weil Werder signifikant besser geworden ist, davon kann nicht die Rede sein. Nein, die Borussia hat abgebaut, fuhr in den letzten sieben Partien nur einen Sieg ein. Und eignet sich in Sokratis’ Augen deshalb optimal als Aufbaugegner: „Gladbach ist nicht mehr so stark. Es ist ein guter Moment, um gegen die zu spielen.“ Zumal Top-Scorer Marco Reus eventuell ausfallen wird.

Bei Werder deutet sich dagegen die Rückkehr von Abwehr-Ass Naldo an. Den Muskelfaserriss hat der Brasilianer auskuriert, gestern kehrte er ins Mannschaftstraining zurück und wurde von Trainer Thomas Schaaf sofort in den Kader berufen. Ob Naldo aber gleich in die Startelf rutscht, wollte der Coach gestern noch nicht entscheiden. Die Möglichkeit ist aber da. „Ich fühle mich bereit“, erklärte Naldo nach der Trainingseinheit. Und Schaaf scheint nicht abgeneigt zu sein: „Er hat im Training voll durchgezogen. Vielleicht ist er direkt dabei.“

Einer wie Naldo würde dem Team fraglos guttun. Wenngleich das 1:1 in Köln aufgezeigt hatte, dass Werder eher in der Offensive Verstärkung braucht. Nur einmal schossen die Bremer auf das gegnerische Tor – es war Markus Rosenberg, der nach einem Konter die Führung erzielte (24.). Ansonsten überschritten die Angriffsbemühungen mehrfach die Grenze zur Erbärmlichkeit. Kontermöglichkeiten verpufften, einen Spielaufbau gab es nicht, Standards blieben ungefährlich. Selbst Schaaf wurde da deutlich: „Wenn man so mit Ballbesitz umgeht wie wir, ist das schlecht.“

Apropos schlecht: In Kombination mit Claudio Pizarro muss dieser Begriff nur höchst selten verwendet werden. Nach der Partie in Köln war es als Bewertung aber dringend erforderlich. Geradezu lustlos wirkte der Peruaner, der zum Saisonende Wechselabsichten hegt. Doch dass diese der Grund für nur 17 Prozent gewonnene Zweikämpfe, null komma null ausgestrahlte Torgefahr und die Note 5,5 war, glaubt Schaaf selbstverständlich nicht. Er sieht die Ursache für Pizarros Formtief vielmehr in der Sperre nach der Tätlichkeit im Spiel gegen Hannover 96: „Die Pause hat ihm nicht gut getan.“ · csa

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