Werder kann Abstiegskampf – muss das in Köln aber noch mal beweisen

Mit Köpfchen, dem Geist von Verden und den besten Fans

Gemeinsam stark: Claudio Pizarro und Co. sind als Team noch stärker zusammengerückt – und können sich auf ihre Fans verlassen. - Foto: imago

Bremen - Von Björn Knips. 6:2 – in Worten: sechs zu zwei. Das Ergebnis ist auch viele, viele Stunden danach nicht zu begreifen. Ausgerechnet im Moment des größten Drucks haut Werder gegen den VfB Stuttgart so richtig einen raus. Wie hat das nur geklappt?

„Es wird alles gemacht, um den Klassenerhalt zu schaffen – von uns, vom Trainerteam und von den Fans. Deswegen ist es jetzt eine eingeschworene Gemeinschaft“, erklärt Fin Bartels und bringt auch noch in Erinnerung an eine berühmte Sportschule beim deutschen WM-Sieg 1974 ein bisschen Übersinnliches ins Spiel: „Damals war es der Geist von Malente – und jetzt eben von Verden.“

Dieses Kurztrainingslager in der Reiterstadt gehörte zum umfangreichen Bremer Maßnahmenkatalog vor dem Abstiegsduell. Begonnen hatte es mit einem Maulkorb für die Spieler. Dann wurde das längst besiegelte Karriereende von Clemens Fritz verschoben und die Vertragsverlängerung verkündet. Es folgte die Reise nach Verden und die Verpflichtung von Prof. Dr. Andreas Marlovits, einem namhaften Sportpsycholgen. „Keinem Wunderheiler“, wie Bartels betont. Aber einen für den Kopf, der im Abstiegskampf ganz besonders gefordert ist.

Marlovits selbst darf über seine Arbeit bei Werder nicht sprechen. Auch der eine oder andere Spieler tut sich schwer damit, den neuen Mann im Betreuerstab zu beschreiben. „Wenn ich verrate, was er uns gesagt hat, dann weiß es der Gegner – und dann schlagen sie uns“, erklärt Anthony Ujah. Marlovits wird noch gebraucht. Der Abstiegskampf ist schließlich nicht vorbei. Also wird der Professor mit nach Köln reisen. Wahrscheinlich sogar schon am Donnerstag. Nach den guten Erfahrungen mit der etwas längeren Vorbereitung in Verden soll es auch vor der Partie in der Domstadt am Samstag (15.30 Uhr) ein Kurztrainingslager geben.

Werder feiert Kantersieg

„Anscheinend hat es geholfen“, sagt Keeper Felix Wiedwald – und Teamkollege Jannik Vestergaard stellt zufrieden fest: „Wir haben eine mentale Leistung an den Tag gelegt, die einfach großartig war. Auch die zwei Gegentore haben uns nicht aus der Ruhe gebracht.“ Kleiner Widerspruch: Nach dem Stuttgarter Ausgleich war schon eine Bremer Verunsicherung zu spüren, die VfB-Verteidiger Federico Barba mit seinem Eigentor aber schnell beendete.

Ein bisschen Glück gehört eben auch dazu, genauso wie ein guter Plan. Denn die Szene zum 2:1 war kein Zufall. Werder hatte attackiert und den Ball erobert. Wie schon beim 1:0 von Bartels (10.) – und bei allen anderen Treffern von Levin Öztunali (42.), Claudio Pizarro (64.), Bartels (80.) und Ujah (86.). Ein perfektes Pressing, mit dem Stuttgart nicht zurechtkam. „Wir haben viele Videos vom Gegner geschaut“, bestätigt Ujah den Eindruck einer sehr guten Spielvorbereitung. Und in den Tagen von Verden war ausreichend Zeit, auch das in die Köpfe der Spieler zu bekommen und darin zu konservieren. Denn die übliche Ablenkung fiel weg. „Ruhig war es in Verden. Wir haben nicht viel mitgekriegt von den Medien. Auch der Bäcker konnte einen nicht ansprechen“, sagt Bartels mit einem leichten Grinsen im Gesicht. Natürlich weiß auch er, dass das alles nur Kleinigkeiten sind, „die aber das gewisse Etwas bringen können“, findet der 29-Jährige.

Dazu zähle auch die Arbeit von Prof. Dr. Marlovits. „Er hat uns noch mal verinnerlicht, dass wir es in uns haben, dass wir immer positiv bleiben sollen, egal, wie die Situation ist. Er hat uns als Team aufgezeigt, dass wir eine super Truppe sind“, gibt Bartels zumindest einen kleinen Einblick. Kollege Vestergaard hat die Arbeit des Spezialisten noch mit einer gewissen Eigentherapie ergänzt: „Man muss einfach daran denken, dass wir ein großes Glück haben, das alles erleben zu dürfen. Daran haben wir uns erinnert, um den Rucksack etwas leichter zu machen.“

Und dann sind da auch noch die Fans. „Das Stadion war so laut, das pusht einen enorm. Das ist wirklich wie ein zwölfter Mann“, schwärmt Bartels. Viktor Skripnik vergleicht die Stimmung sogar mit der Meisterschaft 2004. Es ist ein kurzer Genuss des Trainers, es folgt sogleich die Warnung: „Es ist weiterhin alles offen.“ Werder hat zwar die Abstiegsplätze verlassen, aber bei noch zwei Spielen nur einen Zähler Vorsprung – und die Tradition in dieser Saison, dass einem Hoch meist ein Tief folgte. „Wir wissen das“, betont Bartels, der dieses Wissen als Vorteil sieht und sich deshalb festlegt: „Diesmal packen wir das.“ Also einem Sieg gleich noch einen folgen zu lassen – und das könnte bei Niederlagen der Konkurrenten Frankfurt (gegen Dortmund) und Stuttgart (gegen Mainz) sogar schon zum vorzeitigen Klassenerhalt reichen.

Die perfekte Show des Fin Bartels

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