Klaus Filbry erhofft „zeitnah“ einen Abschluss

Strategischer Partner ante portas

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20 oder 25 Millionen Euro auf einen Schlag? Summen in dieser Größenordnung zu erwarten, ist laut Klaus Filbry unrealistisch und „Stammtischgerede“.

Bremen - Nicht bei allen aktuellen Werder-Themen spricht Klaus Filbry Klartext. Bei einem bestimmten schon. Das Gerücht, eine Gruppe Bremer und norddeutscher Unternehmen würde eine Finanzspritze für Werder mit der Forderung nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Willi Lemke verknüpfen, regt den Vorsitzenden der Werder-Geschäftsführung richtig auf.

„Ich distanziere mich als Vertreter des Vereins ganz stark von diesem Gerücht. Ich finde es schade, dass durch eine solch haltlose Geschichte sowohl den Unternehmen als auch Werder Bremen geschadet wird“, ereifert sich Filbry, der das Dementi gleich im Doppelpack serviert. Zum einen ist ihm nichts von einem Zusammenschluss Bremer Unternehmen bekannt, die Werder finanziell unter die Arme greifen wollen (siehe nebenstehenden Text),zum anderen habe niemals jemand Konzepte mit einer Lemke-Klausel an ihn herangetragen. Also ein Gerücht ohne Wahrheitsgehalt? Laut Filbry ja.

Er muss es wissen. Schließlich ist er als für die Finanzen zuständiger Werder-Boss erster Ansprechpartner für alle, die den Club mit Geld füttern wollen. Sie stehen – so viel kann nach einem Treffen mit Filbry gestern auf der Werder-Geschäftsstelle verraten werden – nicht vor seinem Büro Schlange. Aber ein Interessent sitzt schon länger am Verhandlungstisch. Filbry: „Wir sind in guten Gesprächen mit einem strategischen Partner und hoffen, zeitnah etwas vermelden zu können.“ Wer der Partner sein wird, was er für Werder leisten kann und was der Club im Gegenzug bieten muss – in diesen Punkten ist es vorbei mit dem Klartext. Nur soviel sagt Klaus Filbry: „Bei einer strategischen Partnerschaft kann es um eine siebenstellige Summe gehen. Oder auch um mehr.“ Nur von dem ganz großen Wurf mit einem plötzlichen Geldsegen von 20 oder 25 Millionen zu träumen, sei Unsinn. Filbry jetzt wieder unverblümt: „Das ist Stammtischgerede. Da muss man die Erwartungshaltung relativieren. In der Bundesliga ist es bisher nur dem FC Bayern und Borussia Dortmund gelungen, strategische Investoren in dieser Größenordnung an Bord zu holen. Sonst hat es noch keiner geschafft.“

Auch nicht Hertha BSC – die Berliner bekommen vom US-Finanzinvestor KKR zwar 61 Millionen Euro für 9,7 Prozent der Anteile an der Fußball-GmbH. Doch Filbry sieht in diesem Modell weniger die Chance, als vielmehr die Gefahr: „Der Weg ist mit harten Rückzahlungsverpflichtungen verbunden. Für uns ist es wichtig, idealerweise Lösungen mit Rückzahlungsverpflichtungen zu vermeiden.“ Wieso? Weil im schlimmsten Fall mausetot ist, wer am Ende nicht zurückzahlen kann.

Werder will deshalb den Partner, der an Werder verdienen kann, während Werder an dem Partner verdient. Win-win-Modelle eben. Weil das nicht mal eben so herstellbar ist, es zudem auch nach Abschluss dauern kann, bis das Geld tatsächlich fließt, hat Klaus Filbrys Geschäftsführerkollege Klaus-Dieter Fischer laut über eine „nicht zu umfangreiche Verschuldung“ des Clubs im Winter nachgedacht. Natürlich um in die Mannschaft investieren zu können, wenn es sportlich nötig sein sollte. Es ist eine Wiederaufnahme der im Sommer nicht zu Ende gebrachten Diskussion und angesichts des aktuell letzten Tabellenplatzes des Teams sicher kein schlechter Vorschlag. Doch Filbry reagiert eher schmallippig auf Fischers Vorstoß. „Er hat in seiner Rolle als Gesellschafter des Clubs gesprochen. Das ist sein gutes Recht. Und in dem Fall auch seine Verantwortung“, meinte der 47-Jährige, der das Schulden-Thema lieber intern behandelt hätte.

Er trägt es deshalb wieder zurück hinter die Club-Mauern, sagt: „Wir werden diese Möglichkeit intern mit dem Aufsichtsrat diskutieren. Täten wir es nicht, würde es uns in der augenblicklichen Situation als grob fahrlässig ausgelegt werden. Wir müssen verschiedene Szenarien durchsprechen.“ Ob er Befürworter oder Gegner einer maßvollen Verschuldung ist, sagte Klaus Filbry nicht. Klartext gibt’s eben nicht immer. csa

Zitat

"Es ist nicht so, dass hier der Weltuntergang droht. Wir sind finanziell immer noch auf einem guten Weg. Die sportliche Situation ist absolut ernst. Wir müssen jetzt Gas geben, um aus dem Tabellenkeller rauszukommen."

Klaus Filbry über die finanzielle und sportliche Situation bei Werder Bremen.

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