Heute regieren im Weserstadion die Torjäger – sein Tipp: 4:3 für die Bremer

Klasnics Visionen: Mainz nach Europa, Werder bleibt drin

Bei Hallenturnieren von Traditionsteams streift Ivan Klasnic noch regelmäßig das Werder-Trikot über. - Foto: nph

Bremen -  Wer im Internet seinen Namen googelt, bekommt in den meisten Fußballportalen noch ein Bild von ihm im Mainzer Trikot präsentiert. Logisch, denn für Ivan Klasnic war der FSV in der Saison 2012/13 die letzte Station seiner Karriere als Profi.

Es war der Abgang von einer Bühne, auf der er zuvor in 151 Ligaspielen für Werder Bremen mit 49 Toren geglänzt hatte. Er wurde Double-Sieger 2004, war ganz oben. Hätte es 2007 nicht die schicksalhafte Nierenerkrankung mit zwei Transplantationen gegeben, hätte ihn der Weg von Bremen vielleicht nicht über den FC Nantes und die Bolton Wanderers nach Mainz, sondern direkt nach Manchester geführt. Mittlerweile versucht der 36-Jährige, als Spielerberater und Jugendscout Fuß zu fassen. Und er wirft einen Blick auf das Duell seiner Ex-Clubs heute (15.30 Uhr, Weserstadion) – mit einem ziemlich gewagten Tipp.

Werder gegen Mainz – wie geht es denn aus, Herr Klasnic?

Ivan Klasnic: Schwierige Frage. Ich hoffe natürlich auf Werder. Mainz ist manchmal überragend, tut sich gegen kleinere Gegner aber auch mal schwer. Ich sage es so: Tore werden fallen. Ich hoffe auf ein 4:3 für Werder.

Das ist der Tipp eines Torjägers mit Werder-Gen. Mainz steht als Tabellensechster aber deutlich besser da als Werder auf Rang 15.

Klasnic: Mainz ist aktuell stärker – das muss man so sehen. Wenn eine Mannschaft in München gewinnt (Mainz 2:1, d. Red.) und die andere nicht (Werder 0:5, d. Red.), dann kann man das nicht anders deuten.

Mainz ist so etwas wie die Überraschungsmannschaft der Saison. Hätten Sie Ihrem Ex-Club diese Rolle zugetraut?

Klasnic: Normalerweise ist Mainz ein mittelklassiger Verein. Der aber auch mal oben reinstechen und dort mitspielen kann. 2011 haben sie es ja schon mal geschafft, sind unter Trainer Thomas Tuchel Fünfter geworden.

Kennen Sie das Geheimnis, das dahinter steckt?

Klasnic: Manager Christian Heidel tätigt gute Einkäufe, junge Spieler bekommen in Mainz ihre Chance.

Klingt nach Werder Bremen von früher.

Klasnic: Nein, so würde ich das nicht sagen. Allein, weil Werder Bremen ein größerer Verein ist als Mainz 05. Werder hat früher sehr viele Erfolge gehabt, Mainz ist erst seit sieben Jahren in der ersten Liga etabliert.

Aber die Tradition hilft Werder wenig. Die Abstiegsangst regiert.

Klasnic: Es ist wieder ein schwieriges Jahr. Ich bin mir aber sicher, dass die Mannschaft nicht absteigen wird.

Warum?

Klasnic: Weil Viktor Skripnik und Torsten Frings aus meiner Sicht gute Arbeit leisten. Die Mannschaft hat genug Qualität.

Beim FSV Mainz 05 hat sich Martin Schmidt als Trainer einen Namen gemacht. Sie kennen ihn?

Klasnic: Er war Trainer der zweiten Mannschaft, als ich in Mainz war. Ich hatte einen guten Draht zu ihm, kam immer gut mit ihm klar.

Seit 13 Monaten ist er der Chefcoach des FSV und hat Erfolg mit einem Team ohne große Stars. War eine derartige Entwicklung schon damals zu erkennen gewesen?

Klasnic: Damals habe ich gar nicht so weit gedacht. Und er auch nicht, glaube ich. Thomas Tuchel war zu der Zeit der Trainer und eine Institution im Verein. Wäre er nicht gegangen, wäre Schmidt wohl heute noch bei den Amateuren.

Was macht ihn als Trainer aus?

Klasnic: Ich hatte nach einer Verletzung mal ein paar Einheiten bei ihm mitgemacht. Er war sehr respektvoll mir, aber auch allen anderen Spielern gegenüber. Er hat nie einen Unterschied zwischen Profi und Nachwuchsspieler, zwischen Stammkraft und Reservist gemacht. Die Spieler hatten immer viel Spaß bei ihm. Und er hat es verstanden, jeden Einzelnen zu motivieren.

Was trauen Sie Mainz noch zu in dieser Saison?

Klasnic: Die Qualifikation zur Europa League ist drin. Das wäre natürlich ein guter Abgang für Christian Heidel (wechselt am Saisonende zu Schalke 04, d. Red.). Zu ihm hatte ich immer ein gutes Verhältnis. Ein zielstrebiger, positiver Mensch.

Ex-Werder-Sportdirektor Rouven Schröder wird ihn beerben. Was bedeutet das für Mainz?

Klasnic: Die Ära Mainz wird weitergehen. Die Lichter gehen da bestimmt nicht aus.

Mainz war der Abschluss Ihrer Karriere, aber Sie sind in einer Saison nur auf drei Einsätze mit einem Tor gekommen. Das war nicht der ideale Abgang, oder?

Klasnic: Ich weiß immer noch nicht, warum ich dort so wenig gespielt habe. Aber mein Gott, es war halt so. Es war okay, nach Mainz gegangen zu sein. Auch wenn man sich den Abschluss vielleicht anders gewünscht hat.

Sie sind ein Jahr jünger als Claudio Pizarro, der immer noch spielt und trifft. Gehören Sie auch zu denen, die das beeindruckt?

Klasnic: Ja, natürlich. Ich habe großen Respekt vor ihm. Er ist im Moment sehr wertvoll für Werder, macht viel für die Mannschaft, führt die Mitspieler, erzielt seine Tore. Er macht alles richtig. Die Mannschaft spielt auch besser mit ihm.

Sie haben sich bei Werder Bremen aber verpasst, haben nie miteinander gespielt.

Klasnic: Er ist 2001 gegangen, als ich gekommen bin. Ich glaube, er hatte Angst vor mir (lacht). Und dann ist er erst wiedergekommen, als ich schon weg war.

Hätten Klasnic und Pizarro als Stürmerpaar zusammengepasst?

Klasnic: Ich hätte es gerne mal ausprobiert. Aber wir sind schon ein ähnlicher Spielertyp. Er ist ein bisschen wie ich, ich ein bisschen wie er. Technisch mussten wir uns beide nicht verstecken, er war vielleicht ein bisschen schneller als ich. - csa

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