Werder-Boss Klaus Allofs erklärt das Verhalten des Belgiers

„Kevin De Bruyne will Erfolg für sich – und das ist gut so“

Klaus Allofs kann die schlechte Stimmung nicht nachvollziehen: „Wer denkt, Champions League sei in Bremen Normalität, der ist ein Träumer.“ ·
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Klaus Allofs kann die schlechte Stimmung nicht nachvollziehen: „Wer denkt, Champions League sei in Bremen Normalität, der ist ein Träumer.“ ·

Bremen - Wieso bleibt Kevin De Bruyne auf Distanz zu Werder? Wieso schwärmt der 21-Jährige nur vom FC Chelsea?

Klaus Allofs gibt im zweiten Teil des Interviews die Antwort: Weil De Bruyne so handeln muss! Auch über das liebe Geld spricht der Vorsitzende der Werder-Geschäftsführung und erklärt, wieso der Bremer Bundesligist trotz der hohen Einnahmen aus der Champions-League-Vergangenheit auf Sparflamme kocht.

Herr Allofs, der SV Werder hat sieben Jahre in Folge international gespielt, davon sechs Jahre in der lukrativen Champions League. Immer wieder fragen sich die Fans: Wo ist das ganze Geld geblieben?

Allofs:Wir hatten Spieler, die unter normalen Umständen nicht bei Werder Bremen gespielt hätten. Angefangen mit Johan Micoud. Das gilt auch für Miroslav Klose oder Diego – und nicht zu vergessen Claudio Pizarro nach seiner Rückkehr. Dass man das nur bewerkstelligen kann, wenn man finanziell an die Grenzen geht, das muss doch jedem klar sein. Wenn man so lange in der Königsklasse spielt, ist es auch klar, dass sich die Gehälter für den Kader insgesamt nach oben entwickeln. Da kann man trotz der hohen Champions-League-Einnahmen keine großen Rücklagen bilden. Unsere Rücklagen waren und sind unsere Spieler. Wir haben Spieler gekauft und immer wieder auch verkauft – über die Jahre mit einem Transferüberschuss.

Es gab aber auch Negativbeispiele.

Allofs:Ich weiß schon, das Thema Carlos Alberto wird mich noch 100 Jahre verfolgen. Bei Bayern wäre das kein Thema gewesen, bei Schalke auch nicht, vielleicht auch nicht beim Hamburger SV. Der Transfer von Carlos Alberto wird dagegen immer als Musterbeispiel für die Verschwendung von Geld schlechthin herangezogen. Es gehört nun einmal dazu, dass man mit einer Verpflichtung Risiken eingeht. Wir wären übermenschlich gut, wenn das immer hinhauen würde. Immerhin haben wir es meistens geschafft, Transfers, die aus welchen Gründen auch immer nicht so erfolgreich waren, finanziell fast neutral für den Verein abzuwickeln - wie bei Wesley. Bei Marko Marin haben wir auch unser Geld zurückbekommen. Wir sind sehr verantwortungsvoll mit dem Geld umgegangen.

Trotzdem gab es irgendwann Probleme – erst sportlich, dann wirtschaftlich.

Allofs:Wir brauchen eben, um oben dabei zu sein, das Geld aus der Champions League. Und wir müssen außergewöhnliche Transfers machen. Außerdem müssen wir es schaffen, den Spielern etwas weniger zu bezahlen als unsere Konkurrenz. Ich will unsere Arbeit nicht schönreden, aber wer denkt, Champions League sei in Bremen Normalität, der ist ein Träumer. Diese Problematik haben wir doch in vielen Clubs. Zum Beispiel Mönchengladbach. Die können das ein, zwei Jahre auf diesem Niveau spielen, dann geht einer weg, dann muss ich auffüllen, dann wollen alle mehr verdienen – diese Probleme kommen von ganz alleine. Wer sich dann mit dem Großen, also mit dem FC Bayern, messen will, der muss sehr viel Mut haben.

Sie werden auf der Mitgliederversammlung am 5. November ein Bilanz-Minus verkünden. Ist es tatsächlich in zweistelliger Millionenhöhe und das höchste in der Vereinsgeschichte?

Allofs:Das höchste bestimmt, denn ich kann mich an kein Minus erinnern, das ist eher neu für uns. Die exakte Zahl werden wir erst auf der Versammlung nennen. Natürlich passt uns das nicht. Das heißt aber nicht, dass wir schlecht gewirtschaftet haben. Wir haben im Gegensatz zu fast allen anderen Vereinen keine Schulden, sondern Vermögen – das steckt in den Spielern.

Aber wie passt das Minus zu der auch von ihnen stets propagierten Werder-Maxime „Wir geben nur so viel Geld aus, wie wir einnehmen“?

Allofs:Auf Sicht gesehen haben wir nicht mehr ausgegeben, als wir eingenommen haben. Wie gesagt: Das Vereinsvermögen übersteigt das Minus. Wir hatten nun einmal im letzten und vorletzten Jahr Spielerverträge, die auf die Champions League ausgerichtet waren. Die kann man nicht einfach so kündigen. Uns war klar, dass man diese Mannschaft nur bezahlen kann, wenn man international dabei ist.

Wird dieses Minus Auswirkungen auf die weiteren Tätigkeiten auf dem Transfermarkt haben?

Allofs:Wir müssen sehen, wie sich die Saison entwickelt. Vielleicht stellen wir fest, dass wir noch mal nachlegen und deshalb ins Risiko gehen müssen. Oder man sagt, wir kriegen das anders hin.

Im Sommer sind Sie trotz des Minus ins Risiko gegangen und haben Eljero Elia für eine Ablöse von 5,5 Millionen Euro von Juventus Turin geholt. Sind Sie mit ihm zufrieden?

Allofs:Das war eine vernünftige Investition. Er ist ein Spieler, der den Unterschied in einem Spiel machen kann. In der Kombination mit Marko Arnautovic, der das auf der anderen Seite genauso machen kann, war das schon sehr interessant für uns. Wie lange ist Eljero jetzt hier?

Drei Monate.

Allofs:Daran wollte ich nur noch mal erinnern. Bei Juventus kam er ein Jahr nicht zum Einsatz. Das wirkt natürlich nach. Aber nur deshalb konnten wir ihn überhaupt verpflichten. Er ist also wieder so ein Spieler, der eigentlich nie in Bremen gespielt hätte. Für ihn kann es bei uns noch besser laufen. Aber er bemüht sich, er brennt. Eljero weiß ganz genau, dass er hier die Riesenchance bekommt, wieder an seine alte Leistungsstärke heranzukommen. Hier vertrauen wir ihm. Deswegen freut mich auch seine Berufung in die niederländische Nationalmannschaft. Diesen Zuspruch braucht er.

Quasi als Bestätigung, dass er wieder da ist?

Allofs:Mehr noch als Zeichen, dass er sich richtig verhalten hat. Er ist ja wieder dabei, obwohl er nicht jede Woche reihenweise Spieler ausgetanzt hat. Es wird registriert, dass er hier seine Arbeit macht und dass es keine Negativ-Schlagzeilen gibt.

Wie bewerten Sie Nils Petersen – oder wünschen Sie sich einfach Claudio Pizarro als Torgaranten zurück?

Allofs:Claudio Pizarro ist weg – also Haken dran. Nils Petersen ist für mich ein Knipser. Der braucht auch Spieler, die ihn in Szene setzen. Das muss sich finden. Er hat ein Jahr auch nur wenig gespielt, auch das braucht seine Zeit.

Und Joseph Akpala?

Allofs:Er ist später dazugekommen. Er ist ein unangenehmer Gegenspieler, der sehr viel arbeitet. Wenn er so weitermacht, wird er die nötige Sicherheit bekommen und viele Tore für uns machen.

Für die rechte Abwehrseite haben Sie Theodor Gebre Selassie geholt. Hat er Sie überzeugt?

Allofs:Das ist ein Profi, den man sich wünscht. Er ist bescheiden, ihm ist nichts zu viel, er will lernen. Er hat aber auch hohe Erwartungen an sich und ist enttäuscht, wenn es bei ihm nicht so läuft. Dann muss man ihn aufbauen. Für Theo ist das eine neue Welt hier. Er hat tschechische Liga gespielt – und Nationalmannschaft. Aber ganz ehrlich: Bundesliga ist schwerer als so ein Länderspiel wie zuletzt gegen Malta.

Bliebe noch Kevin De Bruyne, der Aufreger der vergangenen Woche. In seinen Interviews hat er so gar keine Identifikation mit seinem Verein demonstriert. Ist das der Preis, den ein Club bezahlen muss, wenn er einen Spieler nur ausleihen kann?

Allofs:Kevin identifiziert sich zu 100 Prozent mit Werder Bremen. Ob er jetzt mit der Stadt Bremen oder der Mentalität hier glücklich ist, das ist eine andere Sache. Er will Erfolg haben. Nicht nur für Werder, sondern auch für sich – und das ist gut so. Er ist ein Spieler, der den Unterschied machen kann. Er ist ein Spieler wie Pizarro, der normalerweise nicht für uns spielen kann, weil seine Ablöse viel zu hoch ist. Trotzdem ist er noch unerfahren in seinem Spiel und in dem, was er sagt. Ich wehre mich dagegen, dass er nun als typischer Legionär bezeichnet wird.

Was ist er dann?

Allofs:Er hätte hier nicht spielen müssen. Chelsea wollte ihn nicht nach Deutschland ausleihen, sondern hätte ihn lieber in England gesehen. Kevin hat das aus Überzeugung getan. Wir haben schon früh mit ihm gesprochen – und das sehr lange. Wir haben immer wieder nachgesetzt, ihm erklärt, was wir vorhaben. Er war von der Idee begeistert. Und er hat mir jetzt noch mal gesagt: Ich freue mich, dass ich bei Werder Bremen bin.

De Bruyne hat aber auch schon vor seinen Interviews in Belgien keine Gelegenheit ausgelassen, zu betonen, dass er nach einer Saison wieder weg ist. Da erwartet man ein etwas loyaleres Verhalten gegenüber seinem aktuellen Arbeitgeber.

Allofs:Weil wir nur in unseren Kategorien denken. Der Junge hat einen Vierjahresvertrag mit Chelsea. Dass es sein Traum ist, eines Tages dort zu spielen, kann ihm doch niemand verdenken. Der wird doch alles tun, um sich immer im Sinne seines Clubs, der sehr viel Geld für ihn bezahlt hat, zu äußern. Chelsea hat extra Leute, die sich um die vielen ausgeliehenen Spieler kümmern, alle zwei Wochen anrufen. Wenn die von einem hören, dass er sagt, vielleicht bleibe ich hier, dann wird das gleich vermerkt. Das steigert nicht gerade die Chancen, irgendwann bei Chelsea zu spielen. Kevin muss sich so äußern, das ist nicht gegen Werder, das ist für Chelsea. Es wäre unprofessionell und dumm, wenn er sagen würde: Ich bin hier glücklich, hier will ich nicht mehr weg. · csa/kni

Lesen Sie hier Teil 1 des Interviews

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Kommentare

HagrunAntwort
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Was uns bleibt, ist die Erinnerung an 6 CL-Teilnahmen mit Siegen gegen Inter Mailand (2 mal), Real Madrid und Chelsea!

Sicher:
*** Die Spieler und Berater haben WERDER "ausgenommen" (natürlich legal per Vertrag).
Diego, Naldo, Pizarro, Frings, Ailton spielen nunmal nicht unter 2 Mio. € pro Jahr! Frings verdiente in 5 Jahren geschätzte 20 Mio. €!

Oder hättest du statt dessen lieber (talentierte) 2.Liga-Spieler gewollt, mit denen die CL nicht erreicht worden wäre? H96 (als Beispiel) war damals sportlich nicht in der Lage in der CL zu spielen, konnte so einerseits Kosten sparen musste andererseits jedoch neidvoll zusehen, was sportlich in Bremen los war!

Natürlich: Im Erfolg hat Allofs auch Fehler gemacht!

HagrunAntwort
(0)(0)

„Wer denkt, Champions League sei in Bremen Normalität, der ist ein Träumer.“ Allofs hat Recht.

@ Phil -007
Du siehst nicht die Realitäten, sondern stehst auf dem Standpunkt: Was interessieren mich andere Vereine, ich will WERDER zum 7. Mal in der CL haben!!!

Bremen ist jedoch nur die 10. grösste Stadt Deutschlands einschl. Umgebung! Aus wirtschaftlichen Gründen ist es daher das Erreichen der CL nicht jedes Jahr möglich! Dass wir jedes Jahr (hinter Bayern und dem BVB) vor den Vereinen aus den größeren Städten Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart und Hannover liegen, ist sportlich leider (!!!) unrealistisch!

Zu Dortmund:
Im bevölkerungsreichen Ruhrgebiet kann der BVB ein Stadion mit 80.000 Zuschauern füllen, hat somit doppelt soviel Einnahmen wie WERDER je Spiel!

Geld ist eben im Profifußball - langfristig - der Motor des Erfolgs!!!

GdfAntwort
(0)(0)

Und was will uns der Autor damit sagen? Bwl Grundkurs absolviert?

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