Viel Lob für Elfmeter-Fairplayer Aaron Hunt – aber Di Santo wundert sich

„Ich wusste schnell, dass ich die Wahrheit sagen muss“

Die Geste des Spiels: Nürnbergs Javier Pinola schimpft noch ordentlich, als Werders Aaron Hunt den Elfmeter-Irrtum von Schiedsrichter Manuel Gräfe aufklärt. ·
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Die Geste des Spiels: Nürnbergs Javier Pinola schimpft noch ordentlich, als Werders Aaron Hunt den Elfmeter-Irrtum von Schiedsrichter Manuel Gräfe aufklärt. ·

Nürnberg / Bremen - Sebastian Prödl fasste das Ganze ziemlich gut zusammen. „Jetzt haben wir nicht nur die drei Punkte, sondern auch noch einen Fairness-Preis verdient“, sagte Werders Abwehrchef und meinte damit die große Geste von Mitspieler Aaron Hunt.

Der Bremer Vizekapitän hatte beim 2:0 (1:0) beim 1. FC Nürnberg mit seiner Ehrlichkeit dafür gesorgt, dass Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) einen Elfmeter für die Bremer zurücknahm – obwohl die Partie noch nicht entschieden war und sein Team im Abstiegskampf steckt. Alle Achtung!

Damit hat er gute Chancen, die Fairplay-Medaille des Deutschen Fußball-Bundes zu bekommen. Zum Vergleich: Der frühere Bremer Miroslav Klose wurde 2012 ausgezeichnet, weil er im Trikot von Lazio Rom ein Handspiel zugab – und sein Treffer dann eben doch nicht zählte.

Bei Hunt war’s kein Hand-, sondern ein vermeintliches Foulspiel. Es lief die 76. Minute, als er in den Nürnberger Strafraum eindrang, in den Zweikampf mit Javier Pinola und dann zu Boden ging. Gräfe zeigte sofort auf den Punkt. Die „Club“-Spieler protestierten, der Bremer schüttelte nach kurzem Blickkontakt mit Gräfe den Kopf und bedeutete dem Unparteiischen: kein Elfmeter! Ihn plagte dabei auch das schlechte Gewissen wegen des versuchten Betruges. „Ich will den Kontakt mehr als der Verteidiger und fädele ein bisschen ein“, räumte Hunt später ein: „Kein Vorwurf an den Schiedsrichter, er hat eben den Kontakt gesehen und reagiert.“ Allerdings: Fernsehbilder zeigten keinen Kontakt, sondern nur, dass Hunt mit dem rechten Fuß in den Boden stocherte und fiel. Aber wie auch immer: Hunt intervenierte sofort bei Gräfe: „Mir war schnell klar, dass ich die Wahrheit sagen muss. Und ich habe es nicht bereut, denn so wollen wir nicht gewinnen – auch nicht im Abstiegskampf.“

Werder Bremen in Nürnberg - die Noten

Werder Bremen in Nürnberg - die Noten

Gewonnen haben die Bremer letztlich auch so. Aber natürlich hätte ein Strafstoß die Chancen auf eine ruhige Schlussphase deutlich erhöht. Immerhin wäre das 3:0 und damit die endgültige Entscheidung möglich gewesen. Stattdessen musste Werder noch um den so wertvollen „Dreier“ bangen. Auch Hunt: „Ich gebe zu, dass ich danach ein bisschen öfter auf die Uhr geguckt habe.“

Ganz ähnlich ging es Sportchef Thomas Eichin, der die Entscheidung des Mittelfeldmanns zunächst „mit gemischten Gefühlen“ aufnahm: „Wenn Nürnberg ein Tor macht, wären sie rucki-zucki zurück im Spiel gewesen.“ Hinterher, als alles gut ausgegangen war, überwog aber ganz klar der Stolz auf seinen Profi. „Großen Respekt vor Aaron“, lobte Eichin, der zuletzt mehrfach zu viel Theatralik bei anderen Bundesliga-Teams angemahnt hatte: „Seine Geste ist absolut nachahmungswürdig“. Findet auch Trainer Robin Dutt, der von seinen Spielern generell „keine Schwalben und keine Schauspielerei sehen“ will: „Wir können es auch mit fairen Mitteln schaffen.“

Bremen gewinnt in Nürnberg mit 2:0 (1:0)

Bremen gewinnt in Nürnberg mit 2:0 (1:0)

Schulterklopfer für den Bremer Fairplayer (und den Nürnberger Hiroshi Kiyotake, der eine zu Unrecht gepfiffene Ecke „zurückgab“) gab es zudem aus dem Kollegenkreis. „Total super und fair. So gehört es sich“, meinte Werders 2:0-Torschütze Philipp Bargfrede. Prödl hatte die Strafstoß-Szene aus weiter Entfernung beobachtet und sich anfangs „fürchterlich aufgeregt. Ich wusste nicht, warum der Elfmeter zurückgenommen wurde.“ Als Hunt wenig später für Aufklärung sorgte, wich der Ärger beim Österreicher. Und auch er urteilte anerkennend: „Sehr sportlich. Das ist Aaron hoch anzurechnen.“

Sonnige Radtour nach Nürnberg-Sieg

Sonnige Radtour nach Nürnberg-Sieg

Stürmer Franco Di Santo beurteilte die Aktion als „ehrlich und positiv“ – und trotzdem: Er selbst hätte anders gehandelt, gab er gestern zu: „Wenn es eine kleine Berührung gibt, ist das so eine Sache. Wenn die Gefahr besteht, dass du absteigst, wäre es mir schon lieber, den Elfmeter zu bekommen.“ Dass Hunt ihn nicht wollte, überraschte den 25-Jährigen: „Ich habe es noch nie gesehen, dass ein Spieler aufsteht und sagt: Das war kein Elfmeter.“ In seiner Heimat sei so etwas undenkbar, ergänzte Di Santo: „Wenn man das in Argentinien machen würde, würden die Fans schön vor der Haustür warten, bis man mit dem Auto wegfährt . . .“ · mr/csa

Kommentare

knecht1Antwort
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Offenbar hat die Moderation eine andere Ansicht von einer Diskussionskultur oder einer Meinungsformung. Sollte auch in Übersee langsam die Runde machen.

Heckenschreck
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Mit dieser Methode der Moderation ist eine positive Diskussionskultur unterbunden. Moechte man etwa Meinungen formen. Stimmung machen???

HeckenschreckAntwort
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Frage an die Moderation: Warum sind hier komplette Konversationen zum Thema ausgeblendet oder gloescht? Keiner der Beteidigten hat ggn die Etikette verstossen.

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