Lemke heizt die Bayern-Gerüchte wieder an

Ist Gnabry selbst des Rätsels Lösung?

Frank Baumann und Serge Gnabry – was haben die beiden tatsächlich ausgetüftelt? J Foto: nordphoto

Bremen - Irgendwie war es Frank Baumann in der vergangenen Woche gelungen, die Irritationen und Gerüchte rund um den Transfer von Serge Gnabry einzufangen. Alles umsonst. Denn mit ein paar andeutungsvollen Sätzen hat Werder-Aufsichtsrat Willi Lemke gestern als Gast in der Sendung Doppelpass auf Sport1 die Phantasie wieder angeregt, dass der FC Bayern doch seine Finger im Spiel hatte bei Gnabrys Wechsel von Arsenal London zu Werder Bremen. Ein Vorkaufsrecht der Münchner im kommenden Sommer? Vielleicht gibt es das doch.

In der Runde hatte der Journalist und England-Experte Raphael Honigstein zwar auch nichts Konkretes berichtet, aber behauptet: „Man (gemeint war Werder, d. Red) hat sich ein bisschen Hilfe verschafft durch den FC Bayern. Es gibt zwar keine Einigung mit Bayern, aber wenn es dort Bedarf gibt, haben sie die Möglichkeit ihn zu holen.“ Lemke lächelte wissend und erwiderte Honigstein: „Ich gehe davon aus, dass Sie sehr gut informiert sind.“ Außerdem: „Ich bin sehr dankbar, dass das von Ihnen so dargestellt worden ist. Weil es für mich als Aufsichtsrat schwer ist, das auszuplaudern.“ Das klang sehr nach indirekter Bestätigung. Zumal Lemke anschließend auch noch Werder-Sportchef Frank Baumann für die Art des Transfers lobte. „Ich finde es total klasse, wie das gedealt worden ist. Sehr clever, sehr kreativ, wie Frank Baumann das hinbekommen hat. Ich kann da nur gratulieren.“

Damit ist die Gerüchteküche wieder angeheizt. Und Frank Baumanns auch gestern nochmal wiederholte Erklärung, kein anderer Verein sei in den Gnabry-Transfer involviert („Es gibt keine Vereinbarung mit dem FC Bayern“), hat an Überzeugungskraft deutlich eingebüßt. Wegen Lemke.

Vielleicht ist der Widerspruch zwischen Baumanns und Lemkes Aussagen aber gar nicht so groß, wie jetzt angenommen wird. Vielleicht hat Baumann recht und Lemke auch. Das ginge dann so: Die Vereinbarung gibt es nicht zwischen Werder und den Bayern, sondern zwischen Serge Gnabry und den Münchnern. Der 21-Jährige soll über eine Ausstiegsklausel in seinem angeblich bis 2020 datierten Werder-Vertrag verfügen – und steht möglicherweise bereits bei den Bayern im Wort, die Klausel exklusiv für den Meister zu nutzen, falls der es im kommenden Jahr so wünschen sollte. Das wäre dann die besagte „Möglichkeit, ihn zu holen“. Werder würde davon Kenntnis haben, hätte aber nichts mit den Bayern verhandelt oder vereinbart, sondern nur mit Gnabrys Beratern über die Modalitäten im Vertrags des Spielers gesprochen.

Liegt dann auch noch die festgeschriebene Ablösesumme über der jetzt von Werder an Arsenal gezahlten (geschätzt fünf bis sechs Millionen Euro), aber unter der, die Arsenal aktuell bei einem direkten Transfer nach München von den weitaus zahlungsstärkeren Bayern gefordert hätte, macht der um die Ecke gedachte Deal für alle Seiten Sinn. Schlägt Gnabry bei Werder ein, schlägt Bayern in einem Jahr zu. Die Münchner bekämen einen fertigeren Spieler, die Bremer mehr Geld zurück als sie ausgegeben haben.

Aber selbst wenn es ablösetechnisch ein Nullsummenspiel sein sollte, hätte Werder für eine Saison immer noch einen Spieler im Kader, der ohne Ausstiegsklausel und Bayern-Option vermutlich eher zu so ambitionierten Clubs wie RB Leipzig oder Schalke 04 gegangen wäre. Wäre das Modell also kreativ und clever aus Bremer Sicht? Ja, das wäre es wohl. J csa

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