„Er ist doch nicht umsonst Weltmeister“

Alle auf Mesut, ich verstehe es nicht

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Mesut Özil

Ein Gastkommentar von Tim Borowski. Drumherum kann die Aufregung noch so groß sein, Jogi Löw bleibt Jogi Löw, er geht konsequent seinen Weg. Wer ihm dabei Arroganz unterstellt, liegt falsch. Diese demonstrative Gelassenheit hat ihn schon immer ausgezeichnet. Andere Trainer hauen öffentlich nach Misserfolgen drauf und verursachen damit noch mehr Unruhe. Jogi stellt sich dagegen vor die Mannschaft und schluckt fast alles.

Intern sieht das etwas anders aus. Da spricht er schon deutlich an, was ihm nicht passt und nimmt auch die notwendigen Veränderungen vor. Aber insgesamt bleibt er ruhig, vertraut der Qualität der Mannschaft. Wie 2014. Da gab es nach den Spielen gegen Ghana und Algerien auch viel Kritik – und am Ende wurde Deutschland Weltmeister. Diese Qualität ist immer noch da, Deutschland bleibt für mich ein Topfavorit.

Tim Borowski

Was ich nicht verstehen kann, ist der öffentliche Umgang mit Mesut Özil. Er kriegt es von allen Seiten immer als erster Spieler ab, wenn es mal nicht so läuft. Das ist ungerecht. Nehmen wir das Polen-Spiel: Mesut war sehr, sehr viel unterwegs, hat für die Mannschaft gearbeitet, hat Szenen kreiert und hat Vorlagen gegeben. Es fehlte nur das Erfolgserlebnis. Mesut ist doch nicht umsonst Weltmeister, spielt bei einem Topclub in der Premier League wie Arsenal – und viele namhafte Vereine in Europa wollen ihn verpflichten. Er muss schon einiges drauf haben.

Ich weiß nicht, warum es immer ihn trifft. Vielleicht ist er einigen zu ruhig, zu introvertiert. Das unterscheidet ihn halt von anderen, aber es macht ihn doch nicht zu einem schlechteren Fußballer.

Gegen Nordirland wird es morgen fies, wie immer gegen solche Teams von der Insel. Die spielen mit Herz und Leidenschaft – und ihren phänomenalen Fans im Rücken. Das wird bis zur letzten Sekunde spannend bleiben. Aber wir gewinnen – und ich hätte nichts dagegen, wenn Mesut dabei der Matchwinner wäre.

Tim Borowski (36) gewann 2004 mit Werder Bremen das Double. Für die Hanseaten spielte er 210 Mal (27 Tore) in der Bundesliga, für den FC Bayern 26 Mal (5). Er hat 33 Länderspiele (zwei Tore) absolviert, war bei der WM 2006 und der EM 2008 (mit Bundestrainer Joachim Löw) dabei. 2012 beendete er seine Karriere, 2015 arbeitete er als Sportlicher Leiter von Werders U 23.

Zum Spiel gegen Nordirland lesen Sie auch: Gastkommentar von Dieter Müller, der Werder einst sechs Tore in nur einem Spiel eingeschenkt hat

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