Franco Di Santo spricht über das Gladbach-Gerücht und seine „Ich-weiß-von-nichts-Taktik“

„Ich wäre kein Ersatz für Kruse“

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13 Mal hat Franco Di Santo in dieser Saison schon ein Tor für Werder Bremen bejubelt, seit einigen Wochen läuft es aber nicht mehr so rund bei dem Argentinier. Die Gedanken über seine Zukunftsplanung seien jedoch nicht der Grund: „Das läuft auf einer sekundären Ebene ab.“

Bremen - Mit ein bisschen Verspätung kommt Franco Di Santo zum verabredeten Interviewtermin. Die Medienabteilung des SV Werder lotst den Argentinier in das knapp zehn Quadratmeter große TV-Studio, das an Nicht-Spieltagen alles andere als einladend wirkt. Drei Stühle für den Spieler, den Dolmetscher, den Fragesteller.

Der Medienmitarbeiter des Clubs lümmelt sich auf den Boden, in der anderen Ecke liegt eine halbe Schaufensterpuppe. Sie soll am Freitag bei der Präsentation wohl das neue Werder-Trikot tragen. Di Santo trägt kurze Trainingshose, ein Trainingsshirt. Er setzt sich an einen Tisch, der in Wirklichkeit ein umgedrehter Abfalleimer ist. In dieser Atmosphäre soll Di Santo über seine Zukunftspläne reden, über das Gladbach-Gerücht, über seine kleine Torflaute. Verlängert er seinen bis 2016 laufenden Vertrag bei Werder oder zieht es ihn nach Saisonende weg aus Bremen? Los geht’s!

Herr Di Santo, muss ich mich eigentlich bei Ihnen entschuldigen?

Franco Di Santo (26): Wieso sollten Sie?

Weil Sie neulich in einem Interview gesagt haben, dass Journalisten Sie mit den ständigen Fragen nach Ihrer Zukunft verrückt machen. Wie ernst ist es denn?

Di Santo (lacht): Stimmt, das habe ich gesagt. Aber keine Sorge, mir geht es gut. Ich bin auch nicht genervt. Ich glaube sogar, dass die Journalisten genervter sind als ich.

Wieso sollten sie?

Di Santo: Weil ich auf die immer gleichen Fragen die immer gleichen Antworten gebe.

Nämlich, dass Sie erst nach der Saison über Ihre Zukunft nachdenken wollen.

Di Santo: Genau. Das ist natürlich nicht ergiebig für Journalisten. Aber so ist es eben. Ich kann noch keine andere Aussage machen.

Wie viele Informationen lassen Sie bis dahin an sich heran?

Di Santo: Ich weiß, dass mein Berater in ständigem Kontakt mit Werder Bremen steht. Ich weiß aber nicht, ob er das letzte Mal vor zwei Tagen oder vor zwei Monaten mit dem Club gesprochen hat. Und über die Inhalte der Gespräche weiß ich auch nichts.

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – Verzeihung, das ist doch nur Ihre Taktik, oder?

Di Santo: Ich lüge nicht, auf keinen Fall. Ich weiß wirklich nichts.

Aber Sie haben mitbekommen, dass Sie bei der Borussia aus Mönchengladbach, die am Samstag nach Bremen kommt, als Max-Kruse-Ersatz gehandelt werden.

Di Santo: Ich wäre kein Ersatz für Max Kruse, weil er ein anderer Typ Spieler ist. Kruse spielt zwischen Mittelfeld und Angriff, ich bin ein Stürmer.

Also passen Sie gar nicht ins Anforderungsprofil der Borussia?

Di Santo: Wahrscheinlich nicht.

Gladbach ist das aktuell heißeste Gerücht, das sich um Ihre Person rankt. Vorher wurden Dortmund, Wolfsburg und eine Rückkehr nach England gehandelt. Werder-Co-Trainer Torsten Frings hat nun schon gemutmaßt, die Unruhe um Ihre Person hätte Einfluss auf Ihre Leistung. Sie seien möglicherweise gehemmt, hat er gesagt. Stimmt das?

Di Santo: Das kann dich als Spieler schon ein bisschen beeinflussen. Ich erfahre ja immer aus der Presse, wie meine Zukunft sein könnte. Das nehme ich wahr. Und natürlich mache ich mir auch Gedanken, ob ich bei Werder bleibe oder nicht. Aber die ganze Sache läuft bei mir auf einer sekundären Ebene ab. Es ist nicht so, dass meine Leistung dadurch beeinträchtigt wird. Die Situation hat auf mein Spiel keinen Einfluss.

Sie können das eine vom anderen trennen?

Di Santo: Ich versuche es.

Woran liegt es dann, dass Ihre Torproduktion ins Stocken geraten ist? Seit sieben Partien haben Sie nicht mehr aus dem Spiel heraus getroffen, waren nur gegen den HSV per Elfmeter erfolgreich.

Di Santo: Vor einiger Zeit habe ich sehr viele Tore gemacht, jetzt gerade sind es sehr wenige. Das ist nur eine Phase, die man mal hat als Stürmer. Eine prinzipielle Erklärung dafür gibt es nicht.

Kreiert die Mannschaft momentan insgesamt zu wenig Chancen? Werden Sie zu wenig „gefüttert“?

Di Santo: Es stimmt schon: Wir haben in den letzten Spielen nicht mehr so gespielt wie in den ersten Partien unter Trainer Viktor Skripnik. Ich denke, uns fehlt ein bisschen die Energie. Es war eine harte Saison. Wir haben alles gegeben, alles reingehauen.

Zwei Spiele sind es aber noch bis Saisonende. Gegen Gladbach und Borussia Dortmund geht es um die Europa-League-Qualifikation. Reicht die Kraft noch aus, um die große Überraschung zu schaffen?

Di Santo: Ich könnte jetzt ja sagen, dass wir uns die Kraft für die entscheidenden Spiele aufgespart haben… Aber im Ernst: Wir haben eine sehr gute Mannschaft mit technisch guten Spielern. Ich glaube, wir werden in Dortmund ein Finale haben. Dann treffen sich zwei Teams, die aktuell die gleiche Anzahl an Punkten haben, sich also auf Augenhöhe befinden. Aber erstmal müssen wir gegen Gladbach gewinnen.

Sie haben schon mehrfach erklärt, dass der Sprung in die Europa League ein weiteres Plus wäre, in Bremen zu bleiben. Was zählt außerdem – das Geld oder die Liebe?

Di Santo: Ich entscheide mich für das Glücklichsein.

Sind Sie bei Werder glücklich?

Di Santo: Klar!

Eine Pflichtantwort?

Di Santo: Nein, keine Pflichtantwort. Wenn ich etwas anderes sagen würde, würde ich tatsächlich lügen. Bei Werder habe ich die Chance bekommen, regelmäßig zu spielen. Ich werde von den Fans gemocht, spiele die beste Saison, seit ich in Europa bin. Bremen ist zwar nicht mein Zuhause, das ist und bleibt Argentinien, aber ich fühle mich sehr wohl hier. Auch wegen des Rückhalts durch die Fans, der mir sehr wichtig ist. Ich bin auch sehr zufrieden mit der Saison. Ich habe in 24 Einsätzen 13 Tore erzielt und denke, dass ich auch mein Ziel von 15 Toren noch erreichen werde.

Es hat in der Vergangenheit schon häufig Profis gegeben, die heute das Vereinswappen küssen und morgen den Verein wechseln. Passt dieses Verhalten aus Ihrer Sicht zusammen?

Di Santo: Das eine schließt das andere nicht aus. Als Spieler gibst du in jedem Moment, in jedem Spiel alles für dein Team – und dennoch kannst du natürlich den Verein wechseln. Sie geben doch auch das Beste für Ihre Zeitung. Wenn dann eine andere Zeitung kommt und mehr Gehalt bietet, was machen Sie dann? Geld oder Liebe?

Hm, wie soll ich an dieser Stelle darauf antworten? Ich lehne natürlich ab.

Di Santo: Glückwunsch, dann sind Sie ein sehr bodenständiger Typ.

csa

Lesen Sie auch: Di Santo hat keine Chance

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