EXpertise von Dieter Burdenski

„Felix hat jetzt eine große Chance“

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Dieter Burdenski

Dieter Burdenski saß am Samstagabend auf der Tribüne des Weserstadions und hatte seine helle Freude an Werder. „Man kann nicht davon ausgehen, so eine starke Mannschaft wie Leverkusen zu schlagen. Und dann auch noch verdient, das spricht für die Mannschaft. Sie war diszipliniert, hatte Einsatz und Willen – und hat gezeigt, dass sie Charakter hat. Ein sehr guter Auftritt. Es macht wieder Spaß zuzugucken“, schwärmt der Bremer Ex-Keeper.

Bei allem Lob tritt der 65-Jährige jedoch auch ein bisschen auf die Bremse: „Das Team hat sich sichtbar stabilisiert, spielt besser und macht nicht mehr so viele gravierende Fehler, ja. Man sollte nun aber nicht gleich in Super-Euphorie verfallen und stattdessen den Ball flach halten. Es ist vieles gut wie die mannschaftliche Geschlossenheit oder die Begeisterung untereinander, aber eben auch nicht alles toll.“

Ganz genau hat der ehemalige Klasse-Keeper beim 2:1 gegen Leverkusen auf Felix Wiedwald geschaut. Der 26-Jährige durfte zurück ins Bremer Tor, weil Jaroslav Drobny, der ihn verdrängt hatte, verletzt ist. Burdenskis Urteil: „Felix hat alles gehalten, was er halten musste. Er hat einen ruhigen und souveränen Eindruck gemacht. Dass er wieder rein durfte, ist ein Glücksmoment für ihn.“ Burdenski ist nun sehr gespannt, wie sich Trainer Alexander Nouri entscheidet, wenn Drobny seine Handverletzung auskuriert hat. Seine Einschätzung: „Qualität haben beide, da nehmen sie sich nicht viel. Wenn Felix aber weiter starke Leistungen bringt, macht es nicht viel Sinn, wieder zu wechseln. Wenn du gut bist, bleibst du drin. Er hat jetzt eine große Chance, wieder die Nummer eins zu werden.“

Positiv aufgefallen ist Burdenski gegen Leverkusen natürlich auch Ousman Manneh, der mit seinem ersten Bundesliga-Tor zum Matchwinner avancierte. „Klar, dass man sich da mitfreut. Vor allem, wenn man bedenkt, was er für eine Historie hinter sich hat. Das ist schon außergewöhnlich – ein kleines Märchen. Ähnlich wie die Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär – nur eben auf den Fußball bezogen“, sagte er über die Entwicklung des 2014 aus Gambia geflüchteten Stürmers. Manneh habe in Nouri einen Trainer, der auf ihn setzt – und auch das Glück, dass momentan in Max Kruse und Claudio Pizarro zwei Offensivstars ausfallen. „Er hat die nötige Fortune, aber auch die Qualität“, findet Burdenski: „Ich hoffe, dass er das weiter so durchhält. Je mehr gute Stürmer man im Kader hat, desto besser.“

Ein „Kompliment“ gibt es von Burdenski auch für den neuen Chefcoach Nouri. „Ich kenne ihn ja schon länger. Er hat die Hoffnungen, die in ihn gesetzt wurden, bisher absolut erfüllt. Toll gemacht, muss man sagen. Da gibt es überhaupt nichts auszusetzen.“ Dass der 37-Jährige bisher keine Trainer-Erfahrung in der Bundesliga hatte, findet „Budde“ nicht schlimm: „Letztlich entscheidet die Qualität. Entweder bist du gut oder du bist nicht gut – und Alex ist gut! Außerdem hat er die volle Unterstützung im Verein und in der Öffentlichkeit, das ist ein dickes Polster. Wenn er das nutzt, wird er seinen Weg in der Bundesliga weitergehen.“

Werders Weg führt am Sonntag am achten Spieltag nach Leipzig. Der Aufsteiger hat einen grandiosen Saisonstart hingelegt und ist aktuell Tabellendritter hinter dem FC Bayern und dem 1. FC Köln. „Das wird ein interessantes Spiel“, prophezeit Burdenski. Und eines, in dem für Werder „alles drin“ sei. „Warum sollten wir da nicht gewinnen oder zumindest punkten? Die Mannschaft hat nach den letzten Spielen viel Selbstvertrauen und wird durch die Erfolge ganz anders wahrgenommen. Werder ist in der Achtung wieder gestiegen“, meint Burdenski und fügt an: „Leipzig weiß, dass es bestimmt kein Spaziergang wird."

Zur Person: Dieter Burdenski spielte zwischen 1972 und 1988 als Torhüter für den SV Werder und kam dabei auf 444 Bundesliga-Einsätze. Der mittlerweile 65-Jährige ist Rekordspieler der Bremer und zählt auch zum Kreis der Ehrenspielführer. Von 1997 bis 2005 war der erfolgreiche Unternehmer zudem als Torwarttrainer bei Werder aktiv.

mr

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