Augen auf für die Uefa

Schaaf schaut ganz genau hin

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Schaaf kürt bei der EM den „Man of the Match“

Paris - Von Björn Knips. Es ist sein erstes Turnier, seine erste EM. Zwar nicht als Spieler oder Trainer. Trotzdem hat Thomas Schaaf in Frankreich eine richtig gute Zeit, das ist nicht zu überhören. „Eine ganz spannende Geschichte“ nennt der 55-Jährige seinen Job bei der Uefa. Schaaf ist „Technical Observer“, so der Fachbegriff.

Also einer von 13 Beobachtern, die für den europäischen Fußball-Verband (Uefa) die Spiele ganz genau unter die Lupe nehmen – und anschließend den „Man of the Match“ küren. Ein Randaspekt. Schaaf geht es mehr ums Spiel, um Trends bei Spielsystemen und um Taktik. Dafür muss er ganz anders zuschauen als sonst. „Wenn du als Trainer ein Spiel beobachtest, dann schaust du vor allem auf die Stärken und Schwächen der Mannschaften. Du überlegst sofort, wie du sie später selbst mit deiner eigenen Mannschaft besiegen kannst“, berichtet Schaaf.

So hat er es viele Jahre für den SV Werder Bremen gemacht, in der vergangenen Rückrunde für Hannover 96. Dort wurde der Ex-Profi im April beurlaubt, doch arbeitslos ist er nicht. Schon wenige Tage nach seinem Ende in Hannover saß er in der Champions League beim Viertelfinale zwischen dem VfL Wolfsburg und Real Madrid auf der Tribüne – für die Uefa. Seit 2011 arbeitet Schaaf für den Verband. Mal mehr, mal weniger – je nach eigener Joblage. Große Turniere waren für ihn bislang kein Thema, „weil es zeitlich nicht gepasst hat“. Jetzt ist das anders, Schaaf in Paris dabei – und schwer beschäftigt. Er guckt alle Gruppenspiele in Paris live im Stadion, möglichst viele weitere am Fernseher.

Immer an seiner Seite: David Moyes. Mit dem Ex-Coach vom FC Everton und Manchester United bildet Schaaf ein Team. „Jeder ist für eine Mannschaft zuständig“, erklärt Schaaf. Während der Partie macht sich jeder seine Notizen. „Wir sitzen da nicht im Sessel und schauen nur zu“, sagt der Ex-Profi und lacht: „Da steckt schon was dahinter. Wir müssen ganz genau beobachten, um das später auch entsprechend dokumentieren zu können. Die Uefa will wissen, auf welchem Stand der Fußball ist und in welche Richtung er sich entwickelt.“

Kollegenschelte ist für ihn dabei tabu: „Wir wollen keine Fehler aufdecken oder etwas bewerten. Das steht uns gar nicht zu. Wir beobachten nur.“ Schaaf hat zwar schon einige Spiele gesehen, doch einen Trend hat er noch nicht ausgemacht. „Das war klar“, sagt er: „Bei den ersten Gruppenspielen geht es nur darum, gut ins Turnier zu kommen. Ab dem zweiten Spieltag wird es spannend. Dann werden wir mehr die verschiedenen Ideen sehen.“

Sir Alex Ferguson als Berater dabei

Seine Eindrücke gibt Schaaf gemeinsam mit Partner Moyes in ein spezielles Computerprogramm ein. Genauso wie die anderen Beobachter. Zu denen gehören weitere namhafte Ex-Profis und -Trainer wie Gareth Southgate, Savo Milosevic und Mixo Paatelainen. Geleitet und beraten wird diese Gruppe von Ion Lupescu, Sir Alex Ferguson und Alain Giresse. Geballte Fußball-Kompetenz. „Da wird viel diskutiert“, erzählt Schaaf: „Man fragt sich manchmal schon, warum die eine Mannschaft so gespielt hat, was genau die Idee war.“ Kontakt zu den Nationaltrainern gibt es nicht. Schaaf würde seine Eindrücke auch nicht wie ein Scout weitergeben. „Das ist nicht unsere Aufgabe, wir sind neutral“, betont der 55-Jährige der in Brinkum bei Bremen lebt.

Erst im September werden die Ergebnisse seiner Arbeit veröffentlicht – dann stellt die Uefa ihren großen „Technical Report“ vor. Ganz ohne persönliche Bewertung geht es aber auch nicht. „Wir entscheiden bei jedem Spiel über den Man of the Match“, verrät Schaaf. Als Bundesliga-Trainer war er kein Freund von öffentlicher Einzelkritik und vermied sie, so gut er konnte. Morgen kommt er nicht drumherum – und Fußball-Deutschland wird diesmal vielleicht etwas genauer hinschauen. Denn Schaaf ist Beobachter der Partie gegen Polen. Und gegen Nordirland wird er auch auf der Tribüne sitzen.

Sein Stammplatz soll das allerdings nicht werden. Der 55-Jährige liebäugelt bei allem Spaß am Beobachter-Job mit einer Rückkehr ins Trainergeschäft: „Kommt ein interessantes Angebot, dann höre ich mir das an.“ Angeblich soll Galatasaray Istanbul an ihm dran sein. „Es gibt nichts Konkretes“, wiegelt Schaaf ab und bittet freundlich um das Gesprächsende: „Ich habe jetzt endlich mal ein paar Stunden Zeit, mir Paris etwas anzuschauen – nachher ist ja schon wieder Fußball.“

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