Djilobodji über seine besondere Motivation bei Werder und warum er schnell ein Haus braucht

„Denen will ich es zeigen“

Da muss Papy Djilobodji eingreifen: Sportredakteur Björn Knips hat einen viel zu langen Namen des Senegalesen aus dem Internet aufgeschrieben.
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Da muss Papy Djilobodji eingreifen: Sportredakteur Björn Knips hat einen viel zu langen Namen des Senegalesen aus dem Internet aufgeschrieben.

Bremen - Eine Woche erst ist Papy Djilobodji an der Weser, aber der 27-Jährige tritt so locker auf, als wäre er schon eine Ewigkeit bei Werder Bremen. Lächelnd kommt der Abwehrspieler zum Interview-Termin, gibt freundlich die Hand und lässt sich entspannt in seinen Stuhl fallen.

Dabei ist seine Geschichte ziemlich aufregend. Djilobodji hat es beim FC Chelsea nicht geschafft, nun ist er an Werder ausgeliehen, hat gegen Schalke gleich überzeugt, muss aber im Sommer zurück nach London. Der Senegalese findet es gut, es motiviert ihn: „Denen will ich es zeigen!“ Mit guten Auftritten im Werder-Trikot die Engländer beeindrucken – das ist sein Ziel. Für den maximalen Wohlfühleffekt will Djilobodji für die kurze Zeit in Bremen ein Haus mieten, damit ihn seine große Familie unterstützen kann. Deutsch-Unterricht wird aber nicht nehmen, sagt er auf Französisch.

Herr Djilobodji, was haben Sie am Dienstag an Ihrem ersten freien Tag in Bremen gemacht?

Papy Djilobodji: Ich bin nach Frankreich geflogen, um meine Mutter in Nantes zu sehen, weil sie krank war. Aber es geht ihr schon wieder besser. Die Familie ist mir sehr wichtig, sie gibt mir Energie und ermöglicht es mir, ein guter Fußballer zu sein.

Kommt Ihre Familie bald nach Bremen?

Djilobodji: Ja, deswegen will ich hier schnell ein Haus finden. Meine Mutter, mein Onkel und meine Geschwister aus dem Senegal möchte ich unbedingt hier in Bremen haben

Lohnt sich das überhaupt? Sie sind ja nur bis Sommer an Werder ausgeliehen.

Djilobodji: Natürlich, es ist einfach wichtig für mich, meine Familie um mich zu haben. Sie sollen Bremen und die Bundesliga kennenlernen.

Haben Sie schon etwas von Bremen gesehen?

Djilobodji: Nein, dazu hatte ich leider noch keine Zeit. Aber ich versuche, schon bald mehr von der Stadt zu sehen.

Sind Sie gar nicht müde nach Ihrem ersten Ligaspiel seit sieben Monaten?

Djilobodji: Natürlich war es nicht einfach, über 90 Minuten zu spielen. Jetzt ist es ganz wichtig, weiter hart mit der Mannschaft zu arbeiten, damit der Club wieder besser dasteht und die Fans wieder fröhlich sind. Ich will meiner Familie und der ganzen Stadt Freude machen.

Samstag wäre eine gute Gelegenheit dazu: Ihr erstes Heimspiel im ausverkauften Weserstadion – sind Sie nervös?

Djilobodji: Nein, überhaupt nicht. Ich freue mich, dass ich mich vor so vielen Menschen beweisen darf.

Werden Sie dann wieder mit Anthony Ujah tanzen wie auf Schalke?

Djilobodji: (lacht) Wenn einer von uns ein Tor schießt, dann gerne.

Wie wichtig ist Ujah für Sie?

Djilobodji: Ich kannte ihn gar nicht, bevor ich nach Bremen kam. Aber er hat mich gleich empfangen, mir alles gezeigt und mich zu sich nach Hause eingeladen. Er ist schon so etwas wie ein Bruder für mich.

In Frankreich gelten Sie als Führungsspieler – können Sie so eine Rolle in Ihrer kurzen Zeit auch bei Werder einnehmen?

Djilobodji: Ja, das traue ich mir zu. Aber das gilt es jetzt zu beweisen. Dafür werde ich jetzt alles tun. Als Innenverteidiger hat man eine gute Sicht, kann das ganze Spiel sehen und den Mitspielern Ratschläge geben. Vor allem den jungen Spielern möchte ich gerne meine Erfahrungen weitergeben.

Wie klappt es da mit der Verständigung?

Djilobodji: Das ist kein Problem, das machen wir auf Englisch – und ein paar Worte Deutsch wie rechts und links kann ich schon (lacht).

Werden Sie überhaupt Deutsch-Unterricht nehmen?

Djilobodji: Mein erstes Ziel ist es, Fußball zu spielen und Punkte zu holen. Für Deutsch-Unterricht wird da wenig Zeit bleiben. Aber ich möchte natürlich gerne etwas mehr Deutsch lernen, um mich noch besser verständigen zu können.

Sie wollen also auf jeden Fall im Sommer zurück zum FC Chelsea, um sich dort durchzusetzen?

Djilobodji: Ja. Das halbe Jahr bei Chelsea war schwer für mich, weil ich nicht gespielt habe. Viele Leute haben gesagt, ich hätte nicht das Niveau für Chelsea. Sie konnten es nicht verstehen, warum ich überhaupt im Club bin. Denen will ich es zeigen, dass ich mich bei einem Club wie Chelsea behaupten kann. Deswegen ist es für mich ganz wichtig, hier fünf Monate lang richtig gut zu spielen, um dann gestärkt zurückzukehren.

Sie hätten auch zurück nach Frankreich gehen können, um sich zu beweisen. Das wäre sicherlich einfacher gewesen. Warum haben Sie sich für die Bundesliga entschieden?

Djilobodji: Ich wollte einfach eine neue Liga, einen neuen Club und eine neue Stadt kennenlernen.

Djilobodji in Bremen angekommen

Kannten Sie Werder?

Djilobodji: Natürlich. Vor allem durch Johan Micoud. Die Champions-League-Spiele mit ihm habe ich mir gerne angeguckt.

Welche afrikanischen Spieler kennen Sie in der Bundesliga?

Djilobodji: Mit Salif Sane von Hannover habe ich in der Nationalmannschaft gespielt. Salomon Kalou von Berlin und Serey Die von Stuttgart kenne ich auch.

Das mit Kalou passt ja bestens für Samstag.

Djilobodji: Das stimmt. Wir kennen uns zwar nicht so gut, haben aber schon gegeneinander gespielt.

Hat er getroffen?

Djilobodji: In der WM-Qualifikation schon, aber wir haben am Ende 1:1 gegen die Elfenbeinküste gespielt. Mit Nantes habe ich gegen Lille verloren, aber Kalou hat nicht getroffen. Das wird am Samstag auf jeden Fall sehr interessant.

Warum haben Sie sich bei Werder für die Rückennummer drei entschieden?

Djilobodji: Ich mag diese Nummer, weil ich als Kind Roberto Carlos toll fand. Wenn ich für den Senegal spiele, trage ich auch die Nummer drei. Es war natürlich schön, dass die Drei bei Werder frei war.

Sie haben einen unglaublich langen Namen. Würden Sie uns die Bedeutung von Papiss Mbouba Mbwiwa Abu Fuongo Baba Mison Papy Djilobodji erklären?

Djilobodji: Das ist nicht mein Name! Wo haben Sie den denn her? Diesen Papiss Mbouba Mbwiwa Abu Fuongo Baba Mison Papy Djilobodji habe ich noch nie gesehen (lacht).

Der Name steht so im Internet.

Djilobodji: Nein, nein – dieses Internet. (Djilobodji nimmt den Zettel mit dem Namen und schreibt seinen richtigen darunter: El Hadji Papy Mison Djilobodji)

Der ist ja gar nicht so lang. Sollen die Fans Sie im Stadion „Papy, Papy“ rufen?

Djilobodji: Das wäre schön, aber Djilobodji würde mir noch besser gefallen.

kni

Als Dolmetscher fungierte Werder-Praktikant Remi Hebbrecht.

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