Vom Co-Trainer der Profis zum U 23-Chef

Kohfeldts besondere Beziehung zu Werder

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Zurück auf Platz 11: Florian Kohfeldt freut sich über die neue Aufgabe als Trainer der U 23.

Bremen - Von Björn Knips. Vor zwei Jahren trainierte er noch Werders U 15, jetzt ist er Chefcoach der U 23 – und dazwischen lagen zwei aufregende Jahre als Co-Trainer der Profis: Florian Kohfeldt macht eine Achterbahnfahrt durch den Fußball – und das mit erst 34 Jahren.

Der ehemalige Torwart, der für Werder III in der Bremen-Liga spielte, gilt als großes Trainertalent. Deshalb darf Kohfeldt schon wieder ran, obwohl er erst vor drei Wochen mit Chefcoach Viktor Skripnik und Co-Trainer Torsten Frings beurlaubt worden war. Ob er deshalb ein schlechtes Gewissen hat, warum Ergebnisse in der U 23 nicht ganz so wichtig sind und was er sich für Samstag wünscht, verrät der einstige Student (Sport- und Gesundheitswissenschaften) im Interview.

Herr Kohfeldt, Viktor Skripnik hat Sie in seinem Trainerteam als den Studenten bezeichnet – was sind Sie jetzt?

Florian Kohfeldt: Vielleicht eine Stufe weiter, aber immer noch lernend.

Hat Viktor Skripnik mit Student nicht eher gemeint, dass Sie den Fußball mehr von der theoretischen Seite aus gesehen haben?

Das müssen Sie eher ihn fragen. Für mich ist ein Student wissbegierig, also einer, der weiterkommen will. Man muss sich für ein Studium jedenfalls nicht schämen.

Erst als Co-Trainer gefeuert, dann schnell zum Cheftrainer der U 23 befördert – haben Sie das schon verarbeitet?

Ja. Nach zwei Jahren Bundesliga weiß man einfach, dass alles ganz schnell gehen kann.

Ist es ein Aufstieg oder ein Abstieg?

Es ist ein anderer Job.

Mehr nicht?

Der Job hat ein anderes Profil. Als Co-Trainer ist man mehr das Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft. Als Cheftrainer bin ich jetzt der, auf den die Spieler gucken, den sie beeindrucken wollen, auf den sie böse sind. Mein Blick auf den Fußball bleibt gleich.

Viktor Skripnik und Torsten Frings haben anders als Sie noch keinen neuen Job, plagt Sie deshalb das schlechte Gewissen?

Überhaupt nicht. Viktor, Torsten und ich haben ein sehr gutes persönliches Verhältnis. Wir sind völlig im Reinen. Viktor hat mir zum neuen Job gratuliert, Torsten auch. Sie freuen sich für mich, genauso wie ich mich für sie freuen würde. Wir sind ganz weit weg von so Sachen wie Neid.

Gibt es schon so etwas wie Entzugserscheinungen?

Na ja, wenn man zwei Jahre so intensiv zusammenarbeitet, praktisch jeden Tag von morgens bis abends, dann gewöhnt man sich aneinander. Dann redet man nicht nur über Fußball und Arbeit. Deswegen ist es auch schön, jetzt mal zu telefonieren.

Wenn es ein so gutes Team war, warum hat es sportlich am Ende nicht mehr funktioniert?

Erstmal möchte ich betonen, dass wir viele gute Phasen hatten. Ja, zuletzt stimmten die Ergebnisse nicht mehr. Das haben wir natürlich auch gesehen. Wir haben das intern besprochen und blicken nun nur noch nach vorne.

Konnten Sie nachvollziehen, wie der Verein entschieden hat?

Natürlich haben wir bis zum letzten Tag geglaubt, dass wir das noch hinbekommen. Das Verhältnis zur sportlichen Leitung war die ganze Zeit von großem Respekt geprägt. Als dann die Freistellung kam, war es so okay, wie es in so einem Moment okay sein kann.

Wie haben Sie sich gefühlt, als es vorbei war?

Das muss man schon einen Moment sacken lassen. Ich bin zu dem Zeitpunkt gerade umgezogen. Da habe ich dann Kisten gepackt und war ganz gut abgelenkt. Die Familie und Freunde waren natürlich auch sehr wichtig. Es ist morgens schon mal so, dass du nicht weiß, was du machen sollst. Vorher war ja jeder Tag durch den Fußball verplant.

Sie werden vom Verein stets als der Fußball-Fachmann dargestellt. Warum konnten Sie die Talfahrt nicht verhindern, war Ihr Einfluss zu begrenzt?

Wir waren ein Trainerteam. Also bin ich für die Erfolge genauso mitverantwortlich wie für die Dinge, die nicht so gut gelaufen sind.

So groß kann Ihre Verantwortung aber nicht gewesen sein – oder wären Sie sonst sofort U 23-Coach geworden?

Ich habe immer gesagt, dass ich eine Rückkehr ins Leistungszentrum nie als Abstieg empfinden würde. Ich habe mich in den vergangenen zwei Jahren sehr bemüht, den Kontakt zu halten. Wir haben gemeinsam mit Thomas Wolter, Björn Schierenbeck und der Geschäftsführung Dinge für den Nachwuchs entwickelt, die hoffentlich in Zukunft auch greifen werden. Außerdem kenne ich viele Spieler noch aus der U 17 oder U 16 – und natürlich von den Profis.

Warum wird es für Sie mit der U 23 besser laufen als zuletzt mit den Profis?

Die Frage kann ich nicht beantworten, weil es völlig unterschiedliche Aufgaben sind. Da würde man Äpfel mit Birnen vergleichen.

Warum?

Die Zielsetzungen sind ganz anders. In der Bundesliga wirst du nur an einer Sache gemessen: an den Ergebnissen. Ich habe selten erlebt, dass ein Trainer nach fünf Siegen wegen seiner Spielweise kritisiert wurde. Die U 23 hat ein anderes Ziel: Sie muss Spieler für die Bundesliga entwickeln.

Wichtiger als der Klassenerhalt ist Ihnen also, drei, vier Spieler zu den Profis gebracht zu haben?

Wenn Sie nicht gleich schreiben, der Kohfeldt will die Klasse nicht halten, sage ich ja (lacht). Im Idealfall verbinden wir beides, weil die Dritte Liga eine bessere Ausbildung wahrscheinlicher macht.

Was für eine Spielphilosophie wollen Sie umsetzen?

Sie muss dem Ziel der Ausbildung dienen. Das ist dann manchmal nicht so ergebnisorientiert. Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen. Aber ich werde nie vorgeben, dass wir von Beginn an nur lange Bälle spielen, um möglichst geringes Risiko zu gehen.

Muss Ihre Spielphilosophie identisch mit der von Profi-Coach Nouri sein?

Alex und ich kennen uns schon lange und sehen vieles ähnlich. Natürlich ist die Rollenverteilung jetzt anders. Aber man darf sich das nicht so vorstellen, dass da einer nur etwas vorgibt und der andere muss es umsetzen. Das ist ein Austausch.

Wie soll die U 23 spielen?

Wenn wir den Ball gewinnen, müssen wir uns zwischen schnellem Umschalten und Ballbehalten entscheiden. Das Ballbehalten steht vor dem erhöhten Risiko. In der Offensive geht es nicht um eine Grundordnung, sondern um Räume und Positionen, die besetzt sein müssen.

Und wie ist es in der Defensive?

Da gibt es eine klare Struktur. Bei Ballverlust gilt in der eigenen Hälfte die Torsicherung, in der gegnerischen Hälfte das Gegenpressing. Wenn wir überspielt werden, gilt wieder die Torsicherung. Dabei müssen wir in eine Ordnung kommen, und zwar raumorientiert gegen den Mann. Das kann passiv aussehen, soll aber im Raum dann aggressiv gegen den Mann gespielt werden.

Nouri bekommt noch einen erfahrenen Co-Trainer an die Seite, warum sind Sie das nicht geworden?

Das war zu keinem Zeitpunkt ein Thema.

Hat es Sie nicht gereizt, eine echte erste Mannschaft zu übernehmen?

Zum jetzigen Zeitpunkt ist das die ideale Herausforderung für mich.

Weil es Werder ist?

Auch, weil es Werder ist.

Was bedeutet Ihnen Werder?

Sehr, sehr viel. Und jetzt kommt bestimmt die Geschichte mit der Werder-Familie . . .

Genau!

Unser Aufsichtsratschef Marco Bode hat mal gesagt, dass eine Werder-Vergangenheit kein Kriterium gegen eine Person sein darf. Ich finde, dass wir uns für gewisse Dinge nicht immer entschuldigen müssen. Für mich hat diese Werder-Familie vor allem etwas mit Respekt, Zugehörigkeit und Identifikation zu tun. Daran kann ich nichts Negatives finden.

Aber wenn alle nur noch aus dem eigenen Verein kommen. . .

Natürlich dürfen wir nicht nur im eigenen Saft schmoren. Aber ich bin nun einmal, seit ich mit vier Jahren in diese Region gezogen bin, mit Werder verbunden. Erst als Fan, dann als Spieler und nun als Trainer. Dafür will ich mich nicht schämen. Es ist toll, hier zu arbeiten.

Für die „Bild“ sind Sie automatisch Werders nächster Bundesliga-Coach, weil so oft der U 23-Trainer befördert worden ist.

Was in der Zukunft kommt, kann man im Fußball doch gar nicht sagen.

Sie gelten als akribischer Analytiker. Bekommen Sie in der Dritten Liga für Ihre Arbeit überhaupt ähnlich umfassende Daten wie in der Bundesliga?

Das Bildmaterial gibt es, vielleicht nicht in ganz so guter Qualität. Aber ganz ehrlich: Das ist alles nichts Besonderes, das macht doch jeder Trainer. Wenn ich gleich ins Leistungszentrum gehe, dann sitzen da unsere U-Trainer und schauen sich auch noch mal ihre Spiele an.

Gegen Meppen gab es sofort einen 5:0-Testspielsieg, folgt nun am Samstag in Kiel Ihr erster Dreier in der Liga?

Die Jungs sind sehr heiß, denn sie haben drei Mal verloren. Das wollen sie wieder in die richtige Bahn lenken. Ich bin mir sicher, dass wir aus Kiel etwas mitnehmen werden.

Und dann schauen Sie sich am Abend im Weserstadion noch die Profis gegen Leverkusen an?

Ich hoffe, dass wir zur zweiten Halbzeit da sind.

Und gleich den nächsten Werder-Sieg sehen?

Das wäre ein richtig guter Samstag. 

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