Clemens Fritz sagt im Sommer der aktiven Karriere Adieu

Selbstbestimmt in den zeitweiligen Ruhestand

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In vier Monaten ist alles vorbei für Clemens Fritz. Im Mai beendet der Werder-Kapitän seine Karriere und will dann erstmal „ganz viel reisen“.

Belek - Von Malte Rehnert. Clemens Fritz wirkte erleichtert, als er sich gestern Mittag im Mannschaftshotel in das braune Ledersofa fallenließ und seine wegweisende Entscheidung verkündete. Der Werder-Kapitän macht mit 35 Jahren Schluss!

Belek ist sein letztes Trainingslager. Im Sommer beendet er seine Karriere, macht erst mal ein Jahr Pause und beginnt dann ein Traineeprogramm bei Werder Bremen. Er reißt damit bei den Bremern eine große Lücke, die nur schwer zu füllen sein wird.

Nach dann zehn Jahren bei Werder (328 Pflichtspiele) und insgesamt 13 als Profi in Deutschlands Eliteklasse (299 Einsätze) hört er also auf. „Ich habe niemals gedacht, dass ich so lange in der Bundesliga aktiv sein würde“, sagte Fritz. In den vergangenen Wochen und Monaten habe er sich „intensive Gedanken gemacht“, wie es mit ihm weitergeht. Und er kam zu dem Schluss, kein Fußballer mehr sein zu wollen. Obwohl er sich aktuell „körperlich sehr gut“ fühle.

Kommentar zum Karriereende von Fritz

In Belek teilte Fritz seinem Coach Viktor Skripnik und den anderen Verantwortlichen die Entscheidung mit. Fritz: „Ich wollte es vor Beginn der Rückrunde bekannt geben. Der Verein hat nun Planungssicherheit – und der Fokus kann voll auf die Rückrunde gelegt werden. Wir wollen unbedingt die Klasse halten. Mir ist es super-wichtig, als Erstligaspieler abzutreten.“ Ebenso wichtig war es ihm, „den Zeitpunkt des Abschieds selbst zu bestimmen. Ich will als fitter Spieler und auf gutem Niveau aufhören. Nicht, dass irgendwann gesagt wird: Jetzt pack’ mal deine Sachen.“

In der Verfassung der Hinrunde hätte Werder den nach Claudio Pizarro (37) zweitältesten Mann im Kader sicher nicht vom Hof gejagt. „Er hat auch das Trainingslager voll durchgezogen und ist überhaupt nicht abgefallen“, sagte Sportdirektor Rouven Schröder anerkennend: „Wenn man bei einem 35-Jährigen nicht nach dem Alter fragt, ist das immer gut. Und ich habe selten einen so vielseitigen Profi gesehen, Clemens hat auf fast allen Positionen gespielt.“ Dass dieser Allrounder bald nicht mehr für Werder aufläuft, macht Schröder „traurig. Da ist ganz viel Wehmut dabei.“

Fritz wird dem Verein aber vor allem auch als Integrationsfigur fehlen, glaubt Schröder: „Clemens ist ein toller Mensch, ein Vorbild für alle. Die Fans verlieren einen weiteren Spieler, mit dem sie Werder verbinden. Er hat die erfolgreiche Zeit erlebt und verschwindet nun aus dem Trikot.“ Und Werder muss diesen Verlust kompensieren – was alles andere als einfach wird. Mit Blick auf Fritz’ Karriere und Standing in Bremen sagte Schröder: „So was kannst du dir nicht kaufen. Davon kannst du nur träumen, dass einer so lange dabei ist. Wir haben jetzt ein halbes Jahr Zeit, darauf zu reagieren.“ Versuche, den Kapitän umzustimmen, gab es vom Club jedoch nicht. Schröder: „Er hat ganz klar den Weg für sich abgesteckt und so entschieden.“

Wie sein weiteres Leben nach dem Profisport aussieht, weiß Fritz schon ziemlich genau: „Ab Sommer werde ich alles erst mal sacken lassen. Ich mache ein Jahr Pause, werde viel reisen.“ Ganz oben auf der Urlaubsliste stehen Südamerika, Australien und Neuseeland. „Dafür hat die Zeit bisher nie gereicht. Es kann gut sein, dass ich irgendwo auch mal ein paar Monate bleibe“, meinte Fritz. Nach dem Reise- und Erholungsjahr greift sein Anschlussvertrag und er beginnt, wie erwartet, sein Traineeprogramm bei Werder. Wahrscheinlich im Bereich Management – wie einst sein ehemaliger Mitspieler Tim Borowski, der den Club inzwischen verlassen hat. Mit Borowski hat Fritz bereits ein Sportmanagement-Fernstudium absolviert, das als Basis dient. „Ich kann ihn mir überall vorstellen. Er ist ein intelligenter Mensch, der viel hinterfragt“, findet Schröder. Der Trainerjob ist für Fritz allerdings „kein Thema. Vielleicht mache ich den B- oder A-Schein – dann aber nur, um bessere Einblicke zu haben.“

Am meisten freut sich Fritz schon jetzt darauf, „dass Spontaneität in mein Leben kommt. Ich kann mir meine Zeit selber einteilen. Seit ich mit sieben Jahren angefangen habe, hat der Fußball mein Leben geprägt. Das wird eine große Umstellung für mich sein.“ Das private Umfeld bleibt hingegen das gleiche. Der gebürtige Erfurter wird in den nächsten Jahren weiter in der Hansestadt leben: „Bremen ist sehr lebenswert. Der Verein und die Stadt sind mir ans Herz gewachsen. Ich fühle mich hier total wohl.“

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