„Müssen noch intensiv arbeiten“

Ein Punkt und vier Wünsche

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Clemens Fritz sieht die Gelbe Karte. Werders Kapitän attackierte Herthas Fabian Lustenberger – ein Beleg für die laut Trainer Viktor Skripnik engagiertere Bremer Spielweise.

Bremen - Von Cord Krüger. Ziemlich ruhig ging es in Werders Mannschaftsbus während der Rückfahrt aus Berlin zu. „Ich hatte schon das Gefühl, dass die Enttäuschung überwogen hat“, verriet Clemens Fritz gestern Vormittag nach dem Auslaufen am Weserstadion.

Sich selbst nahm der Bremer Kapitän da am Tag nach dem nach dem 1:1 (1:1) bei Hertha BSC nicht aus: „Ein Punkt aus den ersten beiden Bundesliga-Spielen – da hatten wir uns natürlich mehr versprochen. Wenn wir damit zufrieden wären, wären wir hier auch fehl am Platz. Wir haben noch einiges zu tun“, urteilte der 34-Jährige: „Für unseren ersten Sieg müssen wir jetzt intensiv an einigen Sachen arbeiten.“

Erstens: an der Konzentration. „Wir sind sehr, sehr schlecht ins Spiel gekommen – das ist ein Kritikpunkt, den wir aufarbeiten müssen“, forderte Fritz. Immerhin war Herthas frühes 1:0 (5.) durch

„Das war erwachsener“

Valentin Stocker nach unglücklicher Kopfballabwehr von Theodor Gebre Selassie für Fritz „so etwas wie der Hallo-wach-Effekt. Aber wir würden uns alle wünschen, wenn wir schon beim Anpfiff so wach wären.“

Zweitens vermisste der Routinier bei sich und den anderen Kollegen die Hilfe für die jungen Kollegen. Der 19-jährige Linksverteidiger Ulisses Garcia etwa, auf seiner Seite vor der Pause mehrfach überrannt, „muss mehr Unterstützung aus dem Mittelfeld und den Innenverteidigern bekommen“, fand Mittelfeldmann Fritz. Trainer Viktor Skripnik waren Garcias brenzlige Szenen ebenfalls nicht entgangen. „Aber er hat nicht abgeschaltet und hat eine Reaktion gezeigt – das gefällt mir“, lobte der Chefcoach Garcias Offensivdrang – und seine Super-Linksflanke zum 1:1 durch Anthony Ujah (26.).

Der Torschütze brachte laut Fritz das mit, was im Team während dieser Anfangsphase der Saison ebenfalls noch ausbaufähig ist – nämlich jene „Leidenschaft und Aggressivität, die uns in der letzten Rückrunde so stark gemacht hat. Das war unser großes Plus, und das müssen wir jetzt umsetzen und fortsetzen.“ Fritz hatte beim Ausgleich durch den Neuzugang aus Köln „den unbedingten Willen“ erkannt, „da so reinzuspringen und den Abpraller so zu verwandeln“. Der nigerianische Stürmer wiederum nannte seinen zweiten Treffer im dritten Pflichtspiel ganz bescheiden ein „Tor der ganzen Mannschaft – und schilderte seine Sicht der Dinge weit weniger spektakulär: „Als mein Kopfball nicht geklappt hat, habe ich versucht, aktiv zu bleiben.“ Das klappte.

Bremen holt Remis in Berlin: Die Noten

Dass die Gäste vor 56 327 Zuschauern im Berliner Olympiastadion nicht noch mehr Treffer bejubeln durften, lag laut Fritz am vierten Punkt, an dem es zu arbeiten gelte: „Wir müssen den Ball auch mal ins Tor schießen, anstatt den Pfosten zu treffen“, meinte der Kapitän mit süffisantem Unterton – wohlwissend, dass der aufgerückte Innenverteidiger Jannik Vestergaard zehn Minuten vor Schluss nicht mit Absicht dort unten rechts hingezielt hatte. Sekunden zuvor hatte der Kasten von Hertha-Schlussmann Thomas Kraft bereits die erste Materialprüfung bestanden, als sein Innenverteidiger Sebastian Langkamp einen 35-Meter-Freistoß von Zlatko Junuzovic an die Latte lenkte. „Schade, dass wenigsten da niemand abgestaubt hat“, bedauerte der 27-Jährige – der allerdings weniger dem ihm entgangenen Assist-Punkt als den zwei weiteren möglichen Bundesliga-Zählern nachtrauerte: „Wir hätten uns den Dreier holen müssen, weil es heute halt möglich gewesen wäre.“

Werder bei Hertha - 1:1

Trainer Skripnik nahm es nicht ganz so tragisch: „Einmal Latte, einmal Pfosten – daraus sind schon ganze Storys entstanden. Aber wir haben einen Punkt geholt und einiges besser gemacht“, zog er einen Vergleich mit der 0:3-Pleite zum Bundesliga-Auftakt gegen Schalke: „Wir haben die Zweikämpfe gesucht und hatten unsere Chancen. Das war erwachsener.“ Gleichwohl gruselte sich der 45-Jährige noch beim Blick auf die Anfangsphase mit Bremer Anti-Fußball: „Wenn da noch das zweite Gegentor gefallen wäre, wären wir nicht mehr zurückgekommen.“

Gerechtes Remis

Junuzovic gaben der verschlafene Auftakt und fünf fahrige Minuten nach Wiederanpfiff ebenfalls zu denken: „Aber du kannst nicht 90 Minuten unentwegt marschieren. Am Anfang beider Halbzeiten haben die Herthaner eben ein bisschen mehr nach vorn getan.“

Unterm Strich „können beide Mannschaften mit dem Punkt leben“, urteilte Skripnik. Der Blick in die ziemlich ausgeglichenen Spieldaten (51 Prozent Ballbesitz für Hertha, 49 für Werder; 10:9 Torschüsse, eine exakt ausgeglichene Zweikampfquote) dürfte ihn in dieser Auffassung bestätigen.

Dementsprechend nahm auch Sportchef Thomas Eichin dieses Ergebnis ganz gefasst zur Kenntnis: „Ich bin zufrieden, dass wir jetzt langsam in die Saison kommen und Punkte sammeln. Es war wichtig, so ein Spiel nicht zu verlieren. Das hat es auch schon mal gegeben.“ Also immerhin etwas.

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