Aufsichtsratschef wirbt für Bode als Nachfolger / Fischer wird Ehrenpräsident

Lemke verliert die Lust und macht den Weg früher frei

Nimmt er schon eher seinen Hut? Willi Lemke deutete gestern Abend an, dass er schon vor Ende seiner Amtszeit als Werders Aufsichtsratsvorsitzender Platz machen würde – am liebsten für Marco Bode.
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Nimmt er schon eher seinen Hut? Willi Lemke deutete gestern Abend an, dass er schon vor Ende seiner Amtszeit als Werders Aufsichtsratsvorsitzender Platz machen würde – am liebsten für Marco Bode.

Bremen - Werder wollte gestern eigentlich nur noch eines: Ruhe! Die Protagonisten des Clubs hatten sich eigentlich nach einer der turbulentesten Wochen in der Vereinsgeschichte ein Schweigegelübde auferlegt. Sprechen sollte lediglich Geschäftsführer Thomas Eichin – und zwar nur über seinen Bereich, den Sport, also das nächste Spiel am Samstag beim FC Bayern. Doch am Abend beendete ausgerechnet Willi Lemke sein Schweigen. Der Aufsichtsratsvorsitzende verkündete auf der Veranstaltung „Bremen Spitzen“ im Swiss Hotel, dass er nicht – wie erst am Montag beschlossen - am Ende seiner Amtszeit 2016 aufhört, sondern schon früher.

Offenbar hat der 68-Jährige seine Lust an Werder verloren. Was nach dieser Woche nicht wirklich überrascht. Beim Thema, dass Investoren ihren Einstieg angeblich von einem Rückzug von Lemke abhängig machen, hatte der Aufsichtsratschef kaum Rückendeckung bekommen. Am Montag folgte eine Krisensitzung, an der neben Lemke auch Aufsichtsrat Marco Bode sowie die Geschäftsführer Klaus Filbry, Thomas Eichin und Klaus-Dieter Fischer teilnahmen. In einer Pressemitteilung sperrte sich Lemke plötzlich nicht mehr grundsätzlich gegen eine Verschuldung des Clubs und gab gleichzeitig seinen Rückzug für 2016 bekannt, so lange ist er noch gewählt. Gestern gab der UN-Sonderbeauftragte für Sport dann noch mehr Gas. Er sprach von einem Generationswechsel und über mögliche Nachfolger. „Es gibt viele Möglichkeiten – einer davon stadtbekannt: Marco Bode. Er vertritt Werder Bremen phantastisch.“ Schon vor dem Wirbel in der vergangenen Woche habe er mit Bode über dieses Thema gesprochen. Nun sei es an der Zeit zu überlegen, den Wechsel an der Spitze des Kontrollgremiums schneller zu vollziehen: „Ich hoffe, dass wir Bode dazu überreden können, dass er es vorzeitig macht, also nicht erst 2016, sondern ein bisschen früher.“

Die Gäste, darunter viele Spitzenkräfte aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur nahmen das nun noch näher rückende Ende der Ära Lemke schweigend zur Kenntnis.

Klaus-Dieter Fischer wird den Club sogar noch früher verlassen. Am Jahresende ist für den Präsidenten, Gesellschafter und Geschäftsführer wie schon lange angekündigt Schluss. Für den 73-Jährigen haben sich die Kollegen aber schon etwas Nettes ausgedacht. Fischer soll auf der Mitgliederversammlung am 24. November zum Ehrenpräsidenten ernannt werden. So hat es das Präsidium vorgeschlagen, und die Mitglieder werden dieser Bitte sicher nachkommen. Es wäre eine Premiere bei Werder. Denn Dr. Franz Böhmert, dem diese Ehre ganz gewiss zuteil geworden wäre, ist in seiner Amtszeit als Präsident verstorben und deshalb nicht Ehrenpräsident geworden.

Einfluss auf das operative Geschäft hätte Fischer in seiner neuen Funktion allerdings nicht. Und das ist ihm auch ganz recht so. In einem Interview mit dieser Zeitung hatte der 73-Jährige vor einer Woche einen Rücktritt vom Rücktritt ausgeschlossen und klargestellt: „Ich habe bereits vor anderthalb Jahren angekündigt, dass ich Ende 2014 aufhöre. Darauf konnte man sich einstellen, darauf ist man auch eingestellt.“

Fischers Posten soll demnach Hubertus Hess-Grunewald übernehmen. Der 54-Jährige ist bereits Vizepräsident des Vereins. Der Rechtsanwalt wird seinen Job aufgeben und sich vom Präsidium satzungsgemäß in die ausgegliederte Profi-Abteilung (GmbH & Co KGaA) entsenden lassen. Er wird dann ab Jahresbeginn als Geschäftsführer Leistungszentrum, Frauenfußball, andere Sportarten und CSR-Management tätig sein und mit Klaus Filbry und Thomas Eichin Werders neues Führungstrio bilden.

Dafür muss Hess-Grunewald allerdings sein Amt als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender abgeben. Schließlich kann er sich nicht selbst kontrollieren. Wahrscheinlich wird Bode, der seit zwei Jahren im Aufsichtsrat, zum Stellvertreter aufrücken. Im Laufe des nächsten Jahres könnte er dann Lemke beerben. Möglicherweise macht Bode aber auch gleich den Sprung an die Spitze, wenn Lemke das Tempo noch einmal erhöht und quasi mit Hess-Grunewald aus dem Kontrollgremium ausscheidet. In diesen Tagen scheint bei Werder alles möglich, der Club ist total im Umbruch. Ruhe wird da kaum einkehren, zumal sich Bode noch nicht erklärt hat, ob er seine mögliche neue Rolle überhaupt annehmen will..

kni/kuz

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