Marco Bode im Interview

„Wenn wir etwas tun müssen, dann tun wir es“

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Ein Investor sei „nicht der maßgebliche Faktor, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet“, sagt Marco Bode.

Belek - Holt Werder Bremen im Winter-Transferfenster noch Verstärkungen? Muss ein Investor her? Und wie groß ist die Sorge vor dem Abstieg? Aufsichtsratsboss Marco Bode (46) nimmt im Trainingslager in Belek im Interview Stellung zu den wichtigsten Fragen und nennt Gründe, warum Werder am Ende der Saison die Rettung feiern kann.

Herr Bode, die Konkurrenz im Abstiegskampf rüstet gerade mächtig auf – Werder nicht. Ist Ihr Club auch ohne Neuzugänge stark genug für den Klassenerhalt?

Marco Bode: Der Kader kann in der Bundesliga bestehen. Wir stehen nicht da unten, weil wir zu wenig Qualität haben, sondern weil wir zu selten 100 Prozent der Leistungsfähigkeit abrufen konnten. Deshalb haben wir Probleme bekommen. An diesen Dingen wird gearbeitet, ich habe Vertrauen in Sportchef Thomas Eichin und das Trainerteam.

Dennoch könnten Verstärkungen sicher nicht schaden. Wie wahrscheinlich ist es, dass noch etwas passiert?

Bode: Das will ich nicht in Prozenten ausdrücken. Gehen Sie erst mal davon aus, dass wir mit dem aktuellen Kader in die Rückrunde starten. Alles andere werden wir sehen. Wir haben uns entschieden, an Viktor Skripnik und seinem Team festzuhalten und keine aktionistischen Transferentscheidungen zu treffen. Und ich bin überzeugt davon, dass das richtig ist.

Muss man in der aktuellen, bedrohlichen Situation finanziell nicht mehr riskieren?

Bode: Wenn mir jemand garantiert, dass wir, wenn wir fünf oder zehn Millionen Euro investieren, Zehnter werden, würden wir das sofort tun. Aber so einfach ist es nicht. Man kann auch Spieler kaufen und trotzdem absteigen. Es gibt leider keine Versicherung gegen den Abstieg. Bei jeder Entscheidung besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass sie falsch ist und dass wir scheitern. Aber was ist die Grundlage einer Entscheidung? Man schaut sich verschiedene Optionen an und entscheidet nach der Überzeugung. Alle entscheidenden Personen hier im Club sind sich in der aktuellen Beurteilung einig.

Im vergangenen Winter hat Werder investiert, etwa Jannik Vestergaard für mehr als zwei Millionen Euro geholt.

Bode: Vestergaard war eine sehr gute Option, die wir wahrgenommen haben. Wenn sich eine ähnliche Möglichkeit in diesem Winter ergibt, ist es gut möglich, dass wir auch diese ergreifen. Wir werden das aber nur tun, wenn wir überzeugt sind, dass uns ein Spieler auch schnell weiterbringt. Transfers im Winter sind risikoreicher als im Sommer, weil wir eine sehr kurze Vorbereitungszeit haben. Die Mannschaft muss schnell funktionieren.

Würde der Aufsichtsrat erneut grünes Licht für einen Transfer der Kategorie Vestergaard geben?

Bode: Niemand im Aufsichtsrat will Dinge verhindern, die uns helfen, den Abstieg zu vermeiden. Wenn wir alle gemeinsam der Meinung sind, etwas tun zu müssen, dann tun wir es.

Bis zum 1. Februar kann nachgebessert werden. Ist es auch denkbar, dass Werder erst in der Woche nach den beiden Bundesligaspielen auf Schalke und gegen Berlin zuschlägt?

Bode: Thomas Eichin wird in dieser Woche nicht aufhören zu arbeiten (lacht).

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Um auf Dauer konkurrenzfähig zu bleiben, muss Werder schnell einen Investor finden – das hat der ehemalige Geschäftsführer und Präsident Klaus-Dieter Fischer gesagt. Wie haben Sie auf diesen Vorstoß reagiert?

Bode: Am Thema Investoren-Modelle und strategische Partnerschaften sind wir nicht erst seit gestern dran. Wir beschäftigen uns intensiv mit allen Möglichkeiten in diesem Feld. Es ist nicht so, dass nichts passiert, dass wir das Thema seit Monaten beiseite schieben. Es gehören zwei Parteien dazu, Interessen müssen übereinander gelegt werden. Das sind langwierige Prozesse. Es mag nach Hinhalten klingen, aber Schnellschüsse sind eben nicht angebracht. Man muss die richtigen Partner finden. Und man darf so etwas nie aus einer finanziellen Notlage heraus tun, es muss eine strategisch vernünftige Sache sein.

Ist ein Investor denn ein Allheilmittel?

Bode: Nein. Und es ist auch nicht so, dass andere Clubs immer super-happy mit diesem Weg sind – oder dass auf einmal alles funktioniert. Der HSV zum Beispiel hat sich zwei Mal erst in der Relegation gerettet, obwohl sie bessere Voraussetzungen haben. Es ist nicht der maßgebliche Faktor, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Wird Werder trotzdem künftig auf einen externen Geldgeber angewiesen sein?

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Bode: Ich sage es mal ein bisschen provokativ. Werder sollte auch mit einem Investor im Prinzip keinen anderen Weg gehen. Wenn man ein paar Millionen mehr hätte, würde das die Welt nicht komplett auf den Kopf stellen. Ein Investor kann einem helfen, möglicherweise einen Schritt vorwärts zu machen. Es ist eine Chance – aber eben nicht mehr.

Eine Chance, Geld in die Vereinskasse zu spülen, ist auch ein Verkauf der Namensrechte am Weserstadion. Wie stehen Sie dazu?

Bode: Ich sehe den Stadionnamen nicht als heilige Kuh. Es ist aber nicht das Patentrezept, um unsere Probleme zu lösen. Man sollte eine solche Partnerschaft nur eingehen, wenn sie langfristig ist. Und wenn die Marke oder das Unternehmen zu Werder passt.

Nur 15 Punkte, Relegationsplatz – wie groß sind Ihre Sorgen? Oder ist es sogar schon Angst vor dem Abstieg?

Bode: Nein, Angst habe ich nicht. Aber wir sind 16. – das ist die Wahrheit. Und natürlich gibt es dann eine gewisse Sorge.

Zumal es Werder gleich zum Rückrundenstart mit drei Clubs aus den Top 6 zu tun bekommt.

Bode: Wir haben ein sehr schweres Auftaktprogramm gegen Schalke, Berlin und Gladbach, werden aber auch in diesen Spielen unsere Punkte holen. Und dann kommt ein sehr entscheidender Februar. Wir sind in einer schwierigen Situation, stehen vor großen Herausforderungen. In allen 17 Spielen müssen wir an die Grenze gehen – nur dann sind wir auch in der Lage, den Abstieg zu vermeiden.

Sie selbst haben es 1999 geschafft…

Bode: Und dabei habe ich erlebt, was für eine Befreiung es ist und wie gut es sich anfühlt, etwas Negatives wie den Abstieg zu verhindern. Das fühlt sich fast so an wie eine Meisterschaft oder ein anderer Titel. Und das muss die Mannschaft als Bild im Kopf haben.

Nennen Sie abschließend bitte drei Gründe, warum Werder letztlich den Klassenerhalt packt.

Bode: Weil wir viele entscheidende Spiele im Weserstadion haben werden. Wir waren alles andere als heimstark, aber das wird sich in der Rückrunde ändern. Weil Claudio Pizarro meinen Torrekord (momentan führt Bode mit 101:91), Anm. d. Red.) noch angreifen wird (lacht). Und weil ich der Überzeugung bin, dass Viktor Skripnik der richtige Trainer ist. Er hat im vergangenen Jahr vielfältige Erfahrungen gesammelt und wird jetzt den absoluten Fokus reinbringen.

mr

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