Gespräche mit Werder geplant

Arnautovic sagt Kiew ab: „Marko ist kein Söldner“

Marko Arnautovic war nur noch genervt vom Wechsel-Theater und gab Kiew einen Korb. ·
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Marko Arnautovic war nur noch genervt vom Wechsel-Theater und gab Kiew einen Korb. ·

Bremen - Marko Arnautovic bleibt beim SV Werder – zumindest bis zum Sommer. Der Österreicher ließ gestern Abend das kurze, aber laute Wechsel-Theater von seinem Bruder Danijel beenden und einen sofortigen Transfer ad acta legen:

„Ich habe Dynamo Kiew abgesagt. Es wurde zwar eine ganze Menge Geld geboten, aber Marko ist kein Söldner, der nur aufs Geld schaut. Er möchte Werder die Chance geben, mit ihm über seine Zukunft zu reden, weil Werder auch in schlechten Zeiten zu ihm gehalten hat.“

Am Samstag hatte es noch kurzzeitig nach einem baldigen Wechsel ausgesehen. Die „Welt“ berichtete unmittelbar vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen den SC Freiburg von einem quasi perfekten Transfer und einer Ablösesumme von acht bis zehn Millionen Euro. Der neue Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin war schon an seinem ersten Spieltag voll gefordert und dementierte umgehend eine Einigung mit deutlichen Worten wie „Das ist Bullshit“. Die Nachricht von der Arnautovic-Absage nahm der Allofs-Nachfolger gestern Abend dann ganz gelassen zur Kenntnis: „Es ist okay, dass das erledigt ist. Wir haben in dieser Saison noch viel vor uns, da lenken jegliche Nebengeräusche nur ab.“

Wenige Stunden zuvor hatte Eichin noch einmal betont, dass der Bundesligist seinen Außenstürmer mitten in der Saison nicht abgeben will. So sei das am Donnerstag auch der Delegation aus Kiew gesagt worden. „Seitdem hat sich auch nichts mehr getan“, berichtete Eichin. Angesprochen auf eine mögliche Schmerzgrenze bei einem neuerlichen Kiew-Angebot antwortete der 46-Jährige: „Es gibt immer eine Summe, bei der man von wirtschaftlicher Unvernunft sprechen würde, wenn man es nicht tut. Über so eine Summe ist aber nicht gesprochen worden.“

Diese Hintertür, die sich praktisch jeder Club offenhalten muss, schlug Arnautovic nun zu. Der 23-Jährige war die vielen Nachfragen leid. „Marko möchte sich wieder voll auf Fußball und auf Werder konzentrieren. Deshalb hat er mich beauftragt, die Sache jetzt zu beenden und der Öffentlichkeit zu erklären“, berichtete Danijel Arnautovic und sprach somit auch über die Gründe der Absage: „Dynamo Kiew ist nicht der absolute Spitzenclub in Europa. Marko möchte nicht in eine schwächere Liga gehen, nur um abzukassieren. Dafür fühlt er sich viel zu jung. Er möchte irgendwann wieder zu einem europäischen Spitzenclub zurück – also so etwas wie Inter Mailand, wo er schon einmal war.“

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In Italien hatte sich Arnautovic nicht durchsetzen können. In Bremen folgte vor zweieinhalb Jahren der Neustart – dafür zahlte Werder stolze 6,5 Millionen Euro Ablöse an Twente Enschede. Arnautovics Vertrag läuft noch bis Ende der nächsten Saison. Eichin würde gerne verlängern. Arnautovic vielleicht. „Es ist schön, dass Herr Eichin jetzt da ist. Darauf haben wir gewartet. Wir möchten gerne bald mit Werder über die sportliche Perspektive und die finanziellen Möglichkeiten sprechen. Ob Marko dann verlängert oder nicht, das werden wir sehen“, sagte Danijel Arnautovic. Wahrscheinlich wird es schon in dieser Woche ein erstes Treffen geben.

Wie wichtig Arnautovic für die Bremer ist, hat er mit seiner starken Hinrunde (fünf Tore) bewiesen. Zum Jahresstart gab es zwar einen Hänger mit Sperren und Verletzungen, aber am Samstag gegen Freiburg startete der Außenstürmer nach seiner Einwechslung voll durch. „Er hat viel Wirbel gemacht – so, wie wir ihn kennen“, lobte Eichin.

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Arnautovic ist einer, der den Unterschied ausmachen kann: Spielt Werder um die Europa League oder nur um die goldene Ananas? Deshalb war es sportlich gesehen eine gute Entscheidung für die Grün-Weißen. Finanziell geht den Beteiligten allerdings viel Geld durch die Lappen – Werder eine hohe Ablöse, Arnautovic jede Menge Gehalt. Drei Millionen Euro netto sollte der 23-Jährige laut „Bild“ in Kiew bekommen, in Bremen sind es angeblich „nur“ zwei Millionen Euro brutto. „Marko hat ein Mega-Angebot abgelehnt. Aber Geld ist nicht alles“, betonte Danijel Arnautovic: „Man muss sich wohlfühlen, die Familie ebenfalls. Und Marko wollte Werder jetzt nicht hängen lassen.“ · kni

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