Veränderlich! 50 Jahre Wetterkarte in der ARD

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Wie in der Schule: Dr. Heinrich Kruhl erklärte seinen Zuschauern das Wetter in 50er-Jahren noch anhand einer Schiefertafel.

Hamburg - Am 1. März 1960 war Pre­miere: Die Tagesschau zeigte zum ersten Mal ihre berühmte Wetterkarte. Seit 50 Jahren hat sich das Ritual am Ende der beliebtesten deutschen Nachrichtensendung nur wenig geändert.

 Mögen im Rest des TV-Programms Wetterfrösche wie Jörg Kachelmann noch so launig über Blumenkohlwolken schwadronieren: Im Original verliest wie vor Jahr und Tag eine Stimme aus dem Off nüchtern, ob es Sonne, Sturm oder Hagel gibt; dazu wird die Karte eingeblendet – das war’s. 2009 verfolgten durchschnittlich 8,86 Millionen Tagesschau-Zuschauer allabendlich gebannt, ob sie am nächsten Tag frieren oder schwitzen müssen.

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Hinter den Kulissen der stockseriösen Prognose, die auf den Daten des staatlichen Deutschen Wetterdienstes (DWD) basiert, ging es allerdings oft stürmisch zu. Den wohl berühmtesten Wirbel gab es 1999, als der DWD nicht rechtzeitig vor Orkan Lothar warnte. Zudem war die Wetterkarte oft ein Politikum – so versuchten Ministerpräsidenten oder Bürgermeister, bestimmten Städten einen prestigeträchtigen Platz auf der Karte zu verschaffen. Vergeblich: Auf der Deutschlandkarte der Tagesschau ist nur Platz für zehn Städte, und der Zuschauer soll sich schnell orientieren können. Deshalb ist zum Beispiel Köln anstelle der NRW-Hauptstadt Düsseldorf eingezeichnet, und in Hessen Frankfurt statt Wiesbaden.

Heute kaum mehr vorstellbar: Lange Jahre tauchte Deutschland in den Grenzen von 1937 auf der Karte auf – als das endlich geändert wurde, protestierten die Vertriebenenverbände, erzählt ARD-Autor Jochen Becker, der anlässlich des Jubiläums die Geschichte der Wetterkarte erforscht hat. Erste Gehversuche in Sachen Wetterprognose hatte das deutsche Fernsehen schon vor 1960 unternommen: In den von Provisorien bestimmten 50ern marschierten Meteorologen wie Heinrich Kruhl vom Deutschen Seewetteramt einmal täglich ins Hamburger Studio und erklärten den Deutschen der Wirtschaftswunderjahre live, wie das Wetter wird – mit einer Schiefertafel als Wetterkarte und den Puppen Sehbastian und Sehbienchen. Je nach Prog­nose hatten die Figuren einen Schirm oder ein Jäckchen dabei, und wenn es Schnee gab, regnete es Papierflöckchen auf sie herab.

1960 war dieses Experiment vorbei, die Vorhersage bekam ihre endgültige Form: Die Zuständigkeit wechselte zum Hessischen Rundfunk, das Wetter wanderte in die Tagesschau und bekam seinen nüchternen Stil. „Da gab es dann auch Proteste der Zuschauer, die ihre Wetterfrösche vermissten“, sagt Becker. Immer wieder gab es dem ARD-Autor zufolge Überlegungen, frischen Wind in die Präsentation zu bringen – unter anderem als 1963 das ZDF startete und das Wetter in den heute-Nachrichten von Meteorologen im Studio erklären ließ.

Doch in der Tagesschau blieb alles beim Alten – beinahe: Die Technik schritt voran, die anfangs simple Karte wurde modernisiert und der Text dazu aufgelockert. Auch ein langjähriges Markenzeichen wurde irgendwann ausgemustert: Eine Windrose und Pieptöne beendeten früher die Vorhersage – es war der Morsecode QAM, der schlicht bedeutet: Wie wird das Wetter? Knapp 60 Sekunden reichen der Tagesschau für die Vorhersage. Sie beginnt mit der Europakarte und den Luftdruckgebieten, gefolgt von Deutschland mit der Vorhersage von Niederschlag, Wind und Temperaturen, zuletzt die Aussichten. Wer mehr wissen will, der kann sich heute auf zig anderen Sendern informieren – detaillierter und emotionaler. Aber auch die ARD hat aufgerüstet: mit der Show Das Wetter im Ersten, einer Sendung aus der Werkstatt von Gute-Laune-Guru Jörg Kachelmann.

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