Airbag gegen die Lawine

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Dieser Rucksack kann Leben retten. Sekundenschnell bläst sich ein Airbag auf.

Davos - Der “weiße Tod“ ist vermeidbar. Viele Lawinenopfer könnten noch leben, wenn sie ein einfaches Hilfsmittel dabei gehabt hätten. Der Lawinenrucksack kann Leben retten.

Beinahe 98 Prozent der Wintersportler, die bei einem Schneebrettabgang einen solchen Airbag trugen und auslösten, überlebten annähernd unverletzt, ermittelte das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos. Ohne die rund 690 Euro kostende Notfallausrüstung liege die Überlebenschance nur bei rund 50 Prozent.

Überlebenschance von fast 98 Prozent

“Da fragt man sich doch, wieso ein Lawinenrucksack nicht für jeden Wintersportler abseits der gesicherten Pisten eine Selbstverständlichkeit ist“, sagt Daniel Buss. Der 34-jährige Münchner verdankt dem “Avalanche Airbag-System“ (ABS) sein Leben. Anfang Februar wurde der erfahrene Alpinist zusammen mit einer Freundin in der Nähe von Kitzbühel von einer Lawine fortgerissen. “Dank des ausgelösten Airbags schwamm ich wie auf einer Wasserrutsche auf den Schneemassen auf“, erzählt Buss.

Was fast nach Spaß klingt, war für ihn dennoch der blanke Horror: Als die Schneemassen nach rund 250 Metern zum Stillstand kamen, steckte der versierte Tourengeher selbst zwar nur bis zum Oberkörper im Schnee, seine Begleiterin aber war verschwunden. Ohne Airbag lag die 29-Jährige eineinhalb Meter tief unter dem Schnee. Glücklicherweise gleich unter ihm. Als sich Buss selbst ausgrub, stieß er zufällig auf ihren Ski und konnte die bewusstlose Frau retten.

Lawinenrucksack: Zufallsfund eines Jägers

“Ohne meinen ABS-Rucksack wären wir beide tot gewesen“, meint Buss. “So viel Glück haben die wenigsten“, sagt Peter Aschauer. Der deutsche Lawinenrucksack-Pionier tüftelt seit 30 Jahren an dem System, nachdem er 1980 selbst beinahe zum Lawinenopfer geworden wäre. Damals kaufte er das Patent eines Forstmeisters, der in den 70er Jahren entdeckt hatte, dass er in kleinen Lawinen nicht so tief einsackte, wenn er mehr Volumen durch ein erlegtes Tier auf dem Rücken trug.

Erste Tests mit Kanistern und Ballons folgten. Dies war die Geburtsstunde des Lawinenairbags. “Wir setzten auf die effizienteste Möglichkeit, einen Lawinenabgang zu überleben - die Nichtverschüttung“, bringt der 67- jährige Aschauer den Ansatz seines ABS-Rucksacks auf den Punkt. 90 Prozent aller Todesfälle in Lawinen sind nämlich ausschließlich Folge der Verschüttung. Durch den zusätzlichen Auftrieb des ausgelösten Airbags schwimmt das Lawinenopfer auf, kann atmen und erstickt nicht unter den Schneemassen.

Kein Freifahrtschein für Leichtsinnige

Zwei gefaltete Ballons sind seitlich in den Rucksack integriert. Mit einem Auslösegriff oder neuerdings auch per Funkfernsteuerung durch einen Kameraden werden die Ballons blitzschnell aus einer Patrone mit Argon-Gas gefüllt. Das Notfallsystem funktioniert.

Als Freifahrtschein für Leichtsinnige will Aschauer es aber nicht verstanden wissen. “Völlige Sicherheit gibt es in den Bergen nicht“, betont der Bayer. Auch mit seinem ABS-Rucksack könne man durch Sturzfolgen und die enormen Kräfte in einer Lawine zu Tode kommen.

Die Überlebenschance ist aber um ein vielfaches höher, als wenn man sich ausschließlich auf eine oft zu spät kommende Rettung mit Hilfe von Lawinenverschütteten-Suchgeräten (LVS), Sonden und Schaufeln verlässt. Viele Verbände und Veranstalter setzen mittlerweile Lawinenrucksäcke von Aschauer oder den ähnlichen Modellen des Schweizer Unternehmens “Snowpulse“ ein.

Die Airbags setzten sich immer mehr durch und dies nicht nur bei Profis. “Zum Glück“, meint Daniel Buss. “Dem ersten Bergretter, der uns in Kitzbühel erreichte, haben wir einen Lawinenrucksack geschenkt. Und meine Begleiterin wird natürlich auch nie wieder ohne ins Gelände gehen“, erzählt der Münchner.

Bernhard Krieger

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