„Am Anfang konnte er nur mit dem Außenrist schießen“

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    • 01.02.13
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Wie der Sulinger Özkan Yildirim Bundesliga-Profi wurde / „Das ist einer von uns“

„Am Anfang konnte er nur mit dem Außenrist schießen“

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Sulingen - Von Lars Kattner, Björn Knips und Malte Rehnert. Es hat wieder einer nach ganz oben geschafft: Neben Jan Rosenthal (SC Freiburg) und Christian Schulz (Hannover 96) ist Özkan Yildirim nun der dritte aktuelle Bundesliga-Kicker aus dem Landkreis Diepholz.

© ksy

Vor zehn Jahren trug Özkan Yildirim noch das Trikot des TuS Sulingen – und sah schon damals ziemlich professionell aus.

Vor anderthalb Wochen feierte der 19-Jährige gegen Borussia Dortmund sein Debüt, morgen im kleinen Nordderby gegen Hannover 96 wird er wieder dabei sein – und speziell in Sulingen werden sie dann ganz besonders hinschauen.

„Natürlich heißt es hier jetzt: Hey, das ist einer von uns. Das ist wunderbar, dem Ötzi drücken wir die Daumen“, meint Walter Brinkmann, Trainer des Bezirksligisten TuS Sulingen – dem Verein, in dem Yildirim einst begann. „Er hat immer einen Jahrgang höher als vorgesehen gespielt, schon als G-Jugendlicher war er bei der F-Jugend dabei“, erinnert sich Detlef Gössele, Yildirims erster Trainer, und hebt dessen großen Ehrgeiz hervor: „Als er bei uns angefangen hat, konnte er nur mit dem rechten Außenrist schießen, anderthalb Jahre später beidfüßig. Er hat sich bei den Älteren immer etwas abgeschaut und dann solange geübt, bis er es draufhatte.“ Als Wegbereiter sieht sich Gössele, der inzwischen die B-Mädchen des TuS Sulingen betreut, aber nicht. Das Fußballspielen habe Yildirim doch bei Werder Bremen gelernt, wo er seit der D-Jugend kickt.

„Wir waren 2003 mit der Diepholzer Kreisauswahl bei einem Turnier in Hannover. Da bin ich entdeckt worden. Als ich von Werders Anfrage hörte, habe ich mich natürlich sehr gefreut“, berichtet Yildirim. Die Zeit danach sei gar nicht so einfach gewesen, weil der kleine Özkan ja immer irgendwie zum Training nach Bremen kommen musste: „Meistens hat mich mein Vater hingebracht. Er kam mittags von der Arbeit in Osnabrück – und dann ging’s gleich los.“ Konnte der Vater mal nicht, dann sprangen Familie oder Freunde ein. „Da wurden auch schnell mal Autos gewechselt. Früher haben viele gesagt, wir spinnen, weil wir so viel Aufwand betreiben. Jetzt respektieren uns alle und nehmen uns als gutes Beispiel“, erzählt Yildirim und fügt noch mit einem Leuchten in seinen Augen an: „Meine Familie ist sehr stolz. Am Tag nach dem Dortmund-Spiel war ich zu Hause in Sulingen, da waren 14 Familienmitglieder da.“

Bruder Alper kann das nur bestätigen. „Wir sind alle unheimlich stolz. Mama, Papa, ein Onkel und ich waren gegen Dortmund im Stadion. Unser Vater und ich haben Dauerkarten – die lohnen sich jetzt umso mehr“, schwärmt der 23-Jährige, der selbst auch spielt – allerdings nicht wie einst sein Bruder beim TuS, sondern beim Lokalrivalen FC. „So sind in dieser Geschichte beide Sulinger Clubs vereint. Das ist doch schön“, frohlockt TuS-Coach Brinkmann, der sich als DFB-Stützpunkttrainer ganz besonders über Yildirims Bundesliga-Debüt gefreut hat: „Das zeigt den Jungs, dass sich die harte Arbeit lohnt, dass man es wirklich schaffen kann.“ Der Werder-Profi eigne sich dabei sehr gut als Vorbild: „Ötzi hat einen langen Atem gehabt, hat immer an sich geglaubt – das ist sehr, sehr positiv. Ich hoffe, dass er jetzt die Chance bekommt, sich über einen längeren Zeitraum verletzungsfrei zu beweisen. Dann kann er zeigen, was er wirklich kann.“

In den vergangenen anderthalb Jahren konnte er das nicht – da war Yildirim immer wieder verletzt. „In der Zeit habe ich enorm mitgelitten“, erinnert sich Alper Yildirim. Sein Bruder hat sich durchgekämpft – auch mit Hilfe der Familie. Jetzt ist er mittendrin. Gegen Dortmund durfte der Mann mit der Ailton-Nummer 32 ab der 54. Minute erstmals Bundesliga-Luft schnuppern. „Ich habe das Spiel bei Sky gesehen“, berichtet Gössele, und kritisiert – ganz Trainer – im selben Atemzug: „Sein Start war nicht sehr gelungen, er hatte ja gleich einen Fehlpass. Aber danach hat er sich zum Glück gefangen.“ Was in der aktuellen Werder-Truppe gar nicht so einfach ist. Es läuft nicht bei den Bremern. Zwei Spiele,

96-Profi Schulz wünscht ihm alles Gute

zwei Niederlagen lautet die Bilanz in diesem Jahr. Da wünscht Brinkmann dem Talent „schnell eine Phase, in der die Mannschaft etwas stabiler ist als jetzt“. Für Christian Schulz ist das eher nebensächlich: „Du musst deine Chance nutzen, wenn sie kommt. Profi-Fußball ist auch ein wenig Glückssache.“ Von seinem „Nachfolger“ bei Werder hat der Bassumer schon gehört: „Mein Kumpel Manuel Meyer hat mir von Ötzi erzählt. Ich wünsche ihm alles Gute – und vor allem, dass er gesund bleibt.“

Yildirim weiß, dass er zwar schon weit gekommen, aber noch längst nicht am Ziel ist: „Ich bin gerade erst am Anfang meines Traumes.“ Es wird noch dauern, bis er einen anderen Sulinger eingeholt hat. Michael Schulz spielte 243 Mal in der Bundesliga – für Kaiserslautern, Dortmund und Bremen. Und wie es der Zufall so will, auch zu diesem Fußball-Profi hat TuS-Trainer Gössele eine besondere Beziehung: „1981 haben wir gemeinsam in der A-Jugend des TuS Sulingen gespielt.“ Wenn das kein gutes Omen für Özkan Yildirim ist . . .

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