Reaktionen auf die IOC-Entscheidung

Russland bei Olympia: WADA zeigt sich enttäuscht

Montreal/London - Die Entscheidung des IOC, Russland nicht vollständig von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro auszuschließen, wird von der Sportwelt mit Enttäuschung aufgenommen.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hat die Entscheidung des IOC im Fall Russland "zur Kenntnis genommen" und sich "enttäuscht" darüber gezeigt, dass das IOC der WADA-Empfehlung eines kompletten Ausschlusses russischer Athleten auf Basis der Erkenntnisse aus dem McLaren-Report "nicht gefolgt ist". Das gab die WADA in einem Statement am späten Sonntagabend bekannt.

"Ein Ausschluss der russischen Athleten hätte eine ganz klare, zukunftsorientierte Linie aufgezeigt", wird WADA-Chef Craig Reedie in dem Statement zitiert. Der McLaren-Report habe schließlich "jenseits aller Zweifel ein staatlich gestütztes Doping-Programm in Russland dargelegt, das die Prinzipien eines sauberen Sports im Einklang mit dem WADA-Code ernsthaft untergräbt".

Die WADA respektiere natürlich "die Autorität des IOC, Entscheidungen auf Basis der Olympischen Charta zu treffen", sagte WADA-Generalsekretär Olivier Niggli. Die vom IOC genannten Argumente und Kriterien wiesen allerdings darauf hin, dass der saubere Athlet deutlich weniger geschützt sei.

Sehr betroffen sei die WADA auch von der Nachricht, dass Whistleblowerin Julia Stepanowa in Rio nicht starten darf. "Die WADA hat Julias Bestreben, in Rio laufen zu dürfen, stets sehr engagiert unterstützt", sagte Niggli. Stepanowa habe mit viel Mut "den größten Dopingskandal der Geschichte aufgedeckt". Die Botschaft, die ihr Startverbot an alle Whistleblower der Zukunft aussende, "bereitet der WADA große Sorgen".

Britische Athleten üben scharfe Kritik

Auch britische Topathleten haben das IOC für seine Entscheidung im Fall Russland scharf kritisiert. "Das ist ein sehr trauriger Tag für den sauberen Sport", twitterte Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe: "Diese Entscheidung beweist, dass der saubere Athlet nicht das wichtigste Anliegen des IOC ist."

Es sei unfair, den Dachverbänden die Verantwortung zu übertragen, schrieb Radcliffe weiter: "Vor allem die kleineren Verbände haben doch gar nicht die Mittel, um jetzt innerhalb weniger Tage die nötigen Schritte einzuleiten."

Der sechsmalige Bahnrad-Olympiasieger Chris Hoy kritisierte ebenfalls die Tatsache, dass "das IOC seine Verantwortung für die Spiele und den Sport generell abgibt und den Verbänden den Schwarzen Peter zuschiebt. Was ist denn das für eine Botschaft? Es ist die Aufgabe des IOC, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen und zu vertreten", twitterte Hoy.

Der zweimalige Ruder-Olympiasieger James Cracknell schrieb von einem "ganz schlechten Tag. Das IOC schiebt internationalen Verbänden die Entscheidung über den Olympia-Start russischer Athleten in die Schuhe. Unglaublich." Greg Rutherford, Weitsprung-Olympiasieger 2012 in London, sieht seine Befürchtungen durch die Entscheidung von Lausanne bestätigt: "Irgendwie war mir vorher klar, dass sowas dabei rauskommt."

Rubriklistenbild: © dpa

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