Acht Kilo runter in acht Tagen

Was Ringer Frank Stäbler für den Sieg auf sich nimmt

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Frank Stäbler (in rot) ist einer der Favoriten.

Rio de Janeiro - Abnehmen, zunehmen, abnehmen: Was Ringer Frank Stäbler für Olympia alles auf sich nimmt, ist bemerkenswert. Denn er tut vor allem eins: Er leidet.

Vor einem Jahr gewann Ringer Frank Stäbler als erster Deutscher nach 21 Jahren einen WM-Titel im griechisch-römischen Stil, auch in Rio will er um den Titel kämpfen. Damit das klappt, leidet der 27-Jährige. Und zwar so richtig. Im Training in Colorado rannte der Schwabe zum Beispiel fünfmal die Himmelsleiter rauf – eine Treppe mit über 4000 Stufen und knapp 1000 Höhenmetern. „Der Highway zur Hölle“, sagt Stäbler der tz. „Beim ersten Mal freut man sich noch über die Aussicht, beim zweiten Mal ist es eine Qual und danach nur noch höllisch.“ Seine Rekordzeit liegt bei 30 Minuten und 50 Sekunden, der Weltrekord bei 17 Minuten. Wie das gehen soll, weiß aber selbst Stäbler nicht.

Acht Kilo müssen runter – in acht Tagen

Ähnliches gilt für seine „Ernährungstortur“ vor dem Wettkampf am Dienstag (22.38 Uhr MESZ). Normalerweise bringt er mit seinen 1,74 Metern 74 Kilogramm auf die Waage. Die Krux: Er tritt in der Klasse bis 66 Kilo an. Acht Kilo müssen runter – in acht Tagen! Vier Tage isst Stäbler deshalb nur Nudeln mit Brühe, danach gibt’s vier Tage gar nichts mehr. Getrunken wird maximal ein Liter pro Tag – bei fünf Stunden Training! Abends geht’s in die Sauna. „Das alles ist krank, aber die meisten machen das so, und ich mag es lieber kurz und knackig.“ Schlafstörungen und Unwohlsein nimmt der WM-Champion in Kauf. Nach dem letzten offiziellen Wiegen belohnt er sich mit Tafelspitz, Nudeln und Schokocreme und viel, viel Wasser. In der einen Nacht bis zum Wettkampf nimmt Stäbler so wieder fünf Kilogramm zu!

20.000 Euro für Rio-Gold

Daneben verzichtet er auf viel Privatleben. Im vierwöchigen Endspurt vor Rio war Stäbler nur wenige Tage zu Hause, trainierte dafür mindestens 30 Stunden die Woche. Bei den Spielen sind Freundin Sandra, seine Familie und einige Freunde aber dabei. Reich wird man in Deutschland mit seinem Sport trotz der Qualen nicht. In Aserbaidschan wäre er Millionär, hierzulande muss er um Anerkennung ringen, neben seinem Sport arbeitet er als Fachinformatiker bei einem IT-Consulting-Unternehmen. Für seinen WM-Sieg bekam Stäbler 2000 Euro Prämie. Nach Abzug der Steuern waren es noch rund 1500 Euro. „Dann habe ich eine Party geschmissen, und die Kohle war weg“, so Stäbler. Immerhin: Für Rio-Gold bekäme er von der Deutschen Sporthilfe 20 000, für Silber 15 000 und für Bronze 10 000 Euro. Da wäre die Party größer.

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