Jetzt ist es fix

Komplett-Ausschluss russischer Sportler bei den Paralympics in Rio

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Sir Philip Craven, Präsident des IPC.

Rio de Janeiro - Russlands Sportler müssen bei den Paralympics in Rio de Janeiro zuschauen.

Respekt und Unterstützung für den harten Kurs des IPC, aber auch Mitleid mit den Kollegen: Die deutschen Behindertensportler haben den Komplett-Ausschluss Russlands für die Paralympics in Rio de Janeiro (7. bis 18. September) überwiegend positiv aufgenommen.

"Offenbar haben wir mehr Cojones als das IOC", sagte Manuela Schmermund, 2004 Paralympics-Siegerin im Schießen und Sprecherin der deutschen Athleten, dem SID. Das Internationale Olympische Komitee um den deutschen Präsidenten Thomas Bach hatte die Russen nicht ausgeschlossen.

"Es ist nicht so, dass ich das Ergebnis feiere. Das ist ein schwarzer Tag für den Sport", sagte Schmermund, die in Rio zum fünften Mal bei Paralympics antritt: "Es werden auch welche dabei sein, die sauber sind. Aber solch ein komplexes, betrügerisches System kann man nicht weich gespült ausrotten."

Ähnlich sieht es der viermalige Paralympics-Sieger im Radsport, Michael Teuber. "Es ist die richtige und konsequente Entscheidung, das NPC Russlands als Institution zu suspendieren", sagte er dem SID. Für die Sportler sei das bedauerlich, aber die Schuld dafür sei in den Institutionen zu suchen: "Russland hat seine sauberen paralympischen Athleten um die Teilnahme betrogen."

Dies ist auch die Meinung von Birgit Kober, die 2012 Gold im Speerwurf und Kugelstoßen gewann. "Im Hinblick auf all die Fakten der Dopingpraktiken Russlands, die auch weit in den Behindertensport hineinreichen, ist das die einzig richtige Entscheidung", sagte sie. Kober dachte aber auch an die russischen Kollegen. "Ich habe sehr liebenswerte russische Sportfreunde", sagte sie: "Und deswegen tut es mir auch leid, dass sie von diesem System kaputt gemacht worden sind."

Der Meinung ist auch Kugelstoßer Niko Kappel (21), der im Gemeinderat im schwäbischen Welzheim sitzt. "Alle, die sauber waren, tun mir leid", sagt er: "Aber es muss auch einfach in die Köpfe rein, was Doping bedeutet. Ich habe schon Aussagen gelesen, das sei wie ein Verkehrsdelikt, für das man einen Strafzettel bekommt. Das kann nicht sein." Insgesamt wertet er den Ausschluss als "ein sehr krasses Zeichen des IPC. Eine mutige Entscheidung, aber offenbar lagen die Fakten auf dem Tisch. Das IOC hatte vielleicht einfach weniger Zeit."

Erste Fachverbände stellen sich aber schon öffentlich gegen das IPC-Urteil. Der Weltverband der Bogenschützen erklärte, er verurteile den Ausschluss, weil er "gegen die Prinzipien der Inklusion und des Fairplay" sei, auf einem "nicht fertigen Report" fuße und "ohne ausführliche Beratung mit den Fachverbänden" erfolgt sei.

Auch der Fechtverband zeigte sich "sehr enttäuscht". Die drei Russen würden erst dann gesperrt, wenn "die Einspruchsfrist abgelaufen ist und mögliche Verfahren abgeschlossen sind". Russland hatte unmittelbar nach der Entscheidung Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS eingelegt.

dpa/sid

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