Mit Greiss, Glück und Glaube

DEB-Team will Russlands Partyschreck werden

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Das DEB-Team will auch gegen Gastgeber Russland jubeln.

Moskau - Auf dem Papier ist Russland im Viertelfinale der Eishockey-WM für die deutschen Nationalspieler nicht zu schlagen. Trotzdem wollen sie alles für die Sensation geben.

Das ganze russische Riesenreich ist gegen sie, kaum ein Experte räumt ihnen eine realistische Siegchance ein - und doch wollen die deutschen Eishockey-Nationalspieler im nahezu aussichtslosen Viertelfinale gegen Russland zum großen Partyschreck für den WM-Gastgeber werden. Nach dem ersten Schock über den schwersten Brocken in der K.o.-Runde überhaupt brennt das Team von Bundestrainer Marco Sturm auf die Sensation am Donnerstag (19.15 Uhr /Sport1) gegen den haushohen Favoriten.

"Gegen Russland in Russland zu spielen", sagte Kapitän Marcel Goc, "etwas Schöneres kann es für einen Eishockeyspieler nicht geben." Auch Stürmer Patrick Reimer fiebert dem Showdown gegen den Rekordweltmeister im stimmungsvollen Moskauer Eispalast entgegen: "Man muss nicht nur gegen das russische Team bestehen, sondern gegen eine ganze Nation." 140 Millionen Russen erwarten nichts anderes als einen klaren Sieg ihrer Sbornaja gegen Deutschland, denn bei der Heim-WM zählt für das eishockeyverrückte Riesenreich nur Gold.

Von Bundestrainer Sturm und seinem verletzungsgeplagten Team erwartet dagegen nach dem Umzug von St. Petersburg nach Moskau niemand die erste deutsche WM-Medaille seit 63 Jahren. Befreit vom Druck, unterschätzt vom Gegner und erholt von zwei spielfreien Tagen will sich die bislang überzeugende Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) zumindest teuer verkaufen.

"Nichts zu verlieren"

"Wir haben in dieser Partie rein gar nichts zu verlieren", sagt Goc. Der letzte WM-Sieg gegen den 27-maligen Weltmeister ist gar nicht so lange her: Beim bislang letzten Viertelfinaleinzug 2011 setzte sich die DEB-Auswahl gleich zum Auftakt mit 2:0 gegen Russland durch.

Diesmal ist die Aufgabe aber ungleich schwerer. Nach dem Stotter-Start ins Turnier mit der 0:3-Auftaktniederlage gegen Tschechien läuft die "rote Maschine" inzwischen auf Hochtouren. Zwar ist NHL-Superstar Alexander Owetschkin nach seiner verspäteten Ankunft noch von seiner Topform entfernt, dafür punkten andere wie Wadim Schipatschow (13) und Artemi Panarin (12) nach Belieben.

Nach sechs Turniersiegen in Folge scheinen die russischen Kufencracks das deutsche Team nicht zu hundert Prozent ernst zu nehmen. "Ich kann nichts über sie sagen", gab Panarin nach dem überzeugenden 4:1-Sieg zum Vorrundenabschluss gegen Turniermitfavorit Schweden zu. Trainer Oleg Snarok, der seit seiner aktiven Zeit als Spieler in Landsberg, Freiburg und Heilbronn die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, warnte vor Überheblichkeit: "Deutschland ist eine gute Mannschaft. Sie sind psychisch sehr gut vorbereitet und spielen mit viel Druck."

Greiss setzt auf "bayerische Bierruhe"

Der größte Druck wird aber auf Thomas Greiss zukommen. Angesichts der geballten Offensivpower von Owetschkin und Co. muss der bislang so starke NHL-Torhüter der New York Islanders über sich hinauswachsen. Die zu erwartenden russischen Angriffswellen machen ihn aber nicht nervös, der Füssener strahlt wie immer eine "bayerische Bierruhe" aus.

Weitaus mehr Sorgen als sein Keeper bereitet dem Bundestrainer vor seinem ersten K.o.-Spiel bei einer WM hinter der Bande die personelle Situation. Drei Spieler, darunter NHL-Profi Tobias Rieder, mussten verletzungsbedingt bereits abreisen. Ob der am Knie verletzte Stürmer Felix Schütz, der in sieben Gruppenspielen sieben Scorerpunkte erzielte, gegen Russland auflaufen kann, ist weiter fraglich. Der angeschlagene Verteidiger Constantin Braun (Fußverletzung) beißt seit einer Woche auf die Zähne.

"Jetzt darf wirklich überhaupt nichts mehr passieren", sagt Sturm. NHL-Verteidiger Korbinian Holzer glaubt, dass das große Verletzungspech "uns als Mannschaft noch enger zusammenschweißt". So ungünstig die Vorzeichen auch stehen: Deutschlands Traum vom Halbfinale lebt. Für den WM-Gastgeber wäre es ein Alptraum. "Wir dürfen nicht versagen", stellte Russlands Sportminister Witali Mutko klar.

sid

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