Kroatiens schrecklicher Abend: Fan-Randale & 2:0 verspielt

Das Spiel musste kurz vor Ende minutenlang unterbrochen werden. Kroatische Fans warfen Pyrotechnik auf den Rasen. Foto: Yuri Kochetkov
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Das Spiel musste kurz vor Ende minutenlang unterbrochen werden. Kroatische Fans warfen Pyrotechnik auf den Rasen. Foto: Yuri Kochetkov
Damit hatte niemand mehr gerechnet: Den Tschechen gelingt nach einem 0:2 noch der Ausgleich. Foto: Uwe Anspach
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Damit hatte niemand mehr gerechnet: Den Tschechen gelingt nach einem 0:2 noch der Ausgleich. Foto: Uwe Anspach
Darijo Srna weinte bei der kroatischen Hymne. Seine Vater verstarb am Sonntag nach schwerer Krankheit. Foto: Sergey Dolzhenko
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Darijo Srna weinte bei der kroatischen Hymne. Seine Vater verstarb am Sonntag nach schwerer Krankheit. Foto: Sergey Dolzhenko
Ivan Perisic zielt in der 37. Minute ganz genau. Der Linksschuss des ehemaligen Bundesliga-Profis zappelt im Netz. Foto: Mast Irham
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Ivan Perisic zielt in der 37. Minute ganz genau. Der Linksschuss des ehemaligen Bundesliga-Profis zappelt im Netz. Foto: Mast Irham
Perisic mit seinem ersten Tor bei der EM. Foto: Cj Gunther
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Perisic mit seinem ersten Tor bei der EM. Foto: Cj Gunther
Tomás Rosicky und Co. droht das EM-Aus. Foto: Robert Ghement
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Tomás Rosicky und Co. droht das EM-Aus. Foto: Robert Ghement
Tschechiens Trainer Pavel Vrba wollte zwischenzeitlich nicht mehr hinsehen. Foto: Robert Ghement
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Tschechiens Trainer Pavel Vrba wollte zwischenzeitlich nicht mehr hinsehen. Foto: Robert Ghement
Keine Badekappe: Corluka verletzte sich im ersten Spiel am Kopf, seit dem trägt er auf dem Platz einen Turban. Foto: Robert Ghement
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Keine Badekappe: Corluka verletzte sich im ersten Spiel am Kopf, seit dem trägt er auf dem Platz einen Turban. Foto: Robert Ghement

Lange Zeit ist das Spiel gegen Tschechien eine Demonstration kroatischer Klasse. Doch für den Geheimfavoriten dieser EM endet der Abend in Saint-Etienne in einem Desaster.

Saint-Étienne (dpa) - Fassungslos standen die kroatischen Spieler nach dem Abpfiff auf dem Rasen. Binnen weniger Minuten ist in Saint-Etienne aus einem Fußball-Fest noch ein kleines sportliches Drama auf dem Rasen und vor allem ein großer, schwerwiegender Eklat auf den Zuschauerrängen geworden.

Beim 2:2 (1:0) gegen eigentlich hoffnungslos unterlegene Tschechen verspielten die Kroaten in den letzten Minuten noch eine 2:0-Führung. Sie verloren auch noch ihren alles überragenden Spielmacher Luka Modric, der in der zweiten Halbzeit mit einer Muskelverletzung ausgewechselt wurde. Und sie müssen als Wiederholungstäter nun eine massive Strafe durch den europäischen Verband UEFA fürchten, denn der Ausgleichstreffer durch einen Handelfmeter von Tomas Necid (90.+3) fiel kurz nach einer rund fünfminütigen Spielunterbrechung.

Kroatische Fans hatten zunächst Knallkörper und bengalische Feuer auf das Spielfeld geworfen. Danach lieferten sie sich untereinander wüste Schlägereien. Dass eine Partie unterbrochen werden musste, hatte es vorher selbst bei diesem von Hooligan-Ausschreitungen überschatteten Turnier noch nicht gegeben. Innerhalb weniger Minuten zeigten sich die geballten Selbstzerstörungskräfte des kroatischen Fußballs.

"Meine Spieler sitzen in der Kabine und sind so enttäuscht", sagte Trainer Ante Cacic, der die Fanrandale aufs Schärfste verurteilte. "Ich nennen das eine Art von Terror. Das sind für mich keine Fans, ich nenne sie Hooligans. Diese Leute ruinieren alles, was wir hier aufbauen. Auch 90 Prozent der kroatischen Fans schämen sich dafür."

Die Frage ist nun, ob sich das kroatische Team bei dieser EM von diesen gebündelten Schreckensnachrichten noch einmal erholen wird. Das Weiterkommen in der starken Gruppe D ist mit vier Punkten aus zwei Spielen nach wie vor mehr als wahrscheinlich. Aber die Langzeitfolgen dieses Abends sind noch die abzusehen.

Noch am Samstag wird die Disziplinarkommission der UEFA ihre Ermittlungen zu den Vorkommnissen im kroatischen Fanblock aufnehmen. Sie braucht dazu den Spielbericht des Schiedsrichters. Etwa zur gleichen Zeit wird auch Modric erneut untersucht. Ob der Spielmacher von Real Madrid zum letzten Gruppenspiel gegen Spanien wieder fit wird, ist fraglich. "Er war müde und hatte muskuläre Probleme", erklärte Cacic. "Sein Ausscheiden war heute unser größtes Problem."

Zum Zeitpunkt dieser Auswechselung in der 62. Minute führte Kroatien durch Tore von Ivan Perisic (37.) und Ivan Rakitic (59.) mit 2:0. Aus einem Geheimfavoriten dieser EM war immer mehr ein Mitfavorit geworden. Das Starensemble spielte zeitweise berauschenden Kombinationsfußball und hatte Chance um Chance. Doch dann brach auf einmal alles zusammen. Milan Skoda (76.) vor und Necid nach der Spielunterbrechung trafen für die Tschechen. "Ich hatte heute nie das Gefühl, das uns etwas gefährlich werden könnte. Aber durch die Unterbrechung haben wir unseren Rhythmus verloren", sagte Rakitic.

Dass kroatische Teams im Überschwang schon einmal die Konzentration verlieren, ist nicht neu. Dass ihre Fans zu den verrufensten in Europa zählen, aber auch nicht. Schon während der EM-Qualifikation waren sie für zwei Skandale verantwortlich. Das Hinspiel in Italien musste wegen Ausschreitungen ebenfalls unterbrochen werden. Vor dem Rückspiel in Split wurde dann ein Hakenkreuz in den Rasen eingebrannt. Die Anhänger in diesem Land sind tief verfeindet. Fans von Hajduk Split hassen solche von Dinamo Zagreb und umgekehrt. Das ist eine mögliche Erklärung für die Randale vom Freitag.

Und die Tschechen? Die freuten sich über ihren kaum mehr für möglich gehaltenen ersten Punkt in diesem Turnier. "Kroatien war klar besser. Ich habe meinen Spielern in der Halbzeit gesagt: Wenn ihr keinen Fußball spielen wollt, kann ich euch hier nicht gebrauchen", sagte Trainer Pavel Vrba. "Die zweite Halbzeit war dann deutlich besser. Dieses Ergebnis lässt uns noch alle Chancen auf das Weiterkommen."

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