Erstliga-Erfahrung, Fitnesscoach für Fußballprofis und nun Trainer der TVN-A-Jugend

Schleifer Schumacher freut sich über „den Fleiß der Jungs“

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Zurück zur Jugend: Reiner Schumacher, einst Betreuer und Co-Trainer des Wilhelmshavener HV sowie bis Mai Coach der HG Jever/Schortens, übernahm die A-Jugend des TV Neerstedt.

Neerstedt - Von Cord Krüger. Sechs Jahre stand Reiner Schumacher an der Seitenlinie des Wilhelmshavener HV – in dessen besten Zeiten als Handball-Bundesligist. Zu seinem damaligen Chefcoach Michael Biegler, inzwischen Frauen-Bundestrainer, hat der einstige Betreuer und Co-Trainer noch immer einen kurzen Draht.

Zudem „schleift“ der 59-Jährige höherklassige Fußballteams wie Regionalligist SV Meppen und Oberligist VfL Oldenburg – oder einzelne Profis wie Sebastian Polter vom englischen Zweitligisten Queens Park Rangers. Nebenher produziert der Fitness-Fanatiker fleißig Crossfit-DVDs. Doch warum coacht er jetzt noch die A-Jugend-Handballer des TV Neerstedt? „Schumis“ Antwort klingt so simpel wie plausibel: „Weil ich Bock drauf habe.“

Landesliga-Rumpfteam echte Herausforderung

Mindestens ebenso wichtig ist ihm aber: „Auch die Jungs haben Bock. Sie sind gut, wenn auch keine Überflieger-Handballer. Aber sie sind ungeheuer fleißig und wissbegierig“, schildert Schumacher nach den bereits ersten fünf Einheiten mit dem Team, das im Mai durch seinen Triumph in der Relegation den Aufstieg in die Landesliga schaffte. Zurzeit stehen dem neuen Übungsleiter nur zehn Nachwuchskräfte zur Verfügung. „Damit kann man eigentlich keine Saison durchhalten“, meint der einstige Berufssoldat und jetzige Fachmann im Wilhelmshavener Karrierecenter der Bundeswehr. Doch genau dieser Rumpfkader bedeutet eine Herausforderung ganz nach seinem Geschmack. Als er nämlich vor neun Jahren vom WHV zur HG Jever/Schortens wechselte und dort zunächst die A-Jugend in der Landesliga übernahm, „hatte ich nur neun Mann – und wir wurden auf Anhieb Vizemeister.“ Nach sechs Serien mit den A-Junioren stieg der ehemalige Auswahltrainer als Coach der HG-Männer ein, von denen er sich vor einem Monat nach drei Jahren verabschiedete. „Platz sechs in der Landesliga mit dieser jungen Truppe – es war der perfekte Zeitpunkt zum Aufhören, ehe mich irgendwann jemand wegen Erfolglosigkeit vom Hof gejagt hätte.“

Nun also Neerstedt. Mit dem Auto bedeutet das pro Strecke eine gute Stunde von seinem Wohnort Wilhelmshaven. Die besten B-Jugendlichen hat der Trainer mit der „abgelaufenen C-Lizenz“ (O-Ton Schumacher) und dem (noch gültigen) Fußball-Lehrer-Schein bereits in die A-Jugend befördert. Für weitere Verstärkungen hält er die Tür der Neerstedter Halle jederzeit weit offen. „Wer also Lust hat, sich quälen und beleidigen zu lassen, kann sich gern melden“, sagt „Schumi“ grinsend. Und zwar bei Friedel Schulenberg, dem Handball-Abteilungsleiter des TVN. Der hatte Schumacher von der Küste in den Kreis Oldenburg gelotst – und klingt ein bisschen stolz auf diesen Coup: „,Schumi’ hat eine interessante Vita. Und die ersten Einheiten sahen schon gut aus“, umschreibt er das intensive Pensum.

„Natürlich kamen Fragen auf, wieviel Schotter ich denn hier verdiene – aber ich bekomme nichts“, versichert der neue Mann beim TVN. Im Moment ist sein Lohn, „dass die Jungs voll mitziehen und zu jedem Training wiederkommen“. Auch bei der ersten Teambuilding-Maßnahme, dem gemeinsamen Kart-Fahren in Rastede, erkannte er, dass sich aus dem Gefüge etwas machen ließe. Demnächst geht es in den Kletterpark, später zu einem Trainingslager nach Jever. Schumachers Ex-Verein sagte ihm sofort die Halle zu. Ein Zeichen, dass er bei der HG Jever/Schortens nicht allzu viel verkehrt gemacht haben kann.

Friedel Schulenberg stolz auf den Coup

Wichtiger als derlei Ausflüge sind dem A-Jugend-Coach jedoch mögliche gemeinsame Einheiten mit der ersten Herrenmannschaft des TVN aus der Oberliga. „Ich hoffe, dass ,Rade’ da mitmacht“, wünscht er sich mit Blick auf Cheftrainer Jörg Rademacher – wohlwissend, „dass das Niveau darunter etwas leidet. Die Jungs können noch nicht so weit sein wie die Männer.“ Doch es geht ihm darum, „dass meine Spieler an das System, an die Spielzüge der Ersten, herangeführt werden. Falls sie mal den Sprung nach oben schaffen sollten, betreten sie dann kein komplettes Neuland.“

Schulenberg käme das natürlich mehr als gelegen. Denn „ein entsprechender Unterbau wäre ungeheuer wichtig für uns“, verdeutlicht der Sparten-Chef.

Bis dahin dauert es jedoch noch eine Weile – und so lange will Reiner Schumacher die A-Jugend fit für ihre neue Liga machen. „Im Jugendhandball kann es für mich ruhig rauf und runter gehen – mit Tempogegenstößen, erweiterten Gegenstößen oder der schnellen Mitte“, nennt der 59-Jährige seine Marschroute. Damit hofft er, „dass wir in der Landesliga nicht ganz tief unten reinrutschen. Aber selbst wenn: Wichtiger als die Endplatzierung ist mir, dass sich jeder weiterentwickelt.“ Und „Schumi“ glaubt, dass ihm das gelingt.  

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